Heidenheim / Karin Fuchs Vier Tötungsdelikte weist die Jahresbilanz 2018 der Polizeidirektion für den Landkreis Heidenheim aus, alle sind geklärt, die Täter teils sogar verurteilt. Offen bleibt der neun Jahre alte Mord Maria Bögerl.

Unverändert glaubt die Kriminalpolizei daran, dass der seit neun Jahren ungelöste Mordfall Bögerl lösbar ist. Deshalb bleibt die Ermittlungsgruppe weiterhin bestehen, so die Auskunft von Polizeipräsident Christian Nill im Rahmen der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2018. Das Wort Gruppe ist dabei jedoch irreführend: Denn diese besteht mittlerweile laut Auskunft der Polizei nur noch aus einem Beamten.

Arbeit gebe es für den Ermittler noch genug. Zum einen gehe man weiterhin Spuren nach. Der Bestand ist auf mehr als 10 000 angewachsen. Und tatsächlich gingen bis heute immer noch neue Hinweise ein.

Drei bis vier Jahre wird nach diesem Stil weiterermittelt

Doch wie lang wird diese Spurensuche noch weitergehen? Laut Christian Nill mindestens noch drei bis vier Jahre. Und auch dann gibt es keinen Schlussstrich. „Es wird einen Zeitpunkt geben, an dem wir Ermittlungsbeamte ranlassen, die mit dem Fall noch nie zu tun hatten. Dann wird komplett alles noch einmal neu aufgerollt“, kündigt Nill an. Die Erfahrung aus anderen Fällen zeige, dass dann oft Hinweise auftauchten oder neu kombiniert würden, die zur Ermittlung des Täters führten. Ein früherer Ermittler habe einmal gesagt, er sei überzeugt, dass der entscheidende Hinweis bereits in den Akten stehe. „Wir haben ihn nur noch nicht gefunden.“

Der Fall bewegt nach neun Jahren noch immer

Die Entführung und Ermordung von Maria Bögerl gilt als einer der bekanntesten Kriminalfälle in Deutschland und ist in Heidenheim im kollektiven Gedächtnis verhaftet. Am 12. Mai 2010 wurde Maria Bögerl, Frau des damaligen Sparkassenchefs, aus ihrem Haus in Schnaitheim entführt, zwei Wochen später, am 3. Juni, fand ein Spaziergänger die Leiche in einem Wald bei Nietheim. Alle Ermittlungen führten in Leere. Selbst ein DNA-Massentest brachte die Anfang 2016 aufgelöste Sonderkommission „Flagge“ nicht weiter.

Hoffnung auf einen Durchbruch hatte die Polizei zuletzt im April 2017. Ein Mann wurde in Königsbronn festgenommen, der mit dem Mord an Bögerl angegeben hatte. Wenige Tage später jedoch zerschlug sich der Verdacht. Die DNA des Festgenommenen stimmte nicht mit den Spuren vom Tatort überein.

Zweiter offener Fall: Fahndung nach „Le Palme“-Messerstecher

Offen ist noch ein zweites Heidenheimer Kapitalverbrechen, der Fall „Le Palme“. Manolis Karatzaidis, ein 34-jährige Grieche, wird beschuldigt, in der Nacht zum 18. September 2016 seinen 24-jährigen Schwager getötet und seine Ehefrau mit einem Streifschuss verletzt zu haben. Tatort war die Gaststätte "La Palma" in der Erchenstraße in Heidenheim. Der internationale Haftbefehl bestehe weiterhin, sagt der stellvertretende Leiter der Kriminalpolizeidirektion, Bernd Ziehfreund, wenn auch die Möglichkeit besteht, dass der Schütze nicht mehr am Leben ist. Wegen des Suizidverdachts wurden Waldstücke im Landkreis durchkämmt – ebenso erfolglos wie die Fahndung selbst.

Erfolgreich abgeschlossen hat die Kriminalpolizei hingegen alle vier Tötungsdelikte, die sich im vorigen Jahr im Landkreis Heidenheim ereignet hatten, übrigens zwei weniger als im Jahr 2017.

Alle vier Tötungsdelikte 2018 sind gelöst

Am 19. September tötete ein 46-Jähriger Heidenheimer seinen Nachbarn auf einem Steinheimer Firmenparkplatz mit 15 Messerstichen. Anfang des Jahres wurde der Mann am Landgericht Ellwangen zu zehn Jahren Haft verurteilt – nicht wegen Mordes, sondern Totschlags.

Am 3. Juni starb in einer städtischen Obdachlosenunterkunft an der Nördlinger Straße ein 48-Jähriger nach einer tätlichen Auseinandersetzung an seinen Verletzungen. Weil sich einer der Beschuldigten in der Untersuchungshaft das Leben nahm, hatte sich ein 33-Jähriger vor dem Landgericht zu verantworten. Er wurde im Januar wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Wegen versuchter Tötung angezeigt hat die Polizei eine 31-jährige Autofahrerin aus dem Landkreis. Bei einer Geschwindigkeitskontrolle zwischen Steinheim und Sontheim/Stubental am 8. Mai wollte ein Polizist die Frau anhalten, nachdem diese 120 statt der erlaubten 70 km/h gefahren war. Die Frau gab Gas und steuerte auf den Polizisten zu, der musste sich in Sicherheit bringen, um einem Unfall zu entgehen.

Nicht öffentlich machte die Polizei einen Vorfall vom 23. Februar, als ein 21-Jähriger psychisch kranker Mann Suizid begangen hatte. Er war in einer psychischen Einrichtung untergebracht und war von dort geflohen. Die Polizei hat Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen die Pflegekräfte eingeleitet, weil diese auf den Mann hätten aufpassen müssen, so die Polizei. kf