Heidenheim / Brigitte Malisi Wie neue Medien an Grundschulen sinnvoll eingesetzt werden können, erproben die Lehrer der Grundschulklassen der Hirscheckschule derzeit. Andere Kollegen sollen von diesen Erfahrungen profitieren.

Volle Konzentration bei den Drittklässlern, gebannt starren die Schüler auf die Tablets, die vor ihnen auf den Tischen liegen. Doch was auf den ersten Blick nach reinem Vergnügen aussieht, ist harte Arbeit: Mit Hilfe eines Lernprogramms üben die Kinder Adjektive für den Aufsatz am nächsten Tag.

Für die Schüler, aber auch für die Grundschullehrer der Hirscheckschule ist das Neuland. Seit diesem Schuljahr ist die Schnaitheimer Schule Referenzschule für digitale Medien für alle Grundschulen im Kreis Heidenheim. In anderen Landkreisen ist das Projekt schon länger etabliert, in Heidenheim wollte diese Aufgabe bisher niemand übernehmen. Auch Rektorin Claudia Zanzinger-Knies musste in ihrem Kollegium erst einmal Überzeugungsarbeit leisten. Dabei ist sie sich sicher: „Die Grundschulen müssen sich dringend auf den Weg in die digitale Zukunft machen.“

Dass sich ihre Schule als Referenzschule beworben habe, bedeute nicht, dass man glaube, anderen etwas beibringen zu können. Vielmehr möchte man alle Unterstützungsmöglichkeiten nutzen, die das Projekt biete. Außer einem Computerraum habe man an der Grundschule bisher keinerlei Ausstattung – so wie es wohl bei den meisten anderen Grundschulen auch sein dürfte. Am Beispiel der Hirscheckschule lasse sich also bestens aufzeigen, wie man klein anfangen könne, auch wenn die technischen Voraussetzungen nicht optimal seien.

Üben mit dem Tablet

Dass die Drittklässler für ihren Aufsatz mit den Tablets üben können, verdanken sie der engen Zusammenarbeit mit dem Kreismedienzentrum, das die Referenzschule nach Kräften unterstützt. Die Tablets samt LTE-Router-Zugang sind eine Leihgabe des Medienzentrums. Ebenso die Bluebots, mit denen die Erstklässler voller Begeisterung zugange sind. Richtig programmiert, finden die blinkenden Mini-Roboter den Weg über das Spielfeld. Dokumentiert wird das Ergebnis ganz klassisch mit Stift und Papier. Genau das ist das Ziel von Schulleiterin Zanzinger-Knies: „Tablets sind nicht alles“, betont sie, Medien sollen den Unterricht ergänzen. Gerade für Kinder, die sich schwertun, könnten die digitalen Möglichkeiten eine gute Motivation sein. Mehr Lust statt Frust sozusagen.

Ein Beispiel: Ein Erstklässler, der nur mit Mühe Ziffern zustande brachte, hat durch das Üben mit dem Tablet schnell Fortschritte gemacht – jetzt klappt es auch auf dem Papier schon prima. Ein wichtiges Ziel sieht Zanzinger-Knies aber auch in der Förderung der Medienkompetenz der Kinder. Sie sollen einen sinnvollen und kritischen Umgang mit Medien lernen: „Das gehört zur Bildung auch schon an der Grundschule dazu.“

Als digitale Referenzschule bekommt die Hirscheckschule Unterstützung vom Schulamt, vom Landes- bzw. Kreismedienzentrum und von der Stadt Heidenheim als Schulträger, allerdings weniger in finanzieller Hinsicht. Immerhin hat sich aber die Stadt bereit erklärt, eigene Tablets für die Schule zu kaufen. Im Zuge des geplanten Umbaus der kommenden Jahre sollen dann weitere technische Voraussetzungen geschaffen werden. Derzeit ist man an der Hirscheckschule noch am Austüfteln, wie sich der Einsatz digitaler Medien im Schulalltag umsetzen lässt. Was ist wirklich sinnvoll, wie nehmen die Schüler es an, führt es zu einer Verbesserung der Leistungen? Einmal wöchentlich findet deshalb nachmittags Projektunterricht statt, wo man Antworten auf diese Fragen finden möchte.

Tipps für andere Schulen

Für die Lehrkräfte bedeutet das deutlichen Mehraufwand, denn alle Erkenntnisse müssen dokumentiert werden, damit in Zukunft auch andere Grundschulen im Kreis von diesen Erfahrungen profitieren. Zugute kommt ihnen, dass etliche Kollegen aus dem Werkrealschulbereich mit dem Einsatz digitaler Medien schon einen Schritt weiter sind und in den Grundschulklassen Unterstützung leisten können. Erste Ergebnisse ihrer Arbeit als Referenzschule für digitale Medien werden die Lehrer der Hirscheck-Grundschule im Mai präsentieren. Geplant sind Workshops und Vorträge, teilweise mit Beteiligung von Referenten des Landesmedien-Zentrums. Aufgezeigt werden dabei Ideen, Erkenntnisse und Tipps für die Einbindung der Leitperspektive Medienbildung des Bildungsplans in den Schulalltag.

Zum Einsatz kommt der Satz Tablets in den dritten und vierten Klassen. Neue Formen des Lernens werden möglich. Doch Stift und Papier werden bleiben.