Heidenheim / Patrick Vetter Frisch geschlagen sollte der Baum sein, damit er seine Nadeln bis zum Fest behält. Verkäufer Markus Benz erklärt, worauf man achten kann.

Frisch verliebte Paare und alte Frauen kaufen kleine Bäume“, sagt Markus Benz und zeigt auf eine brusthohe Blautanne. Die einen, weil sie wenig Platz haben – die anderen, weil es weniger Aufwand ist. „Raumhohe Bäume nehmen eher Familien mit Kindern.“

Zusammen mit seinem Bruder Wolfgang Benz und seinem Vater Georg Benz verkauft Markus Benz in Schnaitheim schon seit er denken kann Christbäume. „Wir sind ein echter Familienbetrieb. Alle packen mit an“, sagt er. Der Betrieb ist einer der wenigen, der tatsächlich auch in Heidenheim seine Bäume großzieht. „Das war das Team am vergangenen Samstag“, sagt Markus Benz und zeigt stolz ein Foto, auf dem auch seine Kinder beim Sägen der Bäume mit anpacken.

Unter strenger Beobachtung

In den Kulturen der Familie stehen Fichten, Nordmann- und Blautannen. Zirka acht Jahre lang wuchsen beispielsweise die Blautannen zur „Zimmerreife“ heran – unter der strengen Beobachtung der Besitzer. Wächst ein Baum krumm, wird er gerade geschnitten. Wird seine Spitze zu lang, wird sie gestutzt, denn jedes Jahr entsteht ein neues Stockwerk nadeliger Äste und dazwischen darf nicht zu viel Luft sein.

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Also je dichter desto besser? „Nein, einige Leute mögen lieber ganz lichte Bäume, die sie besser schmücken können“, erklärt Wolfgang Benz. Wer zum Beispiel echte Kerzen auf dem Weihnachtsbaum möge, der könne direkt beim Kauf darauf achten, dass die Äste weit genug auseinander stehen.

Frische Bäume erkennt man am Schnitt

Außerdem sei es vor allem so früh vor Weihnachten sinnvoll, auf frische Bäume zu achten. Erkennbar sei das an den Stümpfen. Sind diese noch nass und sieht der Schnitt noch frisch aus, kann der Weihnachtsbaum nicht alt sein. Außerdem helfe es, wenn die Bäume im Ständer Wasser bekommen. Damit das gut aufgenommen wird, können die ersten paar Zentimeter des Stumpfes abgesägt werden. Gehen auf dem Benz-Hof die Bäume aus, macht sich Markus Benz mit der Säge auf den Weg und holt neue: „Ich bin eher fürs Sägen zuständig und mein Bruder für den Verkauf.“

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Trotz dieser Aufgabenverteilung und dem eingespielten Familien-Team sind auch die Benz-Geschwister zu den Stoßzeiten auf gekaufte Bäume aus Dänemark angewiesen. Der Transport sei dabei kein Problem, man müsse nur aufpassen, dass man nicht zu früh bestelle. Wenn die Bäume ankommen, seien sie bereits bis zu drei Wochen auf Europareise gewesen. Kommen sie schon im November, liegen sie nochmal einige Wochen, bevor sie ein Heidenheimer Wohnzimmer schmücken und verlieren dort dementsprechend schnell ihre Nadeln.

Zwei Wochen vor Weihnachten startet der Verkauf erst richtig

Benötigt werden die Extra-Bäume nämlich erst ab der zweiten Adventswoche, wenn der Verkauf richtig startet. „Bisher kaufen die Leute noch hauptsächlich Bäume für den Außenbereich oder für ihren Balkon“, erklärt Markus Benz. Die meisten „Wohnzimmerbäume“ werden am zweiten Wochenende vor Weihnachten gekauft. „Da wäre es dann auch blöd, wenn einer von uns ausfällt“, sagt Wolfgang Benz. Wenn der Hof der Familie richtig voll wird, wird jede helfende Hand dringend benötigt.

Im Urlaub ins Wäldchen

Abgesehen von der Lebkuchenzeit muss Markus Benz rund fünf Tage über das Jahr verteilt in seinem kleinen Weihnachtsbaumwäldchen verbringen. Eigentlich ist er Elektriker und die Zeit bei den Bäumen seine Urlaubszeit. Die Bäume müssen gepflanzt werden, jeden Meter einen – auf dem Hektar, den die Familie bepflanzt 10000Stück – außerdem muss gemäht und die Äste beschnitten werden.

Dieses Jahr gab es wegen der Trockenheit einige Ausfälle bei den ganz frisch gepflanzten Nadelbäumen. Einige der jüngsten sind einfach vertrocknet, doch große Einbußen bedeutet das nicht. „Nächstes Jahr werden sie einfach neu gepflanzt“, sagt Markus Benz. In den ersten Jahren seien die Bäume noch anfällig für schlechte Sommer. Erst mit vier bis acht Jahren wachsen die Weihnachtsbäume wirklich in die Höhe. „Dann beginnt erst wirklich die Pflege“, sagt Benz.

Auch in den Weihnachtsstuben werde man den Sommer dieses Jahres spüren, sagt sein Bruder. Die Pflanzen haben weniger Wasser aufgenommen und gespeichert und werden deshalb schneller braun. 2003 herrschte vergleichbare Trockenheit. Das war das Jahr, in dem die Familie erstmals selbst Bäume anpflanzte. „Wir verkaufen aber schon seit 50 Jahren hier auf dem Hof“, erzählt Vater Georg Benz von den Anfängen.

Wie lange wächst ein Weihnachtsbaum?

Fichten können zwar schon nach sechs Jahren zimmerhoch gefällt werden, haben aber spitze Nadeln. Aus diesem Grund sind sie weniger beliebt, obwohl die Fichte der eigentlich bei uns heimische Baum der drei typischen Weihnachtssorten ist.

Blautannen sind dichter und nicht ganz so stachelig wie Fichten. Sie wachsen meistens acht Jahre, bis sie gefällt werden.

Nordmanntannen kommen ursprünglich zwar aus kälteren Regionen, wachsen in Deutschland aber trotzdem nicht überall gut. Späte Fröste im Frühjahr zerstören die Triebe und sorgen für krumme Weihnachtsbäume. Der dicke Stamm muss für viele Ständer erst angespitzt werden. Sie sind beliebt wegen ihrer runden Nadeln, die sie lange halten. In Schnaitheim müssen die Bäume bis zur Christbaumgröße fast 15 Jahre wachsen.