Heidenheim / Klaus Dammann „Rocketman“ wird als Elton-John-Biopic zum mitreißenden Musikfilm.

Wer ist der clowneske Mann hinter den schrillen Bühnen-Outfits und den extravaganten Brillen? Der begnadete Sänger und Komponist einer Fülle von Welthits von „Crocodile Rock“ bis „I’m Still Standing“? Einer, der es wissen sollte, hat das jüngste Musiker-Biopic „Rocketman“ mitproduziert: Sir Elton John himself.

Lernt man den großen britischen Künstler also in diesem neuen Film definitiv kennen? Wohl eher nicht. Dazu kommt „Rocketman“ zu oft allzu selbstmitleidig daher. Einen faszinierenden Eindruck jener Jahre im Musik-Business von den Swinging Sixties bis Ende der Achtziger und der Triumphe und Abstürze des britischen Pop- und Piano-Giganten gewinnt der Zuschauer aber allemal.

Schwimmt auf der Welle des Musikfilm-Booms

„Rocketman“ bewegt sich zielsicher im vom „LaLaLand“-Erfolg ausgelösten Musikfilm-Boom und liegt voll im Sog von „Bohemian Rhapsody“ und „A Star Is Born“. Inszeniert hat die Story Dexter Fletcher großteils in Form eines klassischen Künstlerdramas, das um Bühnenmusicalszenen und große Konzertauftritte erweitert ist. Kaum einer der bekannten Elton-John-Hits wird ausgelassen, gesungen freilich nicht vom Meister persönlich, sondern von seiner exzellenten filmischen Verkörperung Taron Egerton, der auch schon dem englischen Skispringer Eddie The Eagle großes Kino-Format verlieh.

Zu erleben sind die schwierige Kindheit des musikalischen Ausnahmetalents, vom Vater ungeliebt und um Aufmerksamkeit heischend, weiter die perfekte Kollaboration mit Texter Bernie Taupin, die Homosexualität, die Superstar-Allüren bis zum Alkohol- und Drogenmissbrauch, als Sir Elton der Yellow Brick Road gebrochen Goodbye sagen muss.

Inszeniert als Lebensbeichte in der Entziehungsklinik, besticht der Film durch seine mitreißenden Musiksequenzen, in denen die berühmten Songs zelebriert werden, aber auch durch Egertons starkes Spiel. Was will man mehr?

Auch englische Fassung; Capitol, ab 12.