Heidenheim / Karin Fuchs Rund 2000 Mitarbeiter, Familienangehörige und Pensionäre feiern das 70-jährige Standortbestehen des Technologieunternehmens.

So schnell ändern sich die Zeiten: Noch vor einem halben Jahr war der Epcos-Belegschaft nicht zum Feiern zumute. Damals mussten Mitarbeiter gehen, weil die Nachfrage nach einzelnen Typen von Leistungskondensatoren eingebrochen war, die am Standort Heidenheim produziert wurden. Um Kündigungen kam das Unternehmen zwar herum, dennoch wurde eine Fertigungslinie geschlossen.

Mittlerweile klingen die Töne wieder optimistisch. Ein Zeichen dafür hat Epcos am Wochenende gesetzt mit einem großen Fest anlässlich des 70-jährigen Standortbestehens. Weithin sichtbar stand tagsüber ein Heißluftballon vor den Werkstoren – eigens eingefahren aus einem TDK-Standort in Tschechien. Draußen gab es Bogenschießen, Ponyreiten für die Kinder, drinnen gab es Einblicke in die Labors und Rundgänge durch die Fertigungsstraßen.

Plan für Roboterstraße

430 Mitarbeiter arbeiteten heute am Standort in den Seewiesen. Sie entwickeln und fertigen überwiegend Induktivitäten und Leistungskondensatoren, von denen nach Firmenangaben rund drei Viertel an Kunden aus der Automobil-Industrie geliefert werden. Mehr als zwei Drittel der produzierten elektronischen Bauelemente seien für den europäischen Markt bestimmt. Zum Geburtstag beschenkt sich Epcos zudem selbst: Rund zehn Millionen Euro investiert das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr in den Standort. Und das bei einem Jahresumsatz von 60 Millionen Euro. Dies sagte Helmut Schilling, Sprecher der Standortleitung, zur Eröffnung des Familientags in einer zur Festhalle umgestalteten Werkshalle. Genau in dieser Halle soll bis Jahresende eine vollautomatisierte Fertigungslinie mit mehreren Robotern installieren sein.

Mehr Produkte für E-Mobilität

Hergestellt werden dort Kondensatoren für die Anwendung in Elektrofahrzeugen, verriet Schilling. Der Anteil der Produkte für die E-Mobilität wachse kontinuierlich und liege derzeit bei rund 15 Prozent. Der Standort stellt unter anderem Leistungskondensatoren etwa für Hybrid- und Elektrofahrzeuge her, wo sie in der Stromversorgung des elektrischen Antriebs verbaut werden

Am Familientag hatten die Gäste Gelegenheit, einen Blick in die Produktionshallen zu werfen, wo die Maschinen trotz Fest nicht still standen. Still stehen sie nur an Heiligabend und Silvester. 150 Millionen Stück dieser Miniatur-Drosseln werden jährlich hergestellt – das ist nur eines von vielen Bauteilen „made in Heidenheim“. Dennoch hat sich der Schwerpunkt des Standort im Laufe der Geschichte verschoben von der Fertigung hin zu Entwicklung, zum Prozess-Design und Logistik, Heidenheim ist das Verteilzentrum der Epcos-TDK-Produkte für Europa. Etwa 30 Prozent der Mitarbeiter sind laut Epcos inzwischen auf diesen Geschäftsfeldern tätig.

Ein Blick zurück gehört dennoch zu einem Geburtstag dazu. Schillinge erinnerte an die Anfänge 1947, als von der US-Armee aus Thüringen evakuierte Mitarbeiter geholfen haben, die erste Produktionshalle zu errichten. „Es war ein weiter Weg von den Siemens-Werken für Rundfunkgeräte und Bauelemente bis zum heutigen High Tech Standort unter dem Dach von TDK“, so Schilling.

„Es ist etwas Wichtiges, wenn in einer Industriestadt Jubiläum gefeiert wird“, sagte Oberbürgermeister Bernhard Ilg, der zu den 70 Jahren Epcos auch 150 Jahre Voith und im kommenden Jahr 250 Jahre Hartmann aufzählte. „Wir brauchen die Arbeitsplätze, deshalb bin ich dankbar, dass es Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Unternehmens gibt.“