Wer künftig nachts durch die Innenstadt geht, wird sie zwar nicht komplett finster, in vielen Bereichen aber deutlich dunkler als gewohnt vorfinden. Vorausgesetzt, der Handel hält sich an die Vorgaben der von Wirtschaftsminister Robert Habeck ausgearbeiteten Verordnung, die zu einem geringeren Energieverbrauch in Deutschland beitragen soll.

Sie untersagt das dauerhafte Offenhalten von Ladentüren und Eingangssystemen im Einzelhandel. Eine Ausnahme ist nur möglich, insofern sie mit Blick auf einen Fluchtweg erforderlich ist. Gleichzeitig dürfen beleuchtete Werbeanlagen zwischen 22 und 16 Uhr nicht eingeschaltet werden, es sei denn, die Beleuchtung ist „zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit oder zur Abwehr anderer Gefahren erforderlich“, wie Paragraf 11 bestimmt. Schaufenster sind im Verordnungstext nicht explizit erwähnt.

Wie beurteilt der Handel die Maßnahmen, die bis zum 28. Februar gelten?

HDH

Charles Simon, Vorsitzender des Heidenheimer Dienstleistungs- und Handelsvereins (HDH), spricht von logischen Schritten, „die notwendig sind, damit sich angesichts unserer Energieabhängigkeit mittelfristig nicht alles noch weiter verschlechtert“. Der Handel gehe den eingeschlagenen Weg deshalb wie jede vernünftige Privatperson mit, die ihren eigenen Energieverbrauch im Blick habe: „In der Hoffnung, dass dadurch möglichst viele Probleme gelöst werden, drehen wir beispielsweise die Heizung so weit als möglich runter“, sagt Simon.

So hell ist die Karlstraße in Heidenheim normalerweise erleuchtet.
So hell ist die Karlstraße in Heidenheim normalerweise erleuchtet.
© Foto: Rudi Penk

In den Auslagen bedürfe es grundsätzlich keiner „Feuerwerksbeleuchtung“, und von Schaufensterbummeln in der tiefen Nacht sei ohnehin nicht auszugehen. Bei allen Einschränkungen müsse aber jederzeit der Sicherheitsaspekt berücksichtigt bleiben.

Umsatzeinbrüche aufgrund ausgeschalteter Strahler befürchtet Simon nicht. Ursächlich dafür könne vielmehr die wachsende Angst vieler Menschen sein, sich angesichts rasant steigender Energiepreise keine warme Wohnung mehr leisten zu können.

Noch offen ist Simon zufolge die Frage, wie mit den langen Einkaufsnächten verfahren werden soll, die in den kommenden Monaten anstehen. Niemand wisse, was die nächste Zeit bringe, sagt der HDH-Chef, „und fast wie bei Corona tappen wir da momentan im Dunkeln“.

Schloss Arkaden

Alle gesetzlichen Vorgaben würden natürlich eingehalten, sagt Center-Manager Michael Sünderhauf. Dem Kostenfaktor Energie gelte in den Schloss Arkaden schon immer besonderes Augenmerk. Die Leuchtschriften an der Fassade sind zentral gesteuert, was das exakte An- und Ausschalten erleichtert. Teilweise ist das auch bei den Schaufenstern der Fall.

Lediglich in den warmen Sommermonaten stehen Sünderhauf zufolge die beiden einflügeligen Türen Richtung Olgastraße meistens offen. Das nun zu ändern, sei kein Problem, „weil die großen Drehtüren jederzeit einen barrierefreien Zugang zum Gebäude gewährleisten“.

Modehaus Steingass

Jürgen Steingass, der das Modehaus am Eugen-Jaekle-Platz gemeinsam mit seinem Sohn Alexander führt, zeigt ebenfalls Verständnis für die Habeck‘schen Maßnahmen. Bereits am vergangenen Montag wurde deshalb die automatische Beleuchtung der Schaufenster angepasst: War sie bislang von 7 bis 23 Uhr eingeschaltet, gilt dies jetzt nur noch für den Zeitraum zwischen 9.30 und 21 Uhr.

Früher als üblich gehen in den nächsten Monaten auch rund um den Eugen-Jaekle-Platz die Geschäftsbeleuchtungen aus.
Früher als üblich gehen in den nächsten Monaten auch rund um den Eugen-Jaekle-Platz die Geschäftsbeleuchtungen aus.
© Foto: Rudi Penk

Zum Zeitpunkt dieser Entscheidung lag allerdings erst ein Entwurf der Energieeinsparverordnung auf dem Tisch, der ein Beleuchtungsverbot nur zwischen 22 und 6 Uhr beinhaltete. Eine Anfrage der HZ-Redaktion beim Bundeswirtschaftsministerium zum Umgang mit dem veränderten Zeitraum blieb zunächst unbeantwortet.

Die große Eingangstür am Eugen-Jaekle-Platz ist Steingass zufolge üblicherweise nur an hochsommerlichen Tagen, wie es sie dieses Jahr viele gab, permanent geöffnet. Die Barrierefreiheit sei dank eines automatischen Türantriebs auch unter anderen Bedingungen jederzeit gegeben.

Mögliche Umsatzrückgänge in nächster Zeit will Steingass nicht ausschließen. Zurückzuführen wären sie seiner Meinung nach aber nicht auf dunkle Schaufenster oder geschlossene Türen, „sondern vielmehr auf den allgemeinen Sparzwang, der sicher dazu führt, dass das eine oder andere Stück weniger gekauft wird“.

Aktuell seien keine weiteren Schritte angedacht, um den Energieverbrauch zu senken, sagt Steingass. Selbst wenn solche erforderlich werden sollten, bliebe aber die nach oben führende Rolltreppe in Betrieb: „Vor allem ältere Kundinnen und Kunden täten sich sonst sehr schwer.“

Heidenheim

DH: Anweisung scheitert an technischem Defekt


Öffentliche Gebäude dürfen bis auf Weiteres nicht mehr angestrahlt werden. Ausgenommen sind Sicherheits- und Notbeleuchtungen. Für Aufsehen sorgte deshalb zuletzt, als welch heller Fleck sich der Saal der Dualen Hochschule (DH) in den Abendstunden ausnahm.

Zugleich machte das Gerücht die Runde, verantwortlich dafür sei ein Passus im Vertrag mit dem Architekten. Stimmt nicht, klärt Dr. Stefan Horrer auf, der Leiter des Amts Vermögen und Bau in Schwäbisch Gmünd. Auch habe niemand vergessen, nach Feierabend das Licht zu löschen, obwohl für alle Liegenschaften des Landes die Anweisung gelte, abends die Lichter auszuschalten. Der wahre Grund ist ein simpler: Horrer zufolge reagierten aus zunächst unerfindlichen Gründen immer wieder Bewegungsmelder, obwohl sich niemand im Raum befand. Zusammen mit der DH-Leitung sollte schnellstmöglich eine Lösung gefunden und das Problem mit der Gebäudeleittechnik behoben werden.

Unterdessen ist das letzte Drittel des Jahres angebrochen. Weshalb sich die Frage anbietet, was mit der Weihnachtsbeleuchtung in der Heidenheimer Innenstadt geschieht. Aktueller Stand laut Rathaussprecherin Birgit Baumann: Sie wird auch heuer eingeschaltet, der Situation angemessen aber zeitlich begrenzt.