Ein Jahr ist es mittlerweile her, seit die Staatsanwaltschaft Ellwangen Anklage gegen den Heidenheimer Unternehmer Wolfgang Wilhelm R. erhoben hat. Seither hat sich das Amtsgericht Heidenheim damit beschäftigt, ob das Verfahren zur Verhandlung zugelassen wird oder nicht. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft lauteten auf Untreue und Unterschlagung im Zusammenhang mit dem Vermögen der in Hamburg ansässigen Kremlin AG.

Amtsgerichtsdirektor Rainer Feil hat in dieser Angelegenheit zwei Entscheidungen getroffen: Die Eröffnung des Verfahrens wegen Unterschlagung hat er abgelehnt. Zum zweiten Tatvorwurf der Untreue hatte Feil zunächst Nachermittlungen angeordnet, diese seien aber auch nicht ausreichend gewesen, so der Richter. „Es gibt noch eine Vielzahl von Ermittlungsansätzen“, meint Feil. Diese sind nun aber wieder Aufgabe der Staatsanwaltschaft, an die Feil die Akten zurückgegeben hat. Der Amtsgerichtsdirektor kritisiert zumindest indirekt die bisherige Arbeit der Ellwanger Ermittlungsbehörde, die seiner Ansicht nach bezüglich des Sachverhalts „nur unzureichend ermittelt“ habe.

Um was war es bei der Anklage gegangen? Wolfgang Wilhelm R. war bis Mai 2016 Vorstand der Kremlin AG, wurde dann aber aufgrund einer Vorstrafe von Amts wegen aus diesem Amt gelöscht. Da er die Herausgabe von zehn Goldbarren aus dem Besitz der Kremlin AG an den ihm nachfolgenden Vorstand Hans-Hermann Mindermann verweigerte, warf ihm die Staatsanwaltschaft Ellwangen Unterschlagung vor. Richter Feil sieht diesen Vorgang anders: Es gebe keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Angeschuldigte die Goldbarren „auf die Seite geschafft“ oder für eigene Zwecke verwendet hätte. Dies werde auch von der Staatsanwaltschaft nicht angenommen. Deshalb sei aus Sicht des Gerichts kein Straftatbestand verwirklicht. Von einer Unterschlagung hätte man nur ausgehen können, wenn R. die Goldbarren beispielsweise versteckt hätte. Womöglich sei dieses Verhalten zivilrechtlich zu ahnden, strafrechtlich laut Feil nicht.

Etwas anders sieht es hinsichtlich des zweiten Tatvorwurfs aus: Im März 2016 soll R. noch in seiner Rolle als Vorstand der Kremlin AG Aktien, die der Gesellschaft gehörten, an eine anderen Aktiengesellschaft übertragen haben. Den Wert dieser Aktien beziffert die Staatsanwaltschaft Ellwangen auf eine sechsstellige Summe. Weil dieser Transaktion kein Rechtsgeschäft mit entsprechender Gegenleistung zugrunde gelegen habe, wirft die Staatsanwaltschaft R. Untreue vor. Bezüglich dieses Vorgangs hält das Amtsgericht weitere umfangreiche Ermittlungen für notwendig, die nun die Staatsanwaltschaft anstellen soll. Erst danach wird über die Zulassung des Verfahrens entschieden.

Nach Auskunft von Pressesprecher Armin Burger würden die Vorgänge von der Staatsanwaltschaft Ellwangen derzeit geprüft.

Ermittlungen auch in München


Auch die Staatsanwaltschaft München II führt Ermittlungen, in denen es um Untreue zum Nachteil der Karwendelbahn AG geht. Vorstand dieser Gesellschaft, die die Mittenwalder Seilbahn betreibt, ist seit August (wieder) Wolfgang Wilhelm Reich.

Anfang Mai hat die Münchner Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang Durchsuchungen in Heidenheim veranlasst. Ermittelt wird gegen mindestens fünf Beschuldigte, bei denen es sich laut Kriminalpolizei Garmisch-Partenkirchen um „Verantwortliche und Ex-Verantwortliche der Karwendelbahn AG“ handelt. Die Ermittlungen dauern laut Staatsanwaltschaft an. sk