Heidenheim / Erwin Bachmann Die Staatsanwaltschaft sieht sich noch weit von einer Verfahrenseinstellung entfernt und weist Kritik an der jüngsten Öffentlichkeitsfahndung nach dem Königsbronner Nicht-Täter zurück.

Ungeachtet der Enttäuschung darüber, dass man mit dem als Tatverdächtigen gesuchten Mann aus Königsbronn am Falschen war, blickt man selbst nach nunmehr siebenjähriger erfolgloser Suche nach dem Mörder Maria Bögerls weiter nach vorn. „Wir geben nicht auf,“ sagt Andreas Freyberger, Leiter der Staatsanwaltschaft Ellwangen.

Wieviel substanziell begründeter Optimismus sich hinter dieser Haltung verbirgt, ist aus den Gesichtern der Chef-Ermittler nicht herauszulesen, die sich am Freitag im Rahmen ihrer turnusgemäß anberaumten Jahrespressekonferenz nun fast schon traditionsgemäß auch zum aktuellen Ermittlungsstand in diesem deutschlandweit herausragenden Kriminalfall geäußert haben.

Ähnlicher Text wie vor einem Jahr

Auffallend nur, wie sich die Worte ähneln. Bereits vor einem Jahr hatte der Leitende Oberstaatsanwalt den Medienvertretern in nahezu gleicher Runde das inhaltlich identische Statement mitgegeben: „Die durch den Einsatzwillen gestärkte Hoffnung, dass dieser Fall aufgeklärt werden kann, haben wir nie verloren.“

Und was hat man gewonnen? Immerhin, so macht Pressesprecher Armin Burger deutlich, sind zu den mehr als 10.300 Spuren, die sich im Zuge dieses Mammut-Verfahrens angesammelt haben, weitere hinzugekommen.

„2016 ist wöchentlich mindestens ein Hinweis eingegangen,“ sagt er und weist darauf hin, dass man in diesem Zusammenhang nicht zuletzt aus der bundesweiten Öffentlichkeitsfahndung nach dem Königsbronner Mann geschöpft hat, der sich mit seinen fahrlässig dummen Äußerungen selbst in den Verdacht gebracht hatte, der Mörder zu sein. Inzwischen ist dieser Verdacht bekanntermaßen ausgeräumt – geblieben sind immerhin neue, nicht näher bezifferte oder beschriebene Hinweise, die sich nur aus diesem Fahndungsaufruf ergeben haben.

Vielzahl noch unbearbeitete Hinweise

Freilich: Was man gemeinhin eine Spur nennt, ist unter diesem Hinweisaufkommen nicht zu finden, das jetzt priorisiert und nach und nach abgearbeitet werden muss.

Dieses Geschäft wird jetzt, da das Herzklopfen abgeklungen ist, in Regie des Polizeipräsidiums Ulm und in Person des seit Jahren mit dem Fall befassten Kriminalhauptkommissars Michael Bauer betrieben. Er ist als Hauptsachbearbeiter übrig geblieben, nachdem sich die im Rahmen der jüngsten Tätersuche wieder kurzfristig zum Leben erweckte Soko „Flagge“ erneut aufgelöst hat – aber, wie man in Ellwangen sagt, bei Bedarf jederzeit reaktiviert werden kann.

Irgendwann bei dieser Pressekonferenz spricht Armin Burger gar von „einer Vielzahl“ von noch unbearbeitet auf dem Tisch liegenden Hinweisen und folgert daraus, dass man in diesem Kriminallfall „noch weit“ von einer Einstellung des Ermittlungsverfahrens entfernt ist.

Diesen formalen Schritt werde man erst dann gehen, wenn keine weiteren Ermittlungsansätze vorliegen. Das betont auch der Leitende Oberstaatsanwalt Andreas Freyberger, der sich ganz und gar im Einklang mit der Polizei sieht, dass da noch viel aufzuarbeiten ist. „Und diesen Aufwand betreibt man nicht, wenn man der Meinung ist, man ermittelt im luftleeren Raum.“

Panne bei jüngsten Ermittlungen?

Bleibt die heiße Luft, in der sich die vermeintlich nach Königsbronn führende heiße Spur aufgelöst hat. Das damit verbundene mediale Echo hat in den Ohren der Ermittler nicht gut geklungen, und jetzt nutzen sie die Gelegenheit, ihre Position zu Gehör zu bringen.

In diesem Zusammenhang von einer weitere Ermittlungspanne zu sprechen, stellt Armin Burger „vehement“ in Abrede. Der Kritik, dass zwischen dem Auftreten des damals unbekannten Scheintäters und der Öffentlichkeitsfahndung zu viel Zeit verstrichen sei, begegnet er mit dem Hinweis, dass man in diesen acht Monaten nicht untätig gewesen sei, sondern intensiv, wenn auch nicht offen ermittelt habe.

Und dass sich – wie in der HZ berichtet – die Heidenheimer Polizei von der Ulmer Ermittlungsgruppe nicht frühzeitig in die Untersuchungen eingebunden gesehen hatte, kann oder will man nicht nachvollziehen. Dass es keinen Kontakt mit der Heidenheimer Dienststelle gegeben habe, sei so nicht richtig, moniert der Pressestaatsanwalt und verweist darauf, dass seit Herbst 2016 eine Internet-Fahndung betrieben worden sei, auf die alle Dienststellen Zugriff gehabt hätten.

Absprache mit Heidenheimer Revier?

Dort sei auch das – allerdings nicht zutreffende – Phantombild des Gesuchten eingestellt gewesen, noch nicht aber die bei der späteren Öffentlichkeitsfahndung verwendete Stimmaufzeichnung des Mannes, deren technische Bearbeitung lange gedauert habe.

Ob und zu welchem Zeitpunkt dieses Ton-Dokument dann den ortskundigen Polizisten im Raum Heidenheim zur Verfügung gestellt worden ist, was an Details ausgetauscht worden ist, bleibt offen. Keine Antwort.

Demgegenüber der Hinweis, dass man konkrete Abfragen bei Beamten vorgenommen, das Phantombild auch vorab im Königsbronner Rathaus gezeigt, darüber hinaus Mitarbeiter im dortigen Bauhof, Schulleiter und alteingesessene Personen in Ochsenberg befragt habe.

Allerdings: Einige aus diesem benannten Kreis bleiben dabei, etwas anderes erlebt zu haben, und so ist es bisweilen wie im richtigen Polizeileben. Es steht Aussage gegen Aussage.