Im Zentrum des öffentlichen Teils der jüngsten Verwaltungsausschusssitzung des Kreisrates stand ein Vortrag von Peter Schmidt von der IHK Ostwürttemberg. Der diplomierte Wirtschaftsingenieur berichtete den Kreisräten über die Aktivitäten des Digitalisierungszentrums Ostwürttemberg „digiZ“, dessen Leiter er ist. Das Zentrum, das im Juli 2019 offiziell an den Start ging, ist eines der Produkte der Digitalisierungsoffensive des Landes Baden-Württemberg unter dem Dachbegriff „Wirtschaft 4.0“. Es ist eines von zehn digitalen Zentren, „Digital Hubs“ genannt, im Ländle. Seine Standorte sind Heidenheim, Aalen und Schwäbisch Gmünd.

Land fördert mit einer Million Euro

Finanziert wird das „digiZ“ zu 50 Prozent aus Landesmitteln in Höhe von rund einer Million Euro. Der Landkreis Heidenheim stellt im Rahmen seiner Wirtschaftsförderung 37 333 Euro pro Jahr zur Verfügung. Der Ostalbkreis sitzt mit jährlich 74 667 Euro im gemeinsamen Boot. Der größte Brocken wird jedoch von den kooperierten Wirtschaftsunternehmen der Region gestemmt. Zu den wichtigsten Partnern am Standort Heidenheim zählen die Firma Voith, die Kreissparkasse und das IT Systemhaus Raab. Ein wichtiger Mitspieler aus der Region ist natürlich auch die Firma Zeiss, deren SMT AG genau auf der Grenze zwischen dem Heidenheimer Landkreis und dem Ostalbkreis angesiedelt ist.

Know-how von Unternehmen und Hochschulen

Eine noch viel höhere Wichtigkeit als die finanzielle, sieht Schmidt in der logistischen Unterstützung durch die beiden Landkreise. Die Behörden sind für das „digiZ“ Ansprechpartner Nummer 1, wenn es um wirtschaftliche Förderungen für junge Unternehmen in der Region geht. Ein unschätzbares Reservoir bildet das Know-how und die Expertisen, die die Unternehmen, aber auch die Hochschulen in das „digiZ“ einbringen.

Umdenken in der Gesellschaft

Diesbezüglich, so Schmitt, könne man in Gesellschaft und Wirtschaft ein allgemeines Umdenken feststellen. Die Unternehmen selbst drängten mehr und mehr nach Vernetzung und Austausch, wo früher eher die Tendenz vorgeherrscht habe, sich von der Konkurrenz abzuschotten. „Digitalisierung braucht Verbündete“, ist eine der Hauptbotschaften von Schmidt.

Diese Verbündeten zu verbinden ist die Hauptaufgabe des „digiZ. Man sieht sich als Hauptansprechpartner für alle Fragen der Digitalisierung, die aus der regionalen Wirtschaft kommen. Den Standort des „digiZ“ auf dem ehemaligen WCM-Areal hat man mit Bedacht gewählt. Dort befindet man sich in unmittelbarer Nähe zum Gründerzentrum „Dock 33“ und zur Dualen Hochschule.

Steckenpferd: 3-D-Technologie

Ein besonderes Steckenpferd am Standort Heidenheim bildet die 3-D-Technologie, die sich um die Begriffe Virtual- (VR) und Augmented Reality (AR) dreht. Interessierte Unternehmen können sich vor Ort mit der Technik vertraut machen. Die Darstellung von Produkten in 3D bietet nicht nur für den potenziellen Kunden einen Vorteil, sondern das Angebot sorgt auch für ein besseres Ranking bei den Suchmaschinenergebnissen – ein zentraler Punkt bei der Onlinevermarktung.

Beratung zur Digitalisierung

Ein weiterer Schwerpunkt des Standortes Heidenheim liegt auf digitalen Vorträgen und Online-Seminaren. Unter anderem finden regelmäßig Sprechtage zum E-Commerce statt. Schmidt geht es vor allem darum, ein niedrigschwelliges Angebot parat zu haben, wo sich kleine Unternehmen und Geschäfte ohne große technische Vorkenntnisse über alle Aspekte der digitalen Vermarktung beraten lassen können. In eine ähnliche Richtung zielen auch die Online-Seminare des „Marktscout“-Programms. Gemeinsam mit den Unternehmen wird hier ein roter Faden durch den Dschungel der Digitalisierung entwickelt. Allerdings ist beim „digiZ“ noch nicht alles digital. „Beratungsgespräche bei den Unternehmen vor Ort, wird es natürlich auch weiterhin geben“, so Schmidt.

Heidenheimer Coworking-Space Dock 33: neues Arbeiten in neuem Umfeld

Heidenheim

Zur Entwicklung der „Industrie 4.0“ in Deutschland


Um das Jahr 2010 herum tauchte in Deutschland erstmals der Begriff „Industrie 4.0“ auf. Und es waren in erster Linie zunächst einmal Forscher, Hochschullehrer und Informatiker, denen aufgefallen war, dass Deutschland sich von der internationalen Entwicklung der Digitalisierung fast abgekoppelt hatte.

Im Oktober 2012 tauchte erstmals ein Papier auf, das bei der Bundesregierung dringenden Handlungsbedarf anmeldete und nicht mit Umsetzungsvorschlägen geizte. Doch dauerte es noch einige Jahre, bis in Sachen Digitalisierung langsam der Turbo eingeschaltet wurde. In diesem Zusammenhang wurde das Wort vom „Internet bis zur letzten Milchkanne“ vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder ein geflügeltes. hs