Heidenheim / Andreas Uitz Sie erbeuteten mit Hilfe von gefälschten Leergut-Bons bundesweit in mehr als 50 Kaufhof-Filialen insgesamt knapp 15 000 Euro. Gestern wurden die beiden jungen Männer vom Heidenheimer Amtsgericht zu Bewährungsstrafen verurteilt, nachdem sie ein umfangreiches Geständnis abgelegt hatten.

Sie seinen aus Rumänien nach Deutschland gekommen, um hier mehr Geld verdienen und ihre Familien besser ernähren zu können, ließen die Angeklagten über ihre Anwältinnen erklären. Auf Baustellen fanden sie Jobs, erhielten jedoch nur 4,50 Euro Stundenlohn. Die Geschichte, die die beiden 28- bzw. 24-jährigen Männer bei der Verhandlung erzählten, klang plausibel. In einem Lokal in Duisburg, in dem sich zahlreiche rumänische Hilfsarbeiter treffen, habe ein ihnen unbekannter Mann die Idee mit den Leergut-Bons aufgebracht. Zu einem Drittel des aufgedruckten Wertes habe der Mann die kopierten Bons angeboten und die beiden Angeklagten griffen zu.

Der Pfandwert der gekauften Bons lag zwischen 10,50 Euro und knapp 30 Euro. Mit diesen Bons machten sich die beiden Männer – zunächst einzeln, später dann gemeinsam – auf eine Tour durch Deutschland, wo sie in zahlreichen Kaufland-Filialen ihre gefälschten Bons einlösten. Allein im November 2014 ergaunerten sie in 46 Filialen 2573 Euro, im Januar dieses Jahres in den selben Filialen 3211 Euro. Hatten die beiden diese ersten Touren noch getrennt unternommen, so zogen sie bei den darauf folgenden gemeinsam los und erbeuteten nochmals etliche Tausend Euro – bis sie schließlich in einer Heidenheimer Kaufland-Filiale von der Polizei geschnappt wurden. Insgesamt belief sich der Schaden respektive die Beute auf knapp 15 000 Euro. 209- beziehungsweise 197-mal hatten die Männer die kopierten Leergut-Bons eingelöst.

„Die beiden gingen davon aus, dass ihnen bei den einzelnen Kleinbeträgen nichts passiert“, sagte eine Verteidigerin bei der Verhandlung vor dem Schöffengericht. „Sie verdienten nur sehr wenig Geld, mussten sehr hart arbeiten, und da war das Angebot mit den Bons zu verlockend.“

Gleich zu Beginn der Verhandlung zogen sich die Prozessbeteiligten zu einem Rechtsgespräch zurück und vereinbarten, dass die Angeklagten, sollten sie ein umfangreiches Geständnis ablegen, mit einer Bewährungsstrafe davonkommen.

Angesichts dessen, dass die beiden Männer die Taten denn auch in vollem Umfang einräumten und erklärten, wie sie zu den kopierten Bons gekommen waren, wurde jeder zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Noch während der Verhandlung hatten sich beide reumütig gezeigt, sich für ihre Taten entschuldigt und angekündigt, auf dem schnellsten Weg zurück nach Rumänien zu ihren Familien und dort arbeiten zu wollen.

„Wenn sie nicht gestanden hätten, hätten wir vielleicht bis Weihnachten verhandelt, das Geständnis ist sehr viel wert und spart dem Steuerzahler viel Geld“, so eine der Verteidigerinnen. Auch das rechnete der Vorsitzende Richter Eberhard Bergmeister in der Urteilsbegründung zugunsten der Angeklagten. In der Tat hätte man den Männern wohl lediglich den Betrug im Heidenheimer Supermarkt direkt nachweisen können. Denn die beiden gaben an, nicht zu wissen, wieviele ihre Landsleute das Angebot, die gefälschten Leergut-Bons zu kaufen, angenommen haben. Insofern wäre es dem Gericht wohl schwer gefallen, ihnen mehr als die eine Tat anzulasten.

Die Verteidigerin betonte, dass die viereinhalbmonatige Untersuchungshaft bei den Angeklagten tiefe Spuren hinterlassen habe und sie nicht einschlägig vorbestraft seien. „Die wollen jetzt nur noch so schnell wie möglich nach Hause.“ War die Staatsanwaltschaft ursprünglich von einer bandenmäßigen Vorgehensweise ausgegangen, so wurde dieser Vorwurf im Laufe der Verhandlung fallen gelassen. „Das war keine organsierte sondern eher eine zufällige Sache“, sagte Bergmeister. Verurteilt wurden die beiden Männer wegen gewerbsmäßigen gemeinschaftlichen Betrugs und Urkundenfälschung.