„Wer 112 wählt, will natürlich, dass am anderen Ende der Leitung jemand sofort abhebt, den Rettungsdienst losschickt und ihn bei der Ersten Hilfe telefonisch unterstützt, bis professionelle Hilfe eingetroffen ist“, sagt Hans-Joachim Seuferlein, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg. „Das funktioniert in Ostwürttemberg sehr gut. Die integrierte Leitstelle in Aalen – zuständig für die ganze Region Ostwürttemberg – ist dafür hervorragend aufgestellt.“

Die Leitstelle in Aalen hat mehrere Sicherheitssysteme, um etwa bei einem Stromausfall weiterhin handlungsfähig zu bleiben. „Jetzt muss der nächste Schritt folgen und diese mit den anderen 33 Leitstellen im Land miteinander vernetzt werden, damit bei einem Totalausfall eine Leitstelle die Aufgabe einer anderen übernehmen kann.“ Dem pflichtet der Landtagsabgeordnete und SPD-Landesparteichef Andreas Stoch bei. „Wir diskutieren seit 2006 in Baden-Württemberg über eine Neuordnung der Leitstellen gerade auch mit Blick auf die digitale Vernetzung. Doch ein Leitstellengesetz lässt weiter auf sich warten“, sagt Stoch. „In Corona-Zeiten sehen wir ja in vielerlei Hinsicht, was digital alles möglich ist. Die Vernetzung der Leitstellen sollte kein unüberwindbares Problem sein, aber es bedarf politischen Handlungswillens.“

Konkreter Zeit- und Fahrplan?

In Baden-Württemberg werden an den 34 Leitstellen derzeit fünf verschiedene Programme zur Rettungskräfte-Disposition eingesetzt. „Selbst wenn die Software vom gleichen Anbieter stammt, bedeutet das nicht, dass diese Leitstellen sich ohne weiteres vernetzen und im Sinne des Ausfallschutzes vertreten könnten“, betont Hans-Joachim Seuferlein. „Wir brauchen einen konkreten Zeit- und Fahrplan, um ein landesweites digital vernetztes Leitstellen-System zu etablieren.“

Eine weitere Baustelle des Rettungsdienstes ist die Rechtsunsicherheit der Notfallsanitäter, analysieren SPD-Fraktionschef Stoch und AOK-Chef Seuferlein die Lage. Seit 2014 werden im Rettungsdienst Notfallsanitäter ausgebildet, die vom Wissensstand her Medikamente geben könnten, aber aufgrund der derzeitigen gesetzlichen Regelung dies nicht dürfen. Dies ist nur dem Notarzt vorbehalten.

Zahl der Ärzte sinkt

„Wir wollen, dass unseren Versicherten im Notfall schnell und kompetent geholfen wird“, betont Hans-Joachim Seuferlein, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg. „Wir haben über 130 aktive Notfallsanitäter in Ostwürttemberg. Mit Blick auf die sinkende Zahl von Ärzten wäre es zu begrüßen, wenn in Berlin die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Notfallsanitäter die in ihrer Ausbildung erlernten Notfallmaßnahmen auch im Einsatz anwenden können, ohne in Gefahr zu sein, bestraft zu werden.“

Andreas Stoch will sich mit seiner Fraktion weiter dafür stark machen. „Die Ausbildung in Baden-Württemberg ist zwischen allen Rettungsdienstschulen und den zuständigen Ministerien abgestimmt. Es wird standardisiertes Vorgehen in 19 Notfallsituationen geregelt – vom Kreislaufstillstand über den Herzinfarkt und Schlaganfall bis hin zum schwerverletzten Unfallopfer. Die Notfallsanitäter sind daher fit, um im Notfalleinsatz kompetent helfen zu können.“

Feuerwehr und Rettungsdienst Hilfe am anderen Ende der Leitung

Aalen

Heidenheim