Als im Landkreis dieses Verfahren der Mediation im Jahr 2006 eingeführt wurde, war man landesweit unter den ersten Pilotvorhaben. Inzwischen hat sich die Heidenheimer Praxis nicht nur bewährt, sie ist aus Sicht aller Mitglieder des Jugendhilfeausschusses des Kreistags zum guten Standard geworden. Damit hochstrittige Eltern doch noch zu einem Konsens geführt werden, was den künftigen Umgang mit den Kindern angeht, arbeiten bei der Heidenheimer Praxis viele Einrichtungen Hand in Hand. Dies sind Familiengericht, Rechtsanwälte in Vertretung ihrer Mandantschaft, Fachkräfte des Kinderschutzbundes und des Jugendamts wie im besonderen die Mitarbeiter der Erziehungsberatungsstelle des Landkreises.

Für diese Stelle, welche die Eltern schließlich zu gemeinsamen Gespräch zusammenbringt, schilderten Johannes Fiedler und Anita Heindl die nicht immer leichte Aufgaben. Hoch- und höchststrittige Eltern sind es, für welche das Familiengericht das Verfahren aussetzt, damit in einem moderierten und privaten Rahmen vielleicht doch ein Ausgleich der unterschiedlichen Auffassungen gelingt. Ein halbes Jahr hat die Erziehungsberatungsstelle Zeit, dann erfolgt an das Familiengericht eine Rückmeldung, ob Erfolg oder nicht.

Wichtig war Anita Heindl der Hinweis, dass die Heidenheimer Praxis auf ein rasches Handeln ausgelegt ist. Bereits wenige Tage nach der Sitzung des Familiengerichts kann das erste Mediationsgespräch stattfinden. Die Erziehungsberatungsstelle ist aufgrund der „hoch eskalierten Situation“ beim Gespräch immer mit einer männlichen und einer weiblichen Kraft vertreten. „Es ist keine leichte Aufgabe Eltern an einen Tisch zu bringen, die sich gar nichts mehr zu sagen haben“, berichtete Heindl. Es gebe Hass- und Rachegefühle, wechselseitige Anschuldigungen, Tränen aus Zorn und Hilflosigkeit. „Jeder sieht sich als das Opfer“, so Heindl.

Aufgabe der Mitarbeiter sei es, Mut und Hoffnung zu geben und den Paaren die Einsicht zu vermitteln, dass sie beide Eltern bleiben, auch wenn sie getrennte Wege gehen. „Die Kinder sollen so viel wie möglich von ihren Eltern haben.“

Bei 32 Paaren wurden im vergangenen Jahr die Beratung abgeschlossen. Bei 23 erfolgreich. „Ein guter Wert“, bekräftigte Johannes Fiedler. „Darauf darf man stolz sein.“ Aber nicht immer überdauert der Erfolg die nächste Sitzung des Familiengerichts. Die Erziehungsberatung, so Anita Heindl, halte auch dann weiterhin alle Türen offen. Neben der weiteren persönlichen Beratung gebe es auch eine Scheidungselterngruppe und eine Scheidungskindergruppe, in der Kindern vermittelt werden soll, warum Väter und Mütter getrennt leben.

Dr. Stephan Bauer, CDU-Kreisrat und als Beruf Rechtsanwalt wusste aus eigener Erfahrung, dass die Heidenheimer Praxis viel aus der früheren Schärfe juristischer Auseinandersetzungen um Besuchszeiten genommen habe. „Wenn es dieses Modell nicht schon gebe, es müsste erfunden werden.“ Familienrichterin Birgit Kohl bescheinigte dem Jugendamt sehr zur Beschleunigung des Verfahrens dadurch beigetragen zu haben, dass eigens Mitarbeiter sich schwerpunktmäßig sich dieser Materie befassen.

Johannes Fiedler berichtete, dass in den vergangenen zwei Jahren die Fälle hochstrittiger Scheidungen nach einem starken Anstieg in etwa konstant geblieben seien. Auch die Erziehungsberatungsstelle habe sich umstrukturieren müssen, um diesen höheren Anforderungen gerecht zu werden. Ein weiteres Ansteigen der Fallzahlen würde aber die eigenen Kräfte überfordern.

Landrat Thomas Reinhardt blieb das Schlusswort. „Wenn der Rosenkrieg tobt, leistet man hier Friedensarbeit.“