Heidenheim / Günter Trittner Mit Stefan Linke und Frank Neubert versuchen zwei Männer mit ganz verschiedenen Laufbahnen Flüchtlingen in die Gesellschaft zu helfen.

Sie arbeiten seit einem halben Jahr für den Landkreis, sie haben ihre Büros im Integrationszentrum im Haintal Tür an Tür und sie eint trotz unterschiedlicher Funktionsbezeichnung auch die Aufgabe. Frank Neubert als Bildungskoordinator und Stefan Linke als Integrationsbeauftragter wollen die Eingliederung von Flüchtlingen in Arbeitsleben und Gesellschaft voranbringen. „Das wird ein Schwerpunktthema für viele Jahre bleiben“ mutmaßte Landrat Thomas Reinhardt vor dem Bildungs- und Sozialausschuss, dem sich die beiden neuen Mitarbeiter der Landkreisverwaltung diese Woche vorstellen wollten.

Neubert bringt von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd wissenschaftliche Qualifikation und Expertise für sein neues Tätigkeitsgebiet mit, Linke, der sich als „Kümmerer“ für das Bildungszentrum für Migration und Ehrenamt (BZME), die frühere Waldkirche, versteht, hatte als Jurist bereits Karriere im Bankenwesen und der Industrie gemacht, bevor er in eine lange Familienphase gewechselt war.

Erarbeitung eines Integrationskonzepts angestrebt

Mit diesen unterschiedlichen Erfahrungshorizonten gehen beide Männer nun ihre theoretischen und praktischen Aufgaben an. Dazu gehören vorrangig die Erarbeitung eines Integrationskonzepts, eine vertiefte Netzwerkarbeit, damit die Bürokratie kurze Wege nehmen kann, die Organisation von Fortbildungen und Schulungen und die Ausweitung des Hilfeangebots und dessen öffentliche Publikation. Bis zum Sommer möchte Frank Neubert zudem eine Integreat-App auf den Markt bringen, ein offline nutzbares Programm für Smartphone und Tablet, die in mehreren Sprachen Flüchtlingen auf Alltagsfragen und auch bei speziellen Anliegen Auskunft geben kann.

Das Rad neu erfinden muss Neubert für seine Tätigkeit in Heidenheim nicht. Als Bildungsbeauftragter ist er eingebunden in die Transferagentur Bayern Süd, ein großes Netzwerk von Bildungsbeauftragten, in dem bei regelmäßigen Treffen Wissen weitergegeben wird und wo man auch Hilfe bei akuten Fragen und Problemen findet.

Überdurchschnittlicher Erfolg bei Sprachkursen

Am Laufen ist bei Neubert und Linke die Füllung eines Sprachhilfepools mit ehrenamtlichen Kräften, die individuell die in den Sprachkursen des Landkreises und des Bundesamts für Migration und Flüchtlingswesen angelegte Verständigungsfähigkeit bei Flüchtlingen weiter erhöhen sollen. Schon bei den Sprachkursen, so Neubert, erreiche man im Landkreis im bundesweiten Vergleich einen überdurchschnittlichen Lernerfolg.

Aber nicht nur Sprache sei der Schlüssel zur Integration, gab Grünen-Kreisrätin Ellen Schönfelder im Ausschuss zu bedenken. Die Pädagogin verwies auf zum Teil nur minimale Kenntnisse der Flüchtlinge in Mathematik, welche eine Berufsausbildung ebenso erschwerten. „Man kann auch nicht Kellner werden, wenn man nicht rechnen kann.“

Die Bildungsstände zwischen Flüchtlingen und Hiesigen seien nicht vergleichbar, meinte Neubert. „Die Flüchtlinge bringen etwas mit, aber es ist nicht das, was in Deutschland der Standard ist.“

Mathe-Nachhilfe im BZME

In Sachen Nachholbedarf in Mathe sah Linke ein kleines Licht am Horizont. Seit vier Wochen sei im BZME eine Mathe-Nachhilfe am Laufen. Ein Mann habe angefragt, ob der dafür einen Raum haben könnte. „Natürlich haben wir einen.“ Gerne würde man die Mathe-Stunden noch ausbauen, wenn sich weitere Lehrer fänden.

Integration kann für Linke nicht auf Kommando funktionieren. „Wir müssen aufeinander zugehen“. Ein Beispiel für solch einen Kultur-Widerstreit? Wenn ein Sprachkurs um 8.30 Uhr angesetzt sei und das Gros der Schüler sich erst bis 9.25 Uhr einfinde, dürfe man daraus keine Katastrophe machen. Man müsse die zu spät Gekommenen aber auch nicht loben. Das neue Ziel sollte vielmehr 8.45 Uhr lauten.