Es gab eine Zeit, da war eine HZ ohne ein Foto von Rolf Lindel schlechterdings nicht vorstellbar. Über Jahrzehnte hinweg prägte der Fotograf das Blatt entscheidend mit. Dem Sport vor allem, aber auch der Kultur galt dabei seine besondere Liebe im Tagesgeschäft, das noch schwarz-weiß definiert war.

Farbe ins Blatt kam ja in schöner Regelmäßigkeit erst zu Beginn des 21. Jahrtausends. Da war Rolf Lindel bereits in Ruhestand gegangen, was nicht bedeutet, dass er damit aus der Zeitung verschwunden gewesen wäre. Bis in die heutige Zeit hinein sind Redakteure dankbar für das, was er im Archiv hinterlassen hat: Zeitzeugnisse mit unverkennbarer fotografischer Handschrift.

Zeitungsfotografie ist das eine. Die Kunst der Fotografie selbstverständlich aber geht weit darüber hinaus. Und Rolf Lindel, das bewies er ununterbrochen, beherrschte sie virtuos in ihrer ganzen Vielfalt und bis in jedes Detail. Die Anzahl der Auszeichnungen, die weltweit für Lindel-Fotos vergeben wurden, kann auch der Fotograf nicht mehr beziffern.

Von 1965 bis 1973 präsidierte Rolf Lindel den 1931 gegründeten Verein Heidenheimer Lichtbildner, als dessen Ausstellungsmacher vor allen Dingen er auch davor und danach in Erscheinung trat und als der er, bisweilen in persona, zumeist aber vertreten durch ihre Bilder, Fotografen aus aller Welt nach Heidenheim lockte.

Beinahe, auch das soll bei dieser Gelegenheit einmal erzählt werden, wäre er noch so etwas wie Weltmeister geworden. Denn nur ganz knapp unterhalb des globalen fotografischen Gipfels langte Rolf Lindel an, als er 2002 nach Punkten weltweit den zweiten Platz in der Rangfolge aller Fotografen belegte, die sich in der Kategorie Schwarz-Weiß-Fotografie um die Teilnahme an Fotoausstellungen unter dem Patronat der Photographic Society of America (PSA) beworben hatten.

Apropos Gipfel: Denen begegnete Rolf Lindel mit derselben Leidenschaft wie der Fotografie. Nicht nur in Südtirol, das ihm zu einer zweiten Heimat wurde, ist Rolf Lindel, der heute seinen 90. Geburtstag feiert, sommers wie winters auf allen für Alpinisten als wesentlich geltenden und auf vielen, vielen weiteren insbesondere landschaftlich lohnenden Bergspitzen gestanden.