Heidenheim / Karin Fuchs Am Pfingstsonntag hatte die Südwestdeutsche Verkehrsgesellschaft SWEG Premiere auf der Strecke zwischen Aalen und Ulm über Heidenheim. Wie es gelaufen ist und was die Reisenden zur Umstellung sagen.

Um die Antwort auf die wichtigste Frage gleich zu Beginn zu beantworten: Die Züge waren pünktlich, sieht man von einer Minute hin oder her mal ab. Und das traf sowohl auf die der Bahn-Tochter DB Regio zu, die weiterhin den zweistündigen IRE fährt, als auch auf die SWEG, auf die die Aufmerksamkeit gerichtet war. Denn sie ist erstmals auf der Brenzbahn unterwegs und ist für das Gros der Verbindungen verantwortlich.   „Die Vorbereitung verlief sehr gut und in Abstimmung mit allen Beteiligten, sodass ein erfolgreicher Start gelungen ist“, sagt nach dem ersten Betriebstag der SWEG-Vorstandsvorsitzende Johannes Müller.

Von Volllast weit entfernt

Für den Fahrplanwechsel ist es der perfekte Tag: ein Sonntag, dazu noch ein Feiertag zu Beginn der Pfingstferien. Das heißt für die Brenzbahn: Es geht gemächlich zu. Von Volllast ist der Betrieb weit entfernt. Der Normalbetrieb wird sich erst in zwei Wochen einstellen, wenn die Ferien vorüber sind und Alltag auf der Brenzbahn einkehrt.

Überwiegend Ausflügler unterwegs

Zur Premiere fehlen also Pendler und Schüler. Dafür steigen überwiegend frohgelaunte Ausflügler ein. Nur vereinzelt sind regelmäßige Bahnfahrer unterwegs. Die meisten merken zwar, dass die Züge anders und neu sind. Doch dass sie nicht der Bahn gehören, entgeht vielen. Sie erfahren es vielleicht, wenn sie vom Zugbegleiter eine kleine Aufmerksamkeit erhalten in Form von Gummibärchen und einem Brillenputztuch. Darauf ist das Logo der SWEG abgedruckt und der Hinweis, dass diese im Auftrag von „bwegt“ (steht für Baden-Württemberg) und dem Bahnland Bayern fährt. Die Brenzbahn fährt nämlich auch ein kurzes Stück durch den Freistaat.

Wie gefallen die neuen Züge? Die ersten Reaktionen fallen positiv aus: „Sie fahren leise“, stellt ein Student fest. „Die Gepäckablage ist endlich so groß, dass ein Koffer reinpasst. Und es ist schön hell hier drinnen“, sagt eine junge Frau, die mit ihren Freunden zum Ausgangspunkt einer Wanderung fährt. „Die Ansagen sind lauter, endlich versteht man mal, was der Schaffner sagt“, meint ein weiterer Ausflügler.

Eine Frauenstimme sagt die Stationen an

Was er nicht weiß: Es ist eine Computerstimme. Die scheint am ersten Tag nicht genau zu wissen, wo sich die Ausstiege befinden. Deshalb meldet sie sich vor jeder Station doppelt zu Wort: „Korrektur: Der Ausstieg befindet sich diesmal in Fahrtrichtung rechts.“

Ein junger Mann fährt aus privatem Interesse bei allen neuen Betreibern im Land Probe. Auf der Go-ahead-Strecke über Stuttgart nach Aalen hatte er Verspätung. Auf der Brenzbahn bei der SWEG läuft es seiner Ansicht nach hingegen rund.

Direktverbindung nach Ellwangen? Fehlanzeige

Nicht ganz so zufrieden ist ein älterer Herr aus Ellwangen, der in Heidenheim bei einem Chorauftritt war. Der neue Fahrplan zwingt ihn zum Umsteigen in Aalen. Und das geht gleich mal schief. Sein Zug aus Ellwangen hat Verspätung, sodass er den SWEG-Anschluss in Aalen verpasst. Welcher Betreiber Schuld an der Panne ist, ist ihm egal: „Die Züge sehen alle gleich aus. Für einen Laien ist es nicht nachvollziehbar, wer fährt.“

Erste Reparatur

Der Heidenheimer Betriebsleiter der SWEG ist trotz Feiertag im Einsatz. Je später der Tag, desto mehr fällt die Anspannung ab. „Es läuft“, so sein kurzer Kommentar. Nur ein Fahrzeug habe einen Defekt an der Klimaanlage. Das werde noch nachts nach Gammertingen in die Reparaturwerkstatt geschickt. Ein Ersatzfahrzeug stehe schon bereit.

HZL oder SWEG: Was ist der Unterschied?

Warum steht auf den neuen Zügen der Schriftzug SWEG, im Fahrplan aber werden die Züge als HZL bezeichnet? Das liegt daran, dass beide Unternehmen rückwirkend zum 1. Januar 2018 fusioniert sind. Den Zuschlag für die Brenzbahn hatte vorher noch die HZL bekommen. Neben der Brenzbahn hat die HZL auch die Strecke im Ulmer Stern bis nach Munderkingen übernommen. Zum Fahrplanwechsel im Winter sollen die Zugnummern auf SWEG umgestellt werden.

An der SWEG hat das Land einen Anteil von 95 Prozent und die Landkreise Sigmaringen und Zollernalbkreis jeweils 2,5 Prozent. kf