Heidenheim / Günter Trittner Das Digi-Z sieht sich als Drehscheibe in der Region, um digitale Möglichkeiten in allen Branchen der Wirtschaft publik zu machen.

Was die bauliche Seite anbetrifft, braucht man in Heidenheim noch etwas Geduld. Die Bürowelt des Digital Hub auf dem Gelände der WCM soll im Juli öffnen, der Werkstattbereich für die „Macher“ wird noch bis Dezember auf sich warten lassen. Doch das Geschäft des Digitalisierungszentrums Ostwürttemberg, kurz Digi-Z, läuft bereits auf hohen Touren. „Wir machen was, wir waren nicht untätig“, versichert Peter Schmidt, der das Digi-Z mit seinen Standorten in Schwäbisch Gmünd, Aalen und Heidenheim managt.

Eine Anfrage aus Berlin

Dass sich vor kurzem das Unternehmen 4-Cost aus Berlin gemeldet hat, weil es sich in das Heidenheimer Digitalisierungs-Netzwerk einbringen möchte, zeigt Schmidt, welche Reichweite seine Einrichtung seit dem Start im vergangenen Oktober gewonnen hat.

4-Cost hat sich zur Aufgabe gesetzt, Programmierungskosten transparent zu machen. Ein guter Beitrag zum Netzwerk, findet Schmidt. In dieses eingebunden sind 20 Firmen, um sich wechselseitig zu helfen.

Eine weitere Bestätigung auf dem richtigen Kurs zu sein, brachte vor kurzen der Start-Up-Summit in der Stuttgarter Messe, wo das Digi-Z zusammen mit den Firmen Voith und Zeiss zeigte, was die Region in Sachen Digitalisierung bereits kann. Beeindruckt scheint man auch beim Wirtschaftsministerium des Landes gewesen zu sein. Dieses will eigens zum Digi-Z Ostwürttemberg einen kleinen Film drehen.

Der Anspruch des Digi-Z ist hoch: Es will die Drehscheibe für die Digitalisierung in der Region sein. Das Wissen um die Industrie 4.0 und das digitale Management von Prozessen soll ausgebaut und vermittelt werden. Erst vor zwei Wochen hat man bei einem ersten Workshop definiert, was das Digi-Z leisten soll, damit das Gegenüber einen Mehrwert hat.

Dieses Gegenüber kann eine ganze Branche sein. So will sich das Digi-Z künftig bei allen Ausbildungsmessen in der Region speziell darum kümmern, junge Menschen für IT-Berufe zu gewinnen. Schmidt denkt an einer Art Speed-Dating, bei dem junge Menschen direkt auf mehrere Unternehmensvertreter treffen.

Das Gegenüber kann aber auch eine einzelne Firma sein. „Viele wissen noch nicht, wie ihnen Digitalisierung helfen kann“, hat Schmidt die Erfahrung gemacht. Dabei ließen sich gerade mit deren Mitteln neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle kreieren: „Und darum geht es.“ Etwa im Handel.

Schmidt nennt als Beispiel den Verkauf einer Matratze. Im Fachgeschäft darf der Kunde probeliegen. Doch reicht das als Plus gegenüber den Großversendern? Was aber, wenn der Händler eine individuelle Schlafanalyse erstellen kann?

„Die Möglichkeiten dazu sind bereits da. Man muss sie nur nutzen.“ Oder 3D-Visualisierungen. Auf dem Tablet könne der Handwerksmeister dem Kunden zeigen, wie das eigene Bad mit neuen Fließen aussehen wird, wie die neue Markise an dessen Haus wirken würde. Keinesfalls redet Schmidt einer Digitalisierung um jeden Preis das Wort. „Sie muss für das Unternehmen einen Mehrwert haben.“ Aufgabe des Digi-Z, so Schmidt, sei es die neuen digitalen Möglichkeiten zu den Unternehmen zu bringen.

Datensicherheit ist ein Thema

Das Risiko des digitalen Datentransfers wird im Digi-Z nicht übersehen. Im Juni wird es einen Kongress zur Datensicherheit in der Region geben. Auch ein Vertreter des Landeskriminalamts wird unter den Experten sein, die Auskunft geben. Bereits am 21. März geht es im Haus der IHK darum, wie Unternehmen, die mit Unternehmen Handel treiben, soziale Plattformen für sich nutzen können.

Im April dann will das Digi-Z, das derzeit noch auf der Seite der IHK im Internet unterwegs ist, mit einer eigenen Homepage online gehen. Ebenso im April wird es in der Region eine Veranstaltung speziell für Städte und kommunale Betriebe gehen, welche mit Smart City überschrieben ist. Öffentliche Mülleimer, die elektronisch anzeigen, wenn sie gelehrt werden sollen, sind dabei nicht das einzige Thema.

Ein gewisser Druck

Schmidt bestreitet nicht, dass ein „gewisser Druck“ auf dem Digi-Z lastet. Schließlich fördert es das Land mit fast einer Million Euro über drei Jahre. Und Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut hat sehr deutlich gemacht, welches Tempo sie vorschlägt: Diese Zentren sollten „Teilchenbeschleuniger“ für digitale Innovationen sein. „Wir haben Verantwortung“, weiß Schmidt, „aber wir haben auch ein tolles Team.“