Nur große Gemeinschaftsschulen mit mindestens vier Klassen pro Jahrgangsstufe können eine eigene gymnasiale Oberstufe einrichten. Damit ist die zweizügige Heidenheimer Gemeinschaftsschule zu klein für diese Option.

Doch gestern wurde ein Modell geboren, das den Gemeinschaftsschülern der Friedrich-Voith-Schule mit Gymnaialempfehlung den Weg zum Abitur öffnet. Und zwar führt dieser über zwei beruflichen Schulen des Landkreises mit ihren beruflichen Gymnasien.

Landrat Thomas Reinhard formulierte es auf den Punkt: „Durch unsere Kooperation werden die beruflichen Gymnasien letztlich zur gymnasialen Oberstufe für die Friedrich-Voith-Schule.“

Heidenheimer Erfindung

Gestern unterzeichneten die Schulleiter der Friedrich-Voith-Schule, der Maria-von-Linden-Schule und der Kaufmännischen Schule ein Kooperationsvertrag, der die Zusammenarbeit der drei Schule festschreibt. Dieses Modell ist eine Heidenheimer Erfindung der beteiligten Schulleiter und bislang einmalig im Land.

Schulamtsdirektorin Elke Weccard vom Staatlichen Schulamt bezeichnete die Kooperation als „richtungsweisenden Schritt“ in der Hoffnung, „dass noch viele Standort solche Wege gehen, wie sie ihn erfunden haben“. Bürgermeister Rainer Domberg dankte den beteiligten Schulen für die Pionierarbeit und stellte sich bewusst hinter Gemeinschaftsschule. Sie sei ein Lösungsversuch, um der Vielfalt der Schüler gerecht zu werden.

Neu ist mit der Kooperation nicht nur die Lösung, die die Gemeinschaftsschule gefunden hat, um ihren Schülern den Weg nach der zehnten Klasse zu erleichtern. Selten ist auch die Kooperation zwischen einer allgemeinbildenden Schule unter der Trägerschaft der Stadt und einer beruflichen Schule in Trägerschaft des Landkreises.

„Kein Abschluss ohne Anschluss“ zitierte Landrat Reinhard deshalb das Motto im „Bildungsland Baden-Württemberg“, um Sackgassen in den schulischen und weiteren Ausbildungen zu vermeiden. Mit der Kooperation könne man den Schülern eine Vielzahl von Abschlüssen anbieten, nicht nur die Hochschulreife sondern eine ganze Reihe an beruflichen Abschlüssen im Rahmen der dualen Ausbildung.

Schüler unterrichten

Was steckt konkret hinter dem Vertrag? Jana Klapzcynski, Marcel Bollinger und Justin Seibold interviewten mit diesen Fragen als Schülervertreter der drei Schulen die drei Schulleiter Werner Weber (Friedrich-Voith-Schule), Willi Bennegger (Maria-von-Linden-Schule) und Stefan Bader (Kaufmännische Schule). „Es ist ein Signal, dass die Welt nicht untergeht, wenn das Kind nach der vierten Klasse nicht gleich aufs Gymnasium geht“, sagte Stefan Bader mit dem Verweis darauf, dass durch die Kooperation die Schullandschaft noch durchlässiger werde.

Die Schüler der Gemeinschaftsschule, so Werner Weber, lernten aus erster Hand von Lehrer und Schüler der beruflichen Schulen, welche Bildungsmöglichkeiten ihnen nach der zehnten Klasse offen stünden.

Wie geht's nun weiter? Die drei Schulen treffen sich halbjährlich zu Planungsrunden, in denen sie ihre Ziele und Vorhaben festlegen. Im Vertrag sind schon einige Beispiele benannt, wie etwa schulartübergreifende Projekttage, Kooperationen mit außerschulischen Partnern und sogenannte Brückenkurse, in denen der schulische Übergang im Mittelpunkt steht. Schüler der beruflichen Schulen sollen an der Gemeinschaftsschule unterrichten.

Damit der Vertrag nicht nur eine leere Worthülse ist, wollen die Schulen die Kooperation evaluieren, also nach jeden Schuljahr prüfen, ob die festgeschriebenen Ziele erreicht wurden.