Heidenheim / Erwin Bachmann Zwischenstand bei den Ermittlungen im Mordfall Bögerl: Die Behörden üben sich weiterhin in jahrelang geübter Zurückhaltung, doch gibt es Anzeichen, dass man sich mit der beim Massengentest bisher erzielten Quote noch nicht zufrieden geben wird. Die Ermittler überlegen, weitere Zwangsmaßnahmen zu beantragen.

Offiziell bestätigt wird, dass die jüngst vom Amtsgericht Ellwangen auf Antrag der Staatsanwaltschaft Ellwangen ergangenen Beschlüsse inzwischen vollzogen sind, mit denen eine Reihe von DNA-Verweigerern aus Neresheim Zwangsmaßnahmen angedroht worden waren. Zum Ablauf und zum Ergebnis dieser Aktion werden keine Angaben gemacht, da es sich um Ermittlungs-Details handele: Dazu zählen die Behörden auch die weiterhin unter Verschluss gehaltene Zahl der Männer, die jetzt auf gerichtlichem Wege ultimativ aufgefordert worden waren, eine Speichelprobe abzugeben.

Nach Informationen unserer Zeitung hat allein schon die Androhung Wirkung gezeigt, die Daumenschrauben anzuziehen. So musste in keinem Fall körperliche Gewalt angewendet werden, um zu dem gewünschten Biomaterial zu kommen. Will heißen: Unter dem unmittelbaren Eindruck, letzten Endes über eine erzwungene Blutprobe mit ins Boot der DNA-Spender genötigt zu werden, ergaben sich alle formal als Tatverdächtige geführten Probanden ihrem Schicksal und machten doch noch aus freien Stücken den Mund auf, um so den Weg zu einem Speichelabstrich frei zu machen.

Während die entnommenen Proben in einem Stuttgarter Labor untersucht, also mit der vorliegenden mutmaßlichen Täter-DNA abgeglichen werden, prüfen die Ermittlungsbehörden offenbar, ob gegen noch mehr der rund 100 verbliebenen Testverweigerer aus Neresheim ein richterlicher Beschluss zur zwangsweisen Teilnahme am Massengentest beantragt werden soll. Demnach hat die Soko „Flagge“ noch weitere Kandidaten auf der Liste, die kein absolut sicheres Alibi nachweisen können, zudem durch zusätzliche Indizien belastet sind, so dass aus juristischer Sicht ein für die Zwangsuntersuchung notwendiger Anfangsverdacht unterstellt werden kann.

Weiterhin offen ist die Frage, wie die Staatsanwaltschaft Ellwangen Aussagen eines erstmals am 8. Februar in Stuttgart und wenig später von der Mordkommission in München vernommenen Zeugen bewertet. Der Mann soll laut Medienberichten vorgeben, von der geplanten Entführung Maria Bögerls durch einen Mithäftling im Knast erfahren und die Polizei seinerzeit gewarnt zu haben, darüber hinaus den Mörder zu kennen. Ob man mit diesem sich offenbar im Ausland aufhaltenden Hinweisgeber weiterhin in Kontakt steht, lässt Armin Burger als Sprecher der ermittlungsführenden Staatsanwaltschaft unbeantwortet. Auf Anfrage wird nur wiederholt, was auch schon vor Wochen verlautbart worden ist: „Wir gehen den Angaben des Zeugen nach.“

Damit bleibt auch offen, ob die Polizei die den Behörden vorliegende DNA des besagten Mithäftlings inzwischen mit der im Auto Maria Bögerl sichergestellten DNA abgeglichen worden ist – und ob angebliche Aussagen des Zeugen verifiziert sind, wonach der Mithäftling seinerzeit über das Handy eines Justizvollzugsbeamten regelmäßig Kontakt zu einem Komplizen draußen gehabt haben soll.

Info Alle Ereignisse im Mordfall Bögerl fasst unser interaktiver Zeitstrahl zusammen: