Heidenheim / Günter Trittner Der Bewerbermarkt ist wie leergefegt, vor allem im technischen Bereich hat der Landkreis zu kämpfen, wenn es um Fachkräfte geht. Der neue Landrat Polta versucht, vor allem mit weichen Faktoren bei möglichen Bewerbern zu punkten.

Wenn es um Bewerber auf freie Stellen geht, gibt es für die Landkreisverwaltung kein einfaches Zurücklehnen mehr. Die Verwaltung als Selbstläufer, das war einmal. Im Besonderen in der gehobenen Laufbahn. „Der Markt ist wie leer gefegt“, konstatiert Landrat Peter Polta. Dabei sind in absehbarer Zeit fünf Führungspositionen in der Landkreisverwaltung neu zu besetzen. Die Konsequenz insgesamt: „Wir müssen richtiges Personalmarketing machen.“

Die Ausgangslage ist für Polta, der bereits in den vergangenen Jahren als Erster Landesbeamter auch Dezernent für das Personalwesen war, schnell umrissen. Von den beiden Hochschulen für öffentliche Verwaltung in Kehl und Ludwigsburg gehen im Jahr 800 Absolventen ab. „Auf diese warten 35 Landkreise, neun Stadtkreise und 1100 Städte und Gemeinden.“ Und dazu komme noch die Konkurrenz der freien Wirtschaft. Die Folge: „Die Bewerber können es sich aussuchen, wohin sie gehen.“

Roter Teppich für Bewerber

Damit diese überhaupt einen Weg auf die Ostalb in Erwägung ziehen, bewegt sich die Landkreisverwaltung auf den Hochschulstandort Ludwigsburg zu und rollt auch zu Hause den roten Teppich aus. „Wir müssen uns hier als attraktiver Arbeitgeber vorstellen“, sagt Polta. Und dazu nimmt man die Bewerber regelrecht an die Hand. „Wir zeigen den Interessenten die Büros, die Arbeitsplätze und führen sie durchs Haus.“

Auch das Bewerbungsverfahren hat die Verwaltung bereits vereinfacht. Papier braucht es dazu nicht mehr. Seit 2016 gibt es ein Online-Bewerberportal und auf der Homepage „zeigen wir, was wir bieten können“. Der Besuch einer Personalmesse in Ludwigsburg verlief für Polta hoffnungsvoll. Als kleine Geschenke zum Mitnehmen vom Stand gab es Apfelschorle.

Vor allem im technischen Bereich hat die Landkreisverwaltung zu kämpfen, wenn sie Fachkräfte an sich binden will. Der anhaltende Boom am Bau hat auch Auswirkungen auf die Gehälter. „Der technische Bereich wird uns noch einiges Kopfzerbrechen bereiten“. weiß Polta. Eine Lösung sieht die Verwaltung darin, Bauingenieure oder Wasserwirtschaftler selbst auszubilden. Um eigene Angestellte in diese Richtungen zu qualifizieren, kooperiert sie mit der DHBW in Mosbach und der in Biberach.

Bewerbern geht es nicht nur ums Gehalt

Ein nächstes Problemfeld. „Wir bekommen keinen IT-Ingenieur.“ Und wenn sich jemand bewirbt, dann, so Polta, fehlten die nötigen Qualifikationen. Erst ab 2020, weiß der Landrat, soll es einen Studiengang Verwaltungsinformatik in Ludwigsburg geben.

Polta, der bereits vor seiner Zeit bei der Landkreisverwaltung fünf Jahre Personalreferent im Landwirtschaftsministerium war, weiß, dass heute bei der Personalgewinnung die „weichen“ Faktoren zählen. „Es geht nicht nur ums Gehalt, es geht auch um Teilzeit, flexible Arbeitszeiten, Home Office, um Gesundheitsangebote.“ Hier hat die Verwaltung auch bereits einiges zu bieten. So gibt es eben eine Dienstvereinbarung zu Telearbeit, interne Fortbildungen und ein Mitarbeiterportal ist in Planung. Auch den Ausbau des Jobtickets könnte sich Polta gut vorstellen. „Auch so etwas wird nachgefragt.“

Solche weichen Faktoren werden auch wichtig, wenn das Personal gehalten werden soll. Die Wechselwilligkeit sei gestiegen, sagt Polta. Und dazu gibt auch Zahlen. Im Jahr 2017 waren im Landratsamt 45 Stellen neu zu besetzen, 2018 waren es 51 und in diesem Jahr aktuell bereits 61.

Damit der Einstand möglichst gut klappt, möchte Landrat Polta ein Patensystem für Berufsanfänger etablieren. Und Polta möchte auch die Laufbahnstruktur im Haus durchgängiger machen. Künftig sollen fünf statt bislang einer oder zwei Mitarbeiter die Chance erhalten, sich über ein aufwendiges, zweistufiges Schulungsverfahren für den gehobenen Verwaltungsdienst zu qualifizieren.

Im Bereich der Fachangestellten und bei den Azubis gibt es laut Polta derzeit ausreichend Bewerber. „Wir übernehmen in der Regel auch alle Azubis nach ihrem Abschluss.“ Und das hat auch seinen Grund: „Wer bei uns eine Ausbildung gemacht hat, der bleibt in der Regel bei der Landkreisverwaltung.“

52 junge Leute lernen beim Landkreis

52 junge Frauen und Männer sind derzeit bei der Landkreisverwaltung Heidenheim in Ausbildung oder absolvieren ein duales Studium. Darunter sind 14 Verwaltungsfachangestellte, 2 Verwaltungswirte im mittleren Dienst, eine Person als Informatikkaufmann/-frau, 14 Forstwirte, zwei Straßenwärter, zwei Vermessungstechniker, vier Einführungspraktikanten, sechs Studenten für Soziale Dienste, fünf im Sozialmanagement und eine im Marketing Management. gt