Heidenheim / HZ Ellen Dammann aus Heidenheim absolviert derzeit ein Auslandssemester in der walisischen Stadt Bangor.

Bore da! So lautet der walisische Gruß, der übersetzt „Guten Morgen“ bedeutet und den ich im Laufe meines Auslandssemester in Bangor in Wales gelernt habe. Bangor ist eine kleine Stadt im Nordwesten von Wales im Vereinigten Königreich, in der etwa 20 000 Menschen leben, die Hälfte davon sind Studenten. Das Städtchen liegt an der Küste, aber genauso in der Nähe des großen Nationalparks Snowdonia, sodass sich die wunderschöne Landschaft gleichzeitig aus Meer, Bergen und Wiesen zusammensetzt.

Seit September 2018 bin ich, Ellen Dammann, nun hier als Studentin im Rahmen des Erasmus+- Programms. Ich komme aus Heidenheim und studiere seit zweieinhalb Jahren Englisch und Französisch auf Lehramt in Tübingen. Dieses Wintersemester hat es mich jedoch ins Ausland gezogen, unter anderem aus bloßer Neugier und Abenteuerlust, aber auch, um die englische Sprache und Kultur wirklich erleben zu können.

Interessante Kurse und große Abwechslung

Ich wurde nicht enttäuscht: Die akademischen Kurse, die ich während dieses Semesters besuche, sind wirklich interessant und bieten eine große Abwechslung zu Tübingen, zum Beispiel innerhalb eines Moduls zum Thema „Glaube an Magie im Mittelalter“. Hier in Bangor liegt der Fokus mehr auf den eigenen Gedanken, die man zu einem Thema entwickelt, als bloß auf reiner Recherche, sodass der Kurs über Zauberei mittlerweile zu einem meiner liebsten Kurse im Studium wurde.

Besonders toll finde ich auch, dass die Universität in Bangor nicht nur akademischer Natur ist, sondern durch verschiedene Clubs und „Societies“ für die Studenten auch viel außerhalb des Studiums geboten wird. Dadurch habe ich die Chance, abgesehen von „Guten Morgen“, in einem Abendkurs noch weiteres Walisisch zu lernen, am Cheerleader-Training der „Bangor Dragons“ teilzunehmen und jeden Dienstagabend eine neue Craft-Fähigkeit zu lernen. Hier habe ich von Origami über Sticken bis hin zum Zusammenstellen von Teesorten schon Einiges ausprobieren können.

Die Universität in Bangor bietet auch viel Programm an für „Internationals“, wie die Erasmus-Studenten hier liebevoll genannt werden. Dadurch hatte und habe ich die Chance, viel von der näheren, aber auch der weiteren Umgebung zu sehen. Dazu gehört natürlich ganz am Anfang in der „Welcome Week“ ein Ausflug in den Nationalpark, bei dem man verschiedene Dörfer und die Landschaft ganz in Ruhe erleben konnte. Genauso ist die Insel Anglesey ein tolles Ziel der Trips gewesen. Hier haben wir die Burgruine in Beaumaris besichtigt. Diese gehört, genauso wie Conwy Castle und die Burg in Caernarfon, zu einem Ring von Burgen, die König Edward I im 13. Jahrhundert errichten ließ, um seine Macht über Wales zu sichern.

Trip nach Bath und Stonehenge

Ebenfalls ein Highlight war ein dreitägiger Trip mit Freunden nach Bath und Stonehenge. Ein von der Universität gestellter Reiseleiter fuhr mit den „Internationals“ über fünf Stunden nach Bath, wo wir die Stadt besichtigten. Am zweiten Tag sahen wir uns das Städtchen Lacock an, in dem man viele Drehorte aus Harry-Potter-Filmen besuchen konnte. Am letzten Tag ging es dann noch nach Stonehenge zu dem Steinkreis, der seit 1986 UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Wie man nach diesem beeindruckenden Wochenende sieht, wird es mir hier in Bangor nicht langweilig. Gemischte Gefühle jedoch, die gibt es schon mal. Besonders an meinem Geburtstag, den ich ebenfalls hier in Wales verbrachte, war ein gewisses Heimweh nicht abzustreiten. Dies verging jedoch schnell, als ein weiterer Ausflug an eben meinem Geburtstag angeboten wurde: Gemeinsam mit Freunden fuhr ich nach Manchester, in der die Weihnachtsmärkte zu einem Bummel einluden. Es brauchte nur die Lichterketten und geschmückte Christbäume und schon war das Weihnachtsgefühl perfekt und der Tag ein wirklich außergewöhnlicher Geburtstag.

Nun neigt sich mein Auslandssemester langsam dem Ende zu. Geplant sind noch verschiedene Ausflüge, unter anderem nach Oxford und Dublin. Man merkt allerdings auch, wie der Stresspegel langsam steigt, da sich nun die „Final Exams“ ankündigen, also die Deadlines für die Prüfungen in diesem Semester immer näher rücken. Daher freue ich mich umso mehr auf eine gemütliche Weihnachtszeit zu Hause, wenn ich nach einem Kurztrip nach London Ende Dezember wieder in Heidenheim ankomme.

Zum Glück ist das aber noch nicht der endgültige Abschied, denn hier sind sie wieder, die gemischten Gefühle. So richtig verlassen möchte ich mein neues Zuhause in Bangor nun auch noch nicht, sodass ich mich schon darauf freue, im Januar noch mal für ein paar Wochen walisisches Studentenleben zu erleben.