Wie meist bei Ereignissen von weltgeschichtlichem Rang werden unzählige Menschen niemals vergessen, wo sie gerade waren, als die Queen starb.

Noch gut in Erinnerung hat etwa Heidenheims früherer Oberbürgermeister Bernhard Ilg aber auch den 13. Juni 2002. Zusammen mit seiner Frau Barbara und Stadträtin Renate Klement-Schmidberger war er zu einem Festbankett in Newport geladen, an dem auch Elisabeth II. und deren Gatte, Prinz Philip, teilnahmen. Heidenheims walisische Partnerstadt erhielt damals anlässlich des goldenen Thronjubiläums der Queen den City-Status verliehen. Die Anwesenheit der Monarchin verursachte bei den Gästen von der Brenz im Vorfeld durchaus eine gewisse Aufregung, und die Frauen lernten, wie man einen korrekten Knicks macht.

Der ehemalige Oberbürgermeister Heidenheims: Bernhard Ilg.
Der ehemalige Oberbürgermeister Heidenheims: Bernhard Ilg.
© Foto: chw/Archiv
„Schnell haben wir uns aber wohlgefühlt bei ihr“, sagt Ilg heute, „weil sie neben ihrer Autorität auch eine große Wärme ausstrahlte.“ Ein Übriges hätten der Witz, der Charme und die ständig präsenten Lachfalten des Prinzen getan: „Wir standen beim Bürgermeister von Newport, und als Philip ihn fragte: ,Are you the leader of this gang?‘, da war die ganze Anspannung weg“, so Ilg. Wirke für viele hierzulande eine Monarchie mittlerweile reichlich aus der Zeit gefallen, habe man Elisabeth II. ihre Rolle als Königin stets abgenommen: „Sie vermittelte, dass sie auch heute noch da hingehörte.“ Die Nachricht ihres Todes hat Ilg weniger mit Trauer aufgenommen als „mit dem dankbaren Gefühl, dass sie jetzt wieder zu ihrem Philip gehen darf“.
Renate Klement-Schmidberger war Gründungsmitglied des Partnerschaftskomitees.
Renate Klement-Schmidberger war Gründungsmitglied des Partnerschaftskomitees.
© Foto: HZ-Archiv

Renate Klement-Schmidberger, die bei besagtem Empfang das Heidenheimer Partnerschaftskomitee vertrat, zeichnet ein ähnliches Bild der Verstorbenen: „Sie trat gar nicht auf wie eine Königin, sondern eher wie eine englische Lady oder wie eine liebe, alte Tante: freundlich, zugewandt und überaus sympathisch.“

Bodenständigkeit und Normalität habe die Queen ausgestrahlt, „und das war schon eine Diskrepanz zu dem riesigen Aufwand, den man betrieben hatte, um die Halle für den Besuch vorzubereiten – strenge Kontrollen wie an einem Flughafen eingeschlossen“. Die drei Mitglieder der Heidenheimer Delegation fühlten sich Klement-Schmidberger zufolge geehrt und stolz, eine Einladung erhalten zu haben. Zugleich spürten sie die Bewunderung anderer, denen das nicht vergönnt war, „und vielleicht sogar etwas Neid angesichts dieser in dem Moment herausgehobenen Position, denn es war etwas ganz Besonderes für die Briten, der Queen zu begegnen“.

Heidenheims Oberbürgermeister Michael Salomo.
Heidenheims Oberbürgermeister Michael Salomo.
© Foto: HZ-Archiv

Durch die Städtepartnerschaft mit Newport habe Heidenheim eine Verbindung ins Vereinigte Königreich, sagte Heidenheims Oberbürgermeister Michael Salomo am Freitag. Die Nachricht, dass Elisabeth II. verstorben sei, bewege Menschen in England, Europa und weit darüber hinaus. Die britische Königin sei ein Garant für Stabilität gewesen, und das Commonwealth habe eine herausragende Persönlichkeit sowie die älteste regierende Monarchin der Welt verloren. Salomo will in einem Kondolenzschreiben an den Newporter Bürgermeister die Anteilnahme am Tod der Queen zum Ausdruck bringen.

„Wir waren immer stolz, eine Königin zu haben“

Zwar sei 96 ein stolzes Alter, aber sehr traurig sind Jennifer Waltenberg und ihr Mann James dennoch über den Tod der britischen Königin. Er ist Engländer, seine Frau ist in Schottland geboren, und ihr Vater stammt aus Nordirland.

Das Paar hat im vergangenen Jahr aus der Bahnhofgaststätte Ballmertshofen ein Lokal mit Schwerpunkt auf englischer Küche gemacht: „JJ's Bar & Restaurant“. „Wir waren beide immer schon Unterstützer des Königshauses und wir waren immer stolz, dass wir eine Königin haben“, sagt Jennifer Waltenberg.

Eng sei man schon seit Donnerstag in Kontakt mit allen Verwandten auf der Insel. „Mit ihrem Tod geht eine Ära zu Ende. Sie war einfach eine bewundernswerte Frau, und wir sind alle gespannt, was jetzt passieren wird.“

Geschäfte blieben geschlossen

Den Stolz der Briten auf ihr Königshaus beschreibt auch Christian Thumm. Der ehemalige HZ-Fotograf lebt seit 2019 mit Unterbrechungen in London. Und zwar ganz in der Nähe des Buckingham Palace. „Das ist unsere tägliche Gassi-Runde mit dem Hund“, sagt er.

Wie ist die Situation in London derzeit? „Am Freitag hatten einige Geschäfte, Büros und Läden zu.“ Ein Signal der Solidarität. „An so einem Trauertag soll einfach kein Geld verdient werden“, erklärt Thumm. Er als Deutscher habe die große Identifikation der Briten mit dem Königshaus zwar nie so richtig verstanden, „aber das geht durch alle Altersschichten. Ganze Generationen sind mit der Queen aufgewachsen, fühlten sich verbunden mit ihr – fast wie mit einem Familienmitglied“. Ein Äquivalent dazu gebe es in Deutschland nicht.

„Das ist eine Magie, die sich nur schwer erklären lässt“

Schnell hat Thumm in London gelernt, dass man auf der Insel über die königliche Familie besser nicht scherzt. „Man stößt die Leute hier damit vor den Kopf. Es wäre zwar leicht zu kritisieren, aber einen gewissen Respekt muss man walten lassen.“

Durch die vielen Auftritte der königlichen Familie habe fast jeder Brite eine Geschichte, einen berührenden Moment erlebt. Das präge und verbinde zugleich, glaubt Thumm. „Das ist eine Magie, die sich nur schwer erklären lässt.“ Am Donnerstag und Freitag herrschten in London Dauerregen. „Das unterstützt die traurige Stimmung natürlich noch. Die Pubs waren zwar voll, aber das ist in England einfach der Ort, an dem man zusammenkommt.“ Auf der Straße habe er am Donnerstag traurige God-save-the-Queen-Gesänge gehört. Für die nächsten zehn Tage seien weitere Veranstaltungen zum Tod der Königin geplant.

„Das Königshaus ist pure Geldverschwendung“

Wie Jennifer Waltenberg ist auch Bill Pringle, langjähriger Golflehrer des GC Hochstätt, in Schottland geboren. Ihre Verbundenheit mit dem britischen Königshaus teilt er allerdings nicht. Ganz im Gegenteil.

„Schottland ist eine verkappte Kolonie von England, und wie ein Krebsgeschwür kommen wir einfach nicht von ihnen weg, weil sie uns nicht lassen. Meine Meinung zum Königshaus ist, dass es pure Geldverschwendung ist. Die normalen Leute können von ihrer Rente nicht leben, und denen wird das Geld in den Hintern gepumpt.“

Nun geht, wie oft in diesen Tagen geschrieben, mit dem Tod der Queen jedoch eine Ära zu Ende. Pringle dazu: „Das geht mir relativ eng am Arsch vorbei, und bitte schreiben Sie das auch nur so.“

Giengen