Heidenheim / Hendrik Rupp Jahresbilanz Oberbürgermeister Bernhard Ilg spricht von einem erfolgreichen Jahr - und warnt davor, sich zurückzulehnen.

Bemerkenswert erfolgreich“ sei das Jahr 2017 für die Kommunalpolitik gelaufen, resümiert Oberbürgermeister Bernhard Ilg – für einen Schwaben ist das fast schon mehr als ein Superlativ.

Und an erster Stelle redet Ilg von der Stadt als „gesellschaftlichem Zentrum“ Ostwürttembergs: Ob bei FCH-Heimspielen oder bei der Oper, im Brenzpark oder nun bei der neuen Bibliothek: Heidenheimer Events sind stetig und über das ganze Jahr verteilt. Die Kanzlerin war da, die Grünen hielten ihren Landesparteitag ab, Voith feierte seinen 150. und 2018 ist Hartmann mit dem 200. dran: „Wir haben das Problem, keine Metropole zu sein“, sagt Ilg: „Darum ist es so wichtig, wenn wir zeigen können, was hier alles läuft“. 2017 habe das prima geklappt.

Aalen und Schwäbisch Gmünd schlafen nicht

So viel Zufriedenheit kann Ilg nicht lange stehen lassen: „Wir dürfen uns dennoch nie zurücklehnen, müssen immer nach neuen Perspektiven Ausschau halten“.

Die Stadtentwicklung sei nie abgeschlossen, man hangele sich von Sanierungsprogramm zu Sanierungsprogramm, nehme dem Staat batzenweise Geld ab. Doch andere Städte machten eben auch keine Pause: „In Aalen passiert auch viel, in Gmünd auch, wir werden kontinuierlich dran bleiben müssen“.

Und Pläne gibt es weiterhin in Massen: Der Innenstadttunnel ist aus dem Bereich der Utopie auf das Gleis realer Vorhaben gesetzt. „Ich denke, in einer Dekade können wir da zu Konkretem kommen“, so Ilg. So lange soll es im Haintal nicht dauern, wo die Stadt mehr als 100 Wohnungen und auch neue Wohnformen schaffen will. Ilg macht klar: „Das kann nur erfolgreich sein, wenn es allen passt, also den Bewohnern ebenso wie den heutigen Anwohnern“.

Auch Migranten nehmen Förderung an

Und dass Bürger nicht nur Kritik üben, sondern auch mitziehen können, erlebt die Stadt im Sanierungsgebiet Oststadt. Besonders bemerkenswert für den OB: „Vor 30 Jahren erreichte man mit Förderungen für private Hauseigentümer meist nur Alteingesessene. Heute ist das auch bei vielen Migranten selbstverständlich geworden, das anzunehmen“.

Teuer sind die Pläne für die Mergelstetter Kläranlage, doch der OB will aus der Not eine Tugend machen: „Wenn wir dort schon umbauen müssen, wollen wir es nachhaltig tun und auch für eine neue Energiegewinnung sorgen“. Und für mehr Umweltschutz: „Die Brenz ist uns wichtig“, so Ilg: Man könne den Fluss nicht in der Stadt erlebbar machen und ihn gleichzeitig stärker belasten als unbedingt nötig.

30 Millionen Euro müsse das wert sein – zumal Ilg in Relation zum Aufwand erstaunlichere Kosten kennt: „Beim Fußgängersteg in Schnaitheim müssen wir aufpassen, dass er am Ende nicht ähnlich teuer wird“, scherzt er.

Grundstücke nicht dem Zufall überlassen

Immer wieder ist in Heidenheim das Rathaus gefragt, weil es der Markt alleine nicht richtet. Nur ein Beispiel ist das Gummi-Becker-Areal, das die Stadt am 19. Dezember erworben hat. „Es gab dort nicht genug Eigendynamik in der Entwicklung“, so der OB. Und wie schon bei Ploucquet war das Gelände der Stadt dann doch zu zentral und wichtig.

„Wir wollen da nichts dem Zufall überlassen“, sagt Ilg und deutet an, dass man einmal mehr Ramschnutzungen wie Spielhallen und Schnäppchenmärkte vermeiden wollte. „Wir können jetzt in Ruhe überlegen, was wir dort machen“. Dabei könne man auch berücksichtigen, was zur Zeit im Trend liege. Prinzipiell gibt es wenig, was sich der Oberbürgermeister an Chancen für das Areal nicht vorstellen könnte.

Über die Tochter Stadtwerke kehrt die Stadt auch in den Wohnungsbau zurück. „Das war keine Entscheidung auf die Schnelle“, so Ilg – aber auf dem Schlachthofgelände in der Oststadt werde man ausprobieren können, wie gut der neue Geschäftszweig funktioniert – und auch dort zu neuen Wegen des Zusammenlebens in der Stadt der Zukunft finden

Denn die Gesellschaft verändere sich immer weiter, und Städte müssten mitziehen, so Ilg. Ausdrücklich begrüßt er die Planungen für ein Heidenheimer Hospiz, ausdrücklich freut er sich über die Auszeichnung der Projekte zur „Caring Community“: „In Großkuchen haben den Zustand, dass einer nach dem anderen sieht, so wollen wir das auch in den Stadtquartieren ausbauen“, sagt Ilg.

Und dabei sei immer mehr Flexibilität gefordert, wie die Lernkurve in der Weststadt zeige: „Vor sechs Jahren wollten wir dort die Rauhbuchschule schließen, weil es keine Kinder mehr gab, jetzt müssen wir dort in Erweiterungen investieren“.

Planungen: Oft läuft’s dann anders

Ilgs Fazit zu Statistiken und Prognosen: „Manchmal kann man planen, wie man will, am Ende kommt es doch anders“. Das kann den OB aber auch freuen, dem die Statistiken vor Jahren vorhergesagt hatten, er werde in Zukunft eine Stadt mit nur noch 40 000 Einwohnern regieren. Tatsächlich sind es nun wieder 50 000, was aber auch mit Flucht und Zuwanderung zu tun hat.

Zuwanderung von Fachkräften bleibe eine Aufgabe für alle, so der OB, der einmal mehr betont, dass auch hier Bildung und Betreuung ein wichtiger Faktor sei. Wenn man in Heidenheim einen guten und bezahlbaren Kitaplatz bekomme, in München aber nicht, sei das zumindest hilfreich, wenn örtliche Firmen begehrte Arbeitskräfte anlocken wollten.

Gemeinsam mit den Firmenschaffe die Stadt viel, das habe sich auch bei der Spende von Voith und anderen Unternehmen für den weiteren Ausbau der Dualen Hochschule gezeigt. Freilich lässt der OB durchblicken, wie groß seine Ungeduld ist.

Und Ilg will nicht nur einen zweiten Neubau, sondern einen Hochschulcampus auf dem WCM-Areal. „Darum macht dort eine Mensa Sinn, darum wollen wir einen Digital Hub und Platz für Forschung und Betriebe schaffen“. Einmal mehr: „Heidenheim ist keine Uni-Stadt, aber deswegen dürfen wir trotzdem nicht klein beigeben!“.

Digitalisierung? Für die Stadt ist das zurzeit auch intern ein Thema. Für die Stadträte gibt es längst Tablets statt Aktenstapel, nun geht es um eine Digitalisierung der Verwaltung auch gegenüber dem Bürger. Eine Riesenaufgabe, doch auch die werde die Verwaltung schaffen, auf die der OB stolz ist: „Wir haben eine tolle Mannschaft, die bewundernswertes leistet“, so Ilg.

Lob an das Rathaus-Team

Nur ein Beispiel sei die Leidenschaft für die Bibliothek gewesen: „Da haben wir vom Stararchitekten bis zum inklusiven Café alles richtig gemacht“, sagt Ilg. Und das sei dann eben auch kein Glück, sondern Leistung – ebenso wie beim Cross-Border-Deal. Dass die Stadt das umstrittene Leasinggeschäft sogar mit einem kleinen Gewinn abgeschlossen habe, sei der Beweis, auch wenn die HZ den Handel immer wieder kritisch hinterfragt habe.

Noch nicht mit erfolgreicher Leistung abgeschlossen ist die Veräußerung der Voith-Arena an den 1. FC Heidenheim. „Wir bleiben da aber dran“, versichert Ilg: „Es bleibt dabei, dass die Stadt keinen Bundesligafußball zu finanzieren hat“. Und wie geht es weiter? „Wenn das Modell ,Ich schenk' Dir was‘ nicht funktioniert hat, dann gibt es eben einen Kaufpreis“ , so Ilg. Der werde zurzeit gesucht und erörtert.

Auch 2018 wird in Stadtpolitik also alles andere als langweilig.