Die Raumprobleme der Gemeinschaftsschule in der Voithsiedlung sind nicht neu, und so beschäftigt sich die Stadtverwaltung schon seit geraumer Zeit mit der Suche nach Lösungen. Letzter Stand war, dass die Schule einen Anbau erhält, und die Planung war schon so weit fortgeschritten, dass die Finanzierung berechnet wurde.

Demzufolge würden sich die Kosten für Umbau und Sanierung des Primarbereichs an der Friedrich-Voith-Schule und einen zusätzlichen Neubau auf insgesamt 8,5 Millionen Euro belaufen. Die Bauphase würde sich unter laufendem Betrieb mit allen Belastungen für den Schulalltag bis ins Jahr 2019 hinziehen.

Eine weitere Variante, die von der Verwaltung geprüft wurde, ist die Unterbringung der Gemeinschaftsschule im DH-Gebäude an der Bergstraße. Dies wäre jedoch nur möglich, wenn es tatsächlich einen seit Langem geforderten zweiten DH-Neubau gäbe. Und auch dann wären dem Leiter des städtischen Fachbereichs Familie, Bildung und Sport, Dieter Henle, zufolge die Bedingungen nicht optimal. Zwar wäre die Raumkapazität ausreichend, doch seien die Mietmodalitäten für die Stadt unbefriedigend, erläuterte er dem Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung.

Doch durch die Möglichkeit, das nördliche WCM-Areal zu erwerben haben sich für die Stadt wie für die Schule völlig neue Perspektiven aufgetan. Denn nach Ansicht der Fachleute eignet sich die dortige Rote Halle, in der die Zukunftsakademie untergebracht ist, hervorragend als zweiter Standort für die Friedrich-Voith-Schule.

Beim Gemeinderat stießen die Planungen durchweg auf Zustimmung. CDU, Freie Wähler, SPD, und die Grünen signalisierten OB Bernhard Ilg volle Unterstützung für das Vorhaben.

Grundsätzlich sieht man bei der Verwaltung eine gute Vereinbarkeit von Gemeinschaftsschule und möglichem DH-Campus, der auf dem südlichen Teil des WCM-Geländes vorstellbar wäre. Die Rote Halle und das nördlich anschließende Werkstattgebäude biete sich für die schulische Nutzung an, so Henle. Während in der Halle Lerngruppenräume, Ateliers, Differenzierungs- und Fachräume entstehen könnten, wäre im Werkstattgebäude, das sich derzeit noch in rohbauähnlichem Zustand befindet, der Ganztagesbereich mit Mensa, Leitungs- und Lehrerbereich möglich. Außerdem wären hier weitere Fachräume für Kunst und Textiles Werken vorstellbar.

Nicht nur aus Sicht der Stadtverwaltung und des Gemeinderats wäre die Unterbringung der Gemeinschaftssschule in der Roten Halle eine gute Sache. Auch von Seiten der Schule selbst habe es Zustimmung zu den Überlegungen gegeben, erklärte Henle. Die Schulkonferenz habe sich dafür ausgesprochen und halte den Standort für zukunftsträchtig. Zwar widerspreche diese Variante dem Verständnis, dass die Gemeinschaftsschule über alle Klassenstufen an einem Ort sein sollte, doch überwiegen auch aus Sicht der Schule die Vorteile.

Vor allem aus finanziellen Gründen ist die Variante WCM-Gelände nicht uninteressant. Denn ersten Berechnungen zufolge belaufen sich die Kosten für den Umbau der Roten Halle und des Werkstattgebäudes auf insgesamt knapp sechs Millionen Euro und liegen damit deutlich unter denen für einen Neubau am angestammten Standort der Friedrich-Voith-Schule. Auf Seiten der Stadt rechnet man mit Fördermitteln in Höhe von etwa 1,9 Millionen Euro. Doch auch wenn die Sekundarstufe in die Rote Halle zieht, muss in der eigentlichen Friedrich-Voith-Schule auch renoviert werden. Die Kosten dafür werden mit etwa 2,3 Millionen Euro beziffert. Nachdem der Gemeinderat der Planung seinen Segen gegeben hat, soll bis zum Oktober kommenden Jahres ein passendes Raumkonzept für die Rote Halle erarbeitet und das bauliche Konzept für die Gemeinschaftsschule vorgestellt werden. Im Frühjahr 2016 soll dann mit dem Umbau begonnen werden, so dass die ersten Klassenstufen der Gemeinschaftsschule im Sommer 2016 einziehen können.

Doch was passiert dann mit der Zukunftsakademie, die erst vor gut einem Jahr in der zuvor komplett sanierten Roten Halle eine Heimat gefunden hat? Sie wird dem Plan zufolge im Sommer 2016 ausziehen. Eine Heimat soll sie in einem Neubau der Dualen Hochschule finden, doch ob es diesen bis dahin geben wird, ist fraglich.