Heidenheim / Karin Fuchs Bundesweit finden am Freitag Aktionen statt, die in der Facebook-Gruppe „Fridays gegen Altersarmut“ organisiert wurden. Auch in Heidenheim treffen sich Protestierende auf dem Eugen-Jaekle-Platz.

Irene Barth ist seit 1. Januar Rentnerin. 46 Jahre lang habe sie gearbeitet, Vollzeit meist in Schicht, erzählt sie. Fünf Kinder habe sie großgezogen. Ohne die Hilfe ihres Mannes hätte das nicht funktioniert. Sie komme aus mit ihrer Rente. „Doch viele andere nicht. Da stimmt doch etwas nicht.“

Warum sie sich gegen Altersarmut engagiert, hat mit einem sehr persönlichen Erlebnis zu tun, berichtet Irene Barth. In einem Lebensmittelmarkt habe sie einen entfernten Bekannten gesehen, mittlerweile Rentner, wie er im Mülleimer wühlt. „Ich kannte die Familie und die Lebensumstände, deshalb hat mich das nachdenklich gemacht.“

Das Logo: Eine Frau wühlt im Mülleimer

Gleichzeitig stößt sie auf Facebook auf eine Gruppe, die sich angelehnt an die Klimabewegung „Fridays gegen Altersarmut“ nennt und auf grünem Hintergrund genau dieses Bild als Logo hat: eine alte Frau, die im Mülleimer nach Pflandflaschen wühlt.

Sie fühlt sich angesprochen und tritt der Gruppe bei. Sie liest von vielen Einzelschicksalen, zum Beispiel von einer 70-jährigen Putzfrau, die immer noch arbeiten geht, weil ihr das Geld sonst nicht reicht. „Erst viel später habe ich gemerkt, wer dahinter steht, und auch, dass die Gruppe angegriffen wird.“

Wird die Gruppe von der AfD unterwandert?

Mehr als 310 000 Mitglieder hat die Gruppe heute, zudem finden sich einige Nachmacher oder Absplitterungen auf Facebook. Mittlerweile wird die Gruppe auch angegriffen, im Netz liest man Vorwürfe, dass die Plattform von der AfD unterwandert werde.

Irene Barth weist es von sich, parteipolitisch aktiv zu sein. „Der Gründer sagt, die Gruppe sei überparteilich“, sagt sie und glaubt auch fest daran. Sie sei einmal in der Piratenpartei Mitglied gewesen, dort jedoch ausgetreten. Ihr Sohn war vor Jahren Vorsitzender, trat aber zurück, als Äußerungen von ihm als antisemitisch gewertet wurden und er deshalb in Kritik geriet.

Organisatorin verwehrt sich gegen politischen Missbrauch

Dass „Fridays gegen Altersarmut“ politisch beobachtet wird, hat Irene Barth jedoch festgestellt. Ein AfD-Politiker aus Aalen habe sie kontaktiert und gefragt, ob sie Unterstützung brauche. „Er kann gerne kommen, doch einen AfD-Flyer will ich keinen sehen, das habe ich ihm auch gesagt.“ Außerdem sei sie von linker Seite angegriffen worden, weil sie die Veranstaltung organisiere.

Zehn Mitstreiter hätten sich angemeldet, die bei der Mahnwache in Heidenheim dabei sein wollen. Los geht es um 15 Uhr auf dem Eugen-Jaekle-Platz. Geplant ist, dass die Veranstaltung bis 19 Uhr dauert.

Wie viele Menschen am Freitag tatsächlich kommen werden, weiß Irene Barth nicht. „Es wäre ein Erfolg, wenn wir mehr Aufmerksamkeit für das Thema bekämen und wenn wir auch Rentner erreichen, die nicht im Internet unterwegs sind.“ Sie selbst hat Plakate erstellt und wird bei der Mahnwache die zehn Forderungen der Gruppe vorstellen.