Heidenheim / Ein neues Bühnenbild zu bauen, das steht in jedem Jahr im Naturtheater an. Schließlich fordern die Inszenierungen stets andere Kulissen. In diesem Jahr aber hat sich der Bühnenbau gar zur Großbaustelle entwickelt, und das aus mehreren Gründen.

Zum einen plante der Verein schon seit langem, den Bühnenbau dadurch zu erleichtern, dass ein festes Bühnenbild installiert wird. Und zum anderen war es ein lang gehegter Wunsch, die Fläche ein wenig höher anzulegen, damit die Vorbühne nicht zu viel an Sicht für die Zuschauer nehme. Ja, und die Vorbühne selbst, die schwächelte schließlich auch: Ihre Bretter, die die Welt bedeuten, waren morsch geworden, sodass allzu kühne Sprünge auf ihr schon im letzten Jahr nicht mehr gewagt werden konnten. Und so kam es, dass in diesem Jahr im Grunde gleich vier Baustellen auf einmal auf der Schlossbergbühne anzutreffen waren.

Einmal wurden die Stahlträger installiert, die künftig als festes Bühnenbild genutzt werden können. Damit muss nun nicht mehr jedes Bühnenbild von Grund auf unter Einsatz von Kraft, Schweiß und vor allem Zeit der vielen ehrenamtlichen Helfer gebaut werden. Der Stahlträgerbau wird damit in jeder Kulisse ein Element sein, das parat steht und nicht mehr angefertigt werden muss. Also immer der gleiche Bau, egal welches Stück? Mitnichten.

Fester Bau soll sich flexibel anpassen

Die Verantwortlichen im Naturtheater haben natürlich großen Wert darauf gelegt, dass dieser feste Bau äußerst flexibel bleibt und sich den jeweiligen Stücken anpassen lässt. So wird er heuer als Kohlhiesel-Wirtschaft fungieren und gleichzeitig Nottingham Castle sein – und wenn das möglich ist, was ja schon nach der Quadratur des Kreises klingt, dann werden auch viele andere Kombinationsmöglichkeiten gegeben sein. Ein Plus für jede Inszenierung bietet dieser feste Bau obendrein: Denn in ihm ist Platz für eine kleine Filiale der Maske, für Kostüme und Requisiten, sodass Spieler noch schneller hierauf zugreifen und sogar Umzüge auf der Bühne stattfinden können, ohne dass dies für das Zuschauerauge sichtbar wird. Und ohne dass es hineinregnet, versteht sich.

Noch bevor die Stahlträger Einzug hielten, hieß es Abschied nehmen von der Vorbühne, die, im Jahr 2005 erbaut, gleich nach Ende der vergangenen Saison abgerissen wurde. Noch zeigt sich das Areal vorbühnenlos, aber das wird sich in den nächsten Wochen ändern. Denn natürlich wollte man im Verein nicht auf diese sehr begehrte, sehr gut einsehbare Spielfläche verzichten.

Alle Wege führen auf die Vorbühne

Die neue Vorbühne wird auch nicht so schnell morsch werden: Zwar zeigt auch sie sich in Holzoptik, besteht aber aus wetterbeständigem Aluminium und wird damit um einiges robuster sein. Und wandlungsfähiger obendrein, besteht sie doch aus einzelnen Elementen, die verschiedene Einsatzmöglichkeiten bieten – alles eigens für das Naturtheater angefertigt. Ein Vorteil ist dabei auch, dass künftig alle Wege auf die Vorbühne führen werden und nicht nur zwei Seitenaufgänge wie bisher. Und dass der Aufgang nicht mehr so steil ist wie bisher, dafür sorgt die Anhebung der Grundfläche der Bühne, die im Zuge dieser Arbeiten gleich mitaufgeschüttet wurde. Dafür musste denn auch leider der eine oder andere Busch weichen, aber das Gebüsch wird wie auch die Grasfläche neu angepflanzt werden.

Die Baustellen bedeuten aber nicht nur einen erhöhten Arbeitsaufwand, sondern auch erhebliche Kosten: „Insgesamt fallen rund 160 000 Euro an“, so Vorsitzende Helga Banz, „wir sind froh, dass knapp die Hälfte davon die städtische Naturtheatergrundstücksverwaltungs GmbH übernimmt und dass unser Vorverkauf so hervorragend läuft. Das wird uns helfen, diesen Posten zu stemmen.“

Bis zu den beiden Premieren jedenfalls („Robin Hood“ am 9. Juni, „Kohlhiesels Töchter“ am 14. Juni) wird die Großbaustelle wieder gewichen sein und wie eh und je ein imponierendes Bühnenbild die Inszenierungen unterstreichen – auch wenn der lange Winter und der viele Schnee die Baustellenarbeit nicht so zügig fortschreiten ließen, wie man sich dies im Naturtheater gewünscht hätte. Am Tag der offenen Tür am Sonntag, 12. Mai, werden die Besucher daher noch einige Anzeichen vorfinden, die die Großbaustelle noch erkennen lassen. Ach, und wer nun mitgezählt hat, mag sich fragen „Und die vierte Baustelle?“ Ja, das ist diejenige, die immer da sein wird: der Bau an den Kulissen für die Sommerspielzeit. Wie in jedem Jahr. Marita Kasischke