Heidenheim / Karin Fuchs „Rettet die Bienen“ heißt eine Initiative, die ein Volksbegehren zum Artenschutz analog zu Bayern anstrebt. Bis Sonntag werden in Heidenheim Unterschriften gesammelt.

Fast eine Million Kilometer zeigt der Tachometer des 40 Jahre alten Berliner Linienbusses an, der noch bis Mittwoch auf dem Eugen-Jaekle-Platz steht und danach von Freitag bis Sonntag auf dem Talhof im Rahmen des großen Geburtstags-Hoffests parkt.

Der Fahrer ist Werner Küppers, seines Zeichens freischaffender Künstler. Er lebt und arbeitet von April bis November im Bus. Momentan schafft er keine Kunstwerke im engen Sinne, sondern setzt sich für die direkte Demokratie in Deutschland ein, was für ihn ebenso Kunst bedeutet.

Küppers und seine „Band“

Aktuell jedoch steht die Forderung nach mehr Basisdemokratie an zweiter Stelle. Denn Küppers stellt sich und die gemeinnützige GmbH „Omnibus für direkte Demokratie in Deutschland“ hinter das gerade angelaufene Volksbegehren „Rettet die Bienen“, das analog zu Bayern den Artenschutz gesetzlich verankert wissen will. Mit dabei seine „Band“, wie er die wechselnden Begleiter im Team nennt. Die beiden Helfer, zurzeit ist das der Student Christopher Pinnekamp und die Seiltänzerin Lisa Wilke, gehen in der Fußgängerzone auf Passanten zu, erklären das Anliegen und bitten um Unterschriften.

Der weiße Doppeldecker zieht die Blicke auf sich

Viel Überzeugungsarbeit müssen sie nicht leisten. Die meisten Passanten beäugen den auffälligen, weißen Doppeldecker-Bus. Die einen laufen schnell daran vorbei. Die anderen gehen neugierig einen Schritt auf den Bus zu und fragen, um was es geht. Viele sind bereit, zu unterschreiben.

„Ich bin gegen den Einsatz von Pestiziden und Glyphosat“, sagt ein Herr und ist gleich mitten in der Diskussion über die industrielle Landwirtschaft, die Chemiekonzerne, die mit ihren Spritzmitteln Gewinne machen und über den dringenden Handlungsbedarf. „Geben Sie mir einen Prospekt, das lese ich mir beim Kaffee genau durch“, sagt eine Passantin und deckt sich mit Info-Material ein.

Schon jetzt mehr Unterschriften als notwendig

Heidenheim ist nach Heidelberg und Ladenburg im Rhein-Neckar-Kreis die dritte Station, an der Küppers mit seinem weißen Omnibus Unterschriften sammelt. 500 hat er schon zusammen, in Heidenheim läuft es prima an. Die gesamte Initiative hat innerhalb von zweieinhalb Wochen nach eigenen Angaben mehr als 18 000 Unterschriften für das Volksbegehren gesammelt. Das sind mehr, als benötigt werden, um am 26. Juli den Zulassungsantrag des Volksbegehrens „Rettet die Bienen” beim Innenministerium einzureichen. „50 000 Unterschriften sind das Ziel“, so Küppers, „wir wollen damit ein deutliches Signal setzen.“

Ökologisches Bewusstsein

Küppers ist zuversichtlich: Was die Bayern geschafft haben, könnten die Baden-Württemberger auch erreichen. In Bayern war der Rückhalt in der Bevölkerung enorm. „Das war so massiv, dass die Landesregierung die Forderungen eins zu eins übernommen hat.“

Küppers war in Bayern unterwegs und sieht die gleiche Stimmung in der Bevölkerung jetzt auch in Heidenheim: „Das ökologische Bewusstsein beim Bürger ist sehr viel weiter entwickelt, als Politik und Medien uns das glauben lassen wollen.“ Viele erzählten, was sie selbst für den Artenschutz tun und seien es überdrüssig, dass vonseiten der Politik nichts passiert. Und da ist Küppers wieder bei seinem ureigenen Thema: die direkte Demokratie.

Seit 18 Jahren ein Reisender

Vor 18 Jahren, erzählt er, habe er sein Haus am Niederrhein verlassen „Ich musste frei abspringen, hatte kein Netz, aber auch keine Angst. Es ist eine wunderbare Erfahrung, die ich im Gespräch mit den Menschen mache.“ Nämlich? „Zu zeigen, dass nicht die da oben machen , was sie wollen, sondern über uns nur der Himmel ist.“

Mehr Infos unter www.Volksbegehren-Artenschutz.de

Was der Omnibus mit Beuys zu tun hat

Der Impuls für den Demokratie-Omnibus kommt vom Künstler Joseph Beuys, der 1971 die „Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“ gründete. 1972 war er damit auf der „Documenta 5“ in Kassel. Er spricht über den erweiterten Kunstbegriff in Zusammenhang mit direkter Demokratie.

Der erste Omnibus fährt auf Initiative seiner Frau und seines Sohns 1987, eineinhalb Jahre nach dem Tod von Beuys, los. Beuys-Weggefährte Johannes Stüttgen gründete die Omnibus GmbH mit dem Ziel, der direkten Demokratie in Deutschland auf die Sprünge zu helfen, die bürokratischen Hürden abzubauen.

Der weiße Omnibus nimmt 2000 seine Fahrt auf. Im Herbst besteht der Fahrer Werner Küppers seinen bislang größten Einsatz. Auf Einladung des Goethe-Instituts ist er in zwölf Ländern Südost-Europas unterwegs. Der Bus wird über die Grenzen Deutschland hinweg bekannt und wird 2018 zum globalen Forum für direkte Demokratie nach Rom eingeladen.

Mehr Infos auf www.omnibus.org kf