Heidenheim / Von Thomas Zeller Carsharing scheint für viele Gemeinden im Kreis Heidenheim gerade zum Trendthema zu werden. Dabei gehen die Angebote oft an den Bedürfnissen der Einwohner vorbei, schreibt Thomas Zeller in seiner Kolumne „So gesehen“.

Immer mehr Gemeinden im Kreis beteiligen sich mit Partnern an Dorf- oder Stadtautos, um sie an ihre Einwohner zu verleihen. Neudeutsch heißt das Ganze Carsharing und funktioniert zumindest in den Großstädten stellenweise schon sehr profitabel. Dort haben unlängst die Konzerne Daimler (car2go) und BMW (DriveNow) ihre Carsharing-Aktivitäten zusammengelegt, um noch mehr Kundschaft zu gewinnen, die in einem relativ kleinen, aber sehr dicht besiedelten Gebiet zusammen wohnt.

Weil aber Gerstetten oder Hermaringen eben nicht München oder Stuttgart sind und statt Hunderttausende eher Tausende Einwohner haben, sind diese Unternehmen bisher auch noch nicht auf die Idee gekommen, ihr Geschäftsmodell hier auszurollen. Denn während es in den Städten schick ist, das eigene Auto abzuschaffen und auf das Carsharing umzusteigen, käme in den meisten Kreisgemeinden kaum jemand auf diesen Gedanken. Denn ohne Fahrzeug ist man im Augenblick in vielen Ortsteilen, in denen der Bus nur ein paar Mal am Tag vorbeikommt, ziemlich verloren.

Das Erfolgsrezept für Carsharing in den größeren Städten basiert auf mehreren Faktoren. Zum einen hat hier rund ein Drittel der Haushalte bereits kein eigenes Auto mehr. Im ländlichen Raum liegt dieser Wert bei vier Prozent. Zum anderen sind die meisten Angebote fußläufig erreichbar. Das ist in den meisten Kommunen im Kreis Heidenheim eine Illusion. Wenn also Herbrechtinger oder Steinheimer künftig die geplanten Carsharing-Angebote für Wochenendeinkäufe nutzen wollen, sollten sie möglichst nicht in den Ortsteilen Bolheim oder Söhnstetten wohnen. Denn sonst müssten sie erst einmal eine kilometerlange Anfahrt zum Gemeindeauto unternehmen, das sie dann nach der Tour wieder zurückbringen müssten, um anschließend heimzufahren.

Die Grundidee ist zwar gut, für den ländlichen Raum aber noch lange nicht ausgereift. Das zeigen auch die Zahlen der Gerstetter Carsharing-Pioniere. Hier kann man ein entsprechendes Angebot bereits seit Ende 2017 nutzen. Im vergangenen Jahr wurden erstmals Auslastungszahlen veröffentlicht. Und die waren nicht berauschend. Die durchschnittliche Auslastung lag bei gerade mal 7,4 Prozent. Dieser Wert wurde übrigens nur erreicht, weil auch etliche Rathausmitarbeiter den Wagen für Dienstfahrten nutzten.

Es ist in Ordnung, wenn Gemeinden für innovative Projekte in finanzielle Vorleistungen treten, aber an dieser Stelle mag die Prognose erlaubt sein, dass kein einziges dieser Carsharing-Angebote in den nächsten Jahren auch nur kostendeckend arbeiten wird. Denn dafür muss eine Auslastung von etwa 15 Prozent erreicht werden. Und wir sprechen hier nur von der Abdeckung der Kosten für den laufenden Betrieb. Vollkommen unrealistisch wird die Rechnung, wenn es um die Refinanzierung des Anschaffungspreises geht, selbst wenn der teilweise von den Partnern der Kommunen getragen wird.

Wäre es nicht sinnvoller die Steuergelder in Mobilitätskonzepte zu stecken, die im ländlichen Raum bereits erfolgreich getestet wurden? Ein gutes Beispiel wäre der Ausbau bestehender und die Schaffung neuer Bürgerbus-Linien, die in bestimmten Abständen Wohngebiete und Seniorenheime mit dem Ortskern und Märkten verbinden. Die Fahrer sind zumeist Ehrenamtler, das Fahrzeug wird von der Gemeinde gestellt. Das mag sich vielleicht nicht so schick wie Carsharing anhören, funktioniert dafür aber bereits in Steinheim, Königsbronn und vielen anderen Gemeinden in Baden-Württemberg.