Heidenheim/Augsburg / erwin bachmann Mit seiner Behauptung, den Mörder Maria Bögerls zu kennen, hatte er für erheblichen Wirbel gesorgt. Am Ende indes löste sich alles in Luft auf – und jetzt ist der angebliche Zeuge selbst verurteilt worden.

Blick zurück: Wie aus dem Nichts taucht Anfang des Jahres ein aus Augsburg stammender Mann auf, der vorgibt, der im Mordfall Bögerl auf der Stelle tretenden Soko „Flagge“ endlich einen, wenn nicht den entscheidenden Fingerzeig geben zu können. Die schon einmal von einem Giengener genarrten und vorsichtig gewordenen Ermittlungsbehörden versetzt dieser Tatbestand nicht unbedingt in Euphorie, doch macht man sich bei der Staatsanwaltschaft Ellwangen pflichtgemäß daran, die Hinweise auf ihren Wahrheitsgehalt abzuklopfen.

Dazu wird der angebliche Zeuge mehrere Male vernommen, und zudem kommt es zur Durchsuchung der Wohnung eines weiteren Mannes, dem der 47-Jährige eine mögliche Tatbeteiligung im Fall Bögerl unterstellt hatte. Den will er als Mithäftling im Gefängnis kennengelernt haben, wo er selbst offenbar wegen einer Autoschieberei eingesessen hatte.

Falscher Zeuge erhoffte sich mildere Strafe

Dass das Ganze eine Luftnummer war, die den Ermittlungsbehörden viel Zeit und Geld gekostet haben, zeigt sich spätestens jetzt. Der Mann, der sich von seinem Bluff einen Strafrabatt in einem gegen ihn gerichteten Verfahren erhofft hatte, wurde im Rahmen einer vor dem Schöffengericht Augsburg geführten Hauptverhandlung als notorischer Betrüger entlarvt, der nach Lage der Dinge längst nicht nur die Soko-Ermittler über den Tisch zu ziehen versucht hatte.

Der zuletzt in Bolivien lebende Augsburger war wegen schweren Betrugs auf die Anklagebank geraten. Die Anklageschrift enthielt fünf Punkte, von denen allerdings vier fallengelassen wurden, nachdem sich die Prozessbeteiligten auf einen „Deal“ geeinigt hatten. Die Basis für das daraus resultierende milde Urteil – eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten – bildete ein von dem bereits zehnfach Vorbestraften abgelegtes Geständnis, das sich einem Bericht der Augsburger Allgemeinen zufolge nur auf einen einzigen Fall bezog: Demnach hatte sich der Augsburger 2009 nach Südamerika abgesetzt und seiner damals frisch angetrauten Ehefrau, die ihm noch vor der Heirat 68 000 Euro anvertraut hatte, gerade mal einen Küchenzettel hinterlassen – „Ich bin weg“.

Vor der Eheschließung hatte der früher als Sozialarbeiter tätige Mann seiner Verlobten und der späteren Schwiegermutter vorgegaukelt, seine verstorbene Mutter habe ihm eine Erbe von vier Millionen Euro hinterlassen. In der irrigen Meinung, der vermeintliche Millionär bekomme von seiner Bank deutlich höhere Zinsen als sie, hatten die beiden Frauen ihm ihre Ersparnisse überlassen. Dieses Geld sahen sie nie wieder, und nach Zeitungsrecherchen ist auch der Schwager hereingefallen: Der lieh dem jetzt Verurteilten 60 000 Euro, nachdem ihm dieser gesagt hatte, er sei gerade klamm, weil seine Millionen fest angelegt seien.

Kriminell - auch in Südamerika

Doch damit nicht genug: Als die Rückzahlung auf sich warten ließ und der Schwager Anzeige erstattete, wurde der Beschuldigte von sich aus bei der Kriminalpolizei vorstellig und präsentierte dort zwei gefälschte Quittungen, mit denen die Rückgabe des Geldes belegt werden sollte. Der Trick: Die Unterschriften des Verwandten waren zwar echt, aber blanko für andere Zwecke ausgestellt worden.

Als der 47-Jährige dann die Zelte abgebrochen, in Südamerika untergetaucht war und dort erneut geheiratet hatte, setzte er seine kriminelle Karriere munter fort. In einem Handy-Laden hatte er für 20 Smartphones und 20 Laptos einen Kaufvertrag unterschrieben. Mit dem ihm ausgehändigten Geräten verschwand er und nahm zudem 5000 Euro an Barem mit: Geld, das ihm der über das lukrative Geschäft erfreute Verkäufer von seiner Abschlussprovision ausgezahlt hatte.