Großkuchen ist Josef Weber, und Josef Weber ist Großkuchen. Das lässt sich mit Fug und Recht behaupten, wenn man bedenkt, dass er seit 1997 das Amt des Ortsvorstehers innehat.

Am 19. September vollendet Weber das 70. Lebensjahr. Seiner Rolle in der Gemeinde entsprechend, wird er viele Glückwünsche entgegennehmen, Hände schütteln und Telefonate führen. Ein großer Bahnhof ist im Unterschied zum 60. allerdings nicht geplant: „Diesmal gibt es nur ein lockeres Fest mit Freunden und Verwandten“, sagt er im Vorfeld, „und ich will mal wieder der Josef sein, der ich bin.“

In jeder Funktion derselbe Mensch

Es dürfte freilich kaum jemanden geben, der behauptet, Weber sei nicht er selbst, sondern schlüpfe in eine Rolle, wenn er die eigenen vier Wände verlässt. Oder dass er sich in eine andere Person verwandele, sobald er an seinem Schreibtisch im Rathaus sitzt und sich von Amts wegen um öffentliche Belange kümmert.

Die Menschen spüren, dass er sich nicht verstellt, sondern immer einer der ihren geblieben ist. Und seine Akzeptanz in der Bevölkerung rührt maßgeblich daher, dass man ihm seine Begeisterung für das Amt abnimmt, sich über einen Besuch von ihm, über einen kurzen Plausch freut.

Für 2024 keine erneute Kandidatur geplant

„Ich mache diesen Job unheimlich gerne“, sagt Weber, „andernfalls müsste ich sofort aufhören, denn die Leute merken natürlich, wenn man nicht mehr mit dem Herzen bei der Sache ist.“ Gleichwohl hat eben bei aller Hingabe alles seine Zeit, und so hat Weber bereits angekündigt, bei der Kommunalwahl 2024 nicht mehr anzutreten.

Noch aber ist das Engagement des „Eigentlich-Ruheständlers“ ungebrochen, sein Amt weit mehr als ein Halbtagsjob. „Manchmal bin ich mehr in Großkuchen, als in Kleinkuchen, wo ich mit meiner Frau wohne“, sagt er, und betont, dass sich im Laufe der Jahre Vieles grundlegend verändert habe. Früher sei so manches lockerer gehandhabt worden, habe man Dinge bisweilen auch am Biertisch entschieden. Alles längst passé.

Als der Liter Sprit noch 49 Pfennig kostete

Ja, früher: Als der gelernte Landmaschinenmechaniker ins Berufsleben startete, lag sein Wochenverdienst noch bei 22 Mark, und der Liter Sprit kostete 49 Pfennig.

Angst, demnächst auch Teil solcher Schilderungen aus längst vergangenen Zeiten zu sein, hat Weber nicht. Einst hätten Menschen mit 70 zwar tatsächlich als alt gegolten. Entscheidend fürs Selbstverständnis sei aber allemal, wie man sich selber fühle. Und diesbezüglich gebe es keinen Anlass zur Sorge.

Was also soll die Zukunft bringen? „Ich hoffe ganz einfach auf Gesundheit. Damit ich zusammen mit meiner Familie und meinen Enkeln noch möglichst viele schöne Jahre verbringen kann.“