Heidenheim / Karin Fuchs Laut Polizei gehört die Region zu den sichersten im Land, auch wenn das Bauchgefühl ein anderes ist. Grund ist die steigende Gewalt im öffentlichen Raum.

Die Tendenz ist positiv: Mit 5218 Straftaten ist die Kriminalitätslage im Landkreis Heidenheim besser als im Vorjahr, die Aufklärungsquote ist mit 64 Prozent identisch.

Auch eine andere Zahl verrät, dass der Landkreis Heidenheim zu den sicheren im Land gehört: Auf 100 000 Einwohner kommen 3875 Straftaten. Im Land sind es mehr als 5100. „Das ist ein Indiz: Wir leben in einer sehr sicheren Region“, sagt Polizeipräsident Christian Nill, der am Montag gemeinsam mit dem stellvertretenden Leiter der Kriminalpolizeidirektion, Bernd Ziehfreund, die Kriminalstatistik 2018 präsentierte.

Weniger Wohnungseinbrüche

Zu den positiven Nachrichten zählt Nill den Rückgang bei den Wohungseinbrüchen. 109 Wohungseinbrüche wurden der Polizei 2018 im Landkreis angezeigt bei einer Aufklärungsquote von 16,1 Prozent. Im Jahr zuvor wares es 169 Einbrüche.

Grund für diesen Rückgang sind die Sicherheitsmaßnahmen der Wohnungseigentümer und zugleich auch intensivere Prävention und Ermittlungen, die laut Ziehfreund teils sehr aufwendig seien. Die Polizei stoße auf Tätergruppen, oftmals aus dem osteuropäischen Ausland, die sehr organisiert vorgingen. Die Gruppen hätten Kontakt zu Landsleuten vor Ort, die die Objekte abklärten. Vorgegangen werde arbeitsteilig. Zwei bis drei der Personen brechen ein und liefern das Diebesgut an einem Ort ab, wo andere der Gruppe es einsammelten. Wenn die Polizei die Einbrecher schnappe, finde man bei diesen kein Diebesgut, was die Ermittlungen kompliziert mache.

Polizei ermittelt verstärkt in der Drogenszene

Einen Ermittlungserfolg hatte die Kripo bei der Rauschgiftkriminalität. 389 Delikte zählt die Statistik 2018 (2017: 342). Das heißt laut Polizeipräsident Nill jedoch nicht, dass die tatsächliche Zahl der Straftaten zugenomen hat, sondern der Grund sei die verstärkte Arbeit der speziell eingesetzten Rauschgiftermittlungsgruppen in allen Landkreisen. Wegen der sozial schädlichen Begleiterscheinungen wie Beschaffungskriminalität und Aggressivität bei Drogeneinfluss habe die Polizei diesen Ermittlungsschwerpunkt gesetzt. Durch das Aufdecken der Straßenhändler hoffe man, auf deren Hintermänner zu gelangen.

Neben Gaststätten spielten auch Flüchtlingswohnheime als Drogenumschlagplätze eine größere Rolle. Die Flüchlingswelle habe die Dealer-Struktur verändert, so Ziehfreund. Flüchtlinge aus den nord- und zentralafrikanischen seien jetzt neu in der Szene präsent.

Bei Sexualstraftaten sind Flüchtlinge überproportinal die Täter

Bei den Sexualdelikten spielen ebenfalls Flüchtlinge eine größere Rolle. Im Zuständigkeitsbereich des gesamten Polizeipräsidiums gab es 18 Prozent mehr Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Die Hälfte der Täter sind laut Ziehfreund Ausländer, darunter ein Großteil Asylbewerber, in deren Herkunftsländern die Rolle der Frau eine andere sei als bei uns.

„Da gitbt es nichts schönzureden: Die Flüchtlingswelle spielt hier eine bedeutende Rolle“, so Polizeipräsident Nill. „Das sind solche Delikte, die uns in der Bauchgegend anreifen und das Sicherheitsgefühl beeinflussen.“ Speziell im Landkreis Heidenheim ist die Zahl der Sexualdelikte im vorigen Jahr nicht angestiegen: 74 werden in der Statistik aufgeführt.

Ebenfalls das Unsicherheitsgefühl steigen lassen die vermehrten Straftaten im öffentlichen Raum, was im Gegensatz zu den insgesamt sinkenden Gewaltdelikten steht. 262 solcher „Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum“ werden in der Statistik geführt für den Landkreis. Vor zwei Jahren waren es nur 190. „Auch das ist eine Ursache, warum das objektive Sicherheitsgefühl schlechter wird“, so Nill.

Gewalt gegen Polizisten und Helfer nimmt stark zu

Immer mehr Polizisten, Einsatz- und Rettungskräfte werden bei ihrer Arbeit zen angegriffen und dabei verletzt. Im gesamten Polizeipräsidium Ulm wurden 291 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamten registriert, ein Viertel mehr als im Vorjahr. Primär betroffen davon sind die 900 Streifenbeamten im Präsidium.

„Das ist nicht akzeptabel“, sagt Polizeipräsident Christian Nill. „Wir dürfen keinen Zweifel aufkommen lassen, wer das Gewaltmonopol im Staat hat.“ Er kündigte an, bei Problemfällen mit großer Polizeipräsenz zu reagieren.

Opfer der Gewalt seien nicht nur Polizisten, sondern auch Helfer von Rettungsdiensten und Feuerwehr. Nill spricht von einem gesamtgesellschaftlichen Problem mit einer „Verrohung der Sitten“. Es gebe immer mehr Menschen, die das eigene Recht über das der Allgemeinheit stelle. Der Polizeipräsident krisitierte in diesem Zusammenhang auch den Sprachgebrauch von gewählten Volksvertretern. „Was da an Sprache gebraucht wird, das gab es vor zehn Jahren noch nicht.“

Hoffnung setzt Nill auf die so genannten Bodycams. Mitte oder Ende Mai werden die Kameras auch für das Polizeipräsidium Ulm erwartet. Die Polizisten werden die Kameras während des Einsatzes an ihrer Kleidung tragen. „Ich hoffe auf eine deeskalierende Wirkung.“

Kritik kam in den vergangenen Tagen deshalb auf, weil einige Länder die Filme der Bodycams auf Datenträgern von Amazon speichern und deshalb die Furcht besteht, dass die USA darauf zugriff hat. „Keine Sorge, wir speichern nicht bei Amazon, sondern auf landesinternen, eigenen Speichern, auf die nur die Polizei zugriff hat.“ kf