Schluss mit lustig. Die Post kam dieser Tage vom Amtsgericht Ellwangen und erreichte Adressaten aus jenem 3300köpfigen Personenkreis, der vor einem Jahr in Neresheim aufgefordert worden war, bei der Aufklärung des Mordfalls Maria Bögerl zu helfen und eine DNA-Probe abzugeben. Zur Zielgruppe der aktuellen Aktion zählen jene Männer, die dem polizeilichen Ersuchen bis heute nicht nachgekommen sind und bis heute im Fadenkreuz der Ermittler stehen. Nicht die Verweigerung als solche begründet den Verdacht, wohl aber, wenn nach näherem Hinsehen offenbar kein stichhaltiges Alibi für den mehr als vier Jahre zurückliegenden Tattag vorgewiesen werden kann oder wenn andere Indizien für eine mögliche Täterschaft sprechen.

Den Verweigerern wird nun per Verfügung angedroht, dass eine Blutentnahme angeordnet wird, falls sie bei ihrer Verweigerungshaltung bleiben. Wieviele Männer das betrifft, war gestern bei der ermittlungsführenden Staatsanwaltschaft Ellwangen nicht in Erfahrung zu bringen. Dem Vernehmen nach handelt es sich um eine höchstens im unteren zweistelligen Bereich liegende Zahl von Probanden, die sich jetzt überlegen müssen, ob sie es bis zum Letzten kommen lassen und aufgrund eines richterlichen Beschlusses zur Probenabgabe gezwungen werden. Noch nicht betroffen von dieser Maßnahme sind weiter ausstehende DNA-Spender aus dem zweiten Massengentest, der im August 2014 für rund 500 Männer aus einem eng abgegrenzten Gebiet der Stadt Giengen angeordnet worden war.

Erst in jüngster Zeit war durch den Auftritt eines neuen Zeugen die Hoffnung aufgekeimt, dass in die Ermittlungen neue Bewegung kommen könnte. Er hält sich offenbar in den Niederlanden auf und gibt vor, Hinweise auf angeblich zwei Täter geben zu können, hat seine Aussage aber angeblich an die Bedingung geknüpft, dass ihm die Strafverfolgungsbehörden bei einem gegen ihn selbst gerichteten Verfahren entgegenkommen. Die Staatsanwaltschaft Ellwangen steht derzeit über einen Augsburger Rechtsanwalt in Kontakt mit dem Mann, kann derzeit aber noch nicht einschätzen, wie belastbar die bislang auf den Medienmarkt gekommenen Angaben sind.

Zumindest in Augsburg, wo der Zeuge früher längere Zeit gewohnt hat, wird die Glaubwürdigkeit dieses 46 Jahre alten Mannes eher in Zweifel gezogen. Nach einem Bericht der Augsburger Allgemeinen soll er die Familie seiner früheren Ehefrau um einen größeren Geldbetrag betrogen haben. Gesichert ist, dass bei der Staatsanwaltschaft Augsburg ein Strafverfahren anhängig und bereits Anklage beim Amtsgericht Augsburg erhoben worden ist. Dem Angeschuldigten werden nach Angaben von Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai mehrere Vermögensdelikte zur Last gelegt. Konkret geht es um fünf Fälle des Betrugs und um eine Urkundenfälschung. Der Vorwurf geht dahin, dass er im Zeitraum zwischen Ende 2007 und 2009 aus dem Umfeld von Freunden, Bekannten und Verwandten Gelder akquiriert und versprochen haben soll, diese zu vermehren. Dabei soll es sich unter anderem um Formen des Kapitalanlagebetrugs handeln. Außerdem habe er sich Darlehen gewähren lassen und später der Polizei gefälschte Rückzahlungsbelege vorgelegt. Auch nicht bezahlte Handy- und Netbook-Flatrate-Verträge spielten eine Rolle. In Summe soll dabei ein Schaden in Höhe von 150 000 Euro verursacht worden sein.

Fest steht, dass sich der Mann zunächst nach Südamerika abgesetzt hatte, dort festgenommen und im Rahmen eines Auslieferungsverfahrens nach Deutschland gebracht worden war. Dort saß er aber nur wenige Wochen hinter Gittern, weil der zuständige Richter keinen ausreichenden Tatverdacht erkannte, um die U-Haft länger aufrecht zu erhalten. Stimmen seine eigenen Angaben, hält er sich jetzt in den Niederlanden auf.

Sein von dort aus angeblich unternommener Versuch, mit der deutschen Strafverfolgungsbehörde einen Deal machen zu können, dürfte jedoch eher ins Leere laufen. Der Augsburger Pressestaatsanwalt Nickolai verweist auf Anfrage unserer Zeitung darauf, dass eine Absprache nicht möglich ist, das Verfahren gegen ihn auch nicht eingestellt wird. Grundsätzlich, so sein Hinweis, sind Strafzumessungs-Erwägungen Sache des Gerichts, wobei eine Milderung nur in Frage kommt, wenn das von einem Straftäter offenbarte Wissen in einem anderen Verfahren tatsächlich zur Aufklärung einer Tat beigetragen hat. Angeblich zukünftige Aufklärungshilfe könne nicht Gegenstand einer Absprache sein.