Viele Mieter werden diese in der Konzernzentrale formulierte Absichtserklärung wohlwollend zur Kenntnis nehmen, zumal die jüngste Nachricht aus der großen Finanzwelt gerade in der Mieterschaft ein Fragezeichen aufgeworfen hat: Wie wirkt sich der Ausstieg des US-Investors Fortress aus, der in der vergangenen Woche sein komplettes Gagfah-Aktienpaket auf den Markt geworfen hat?

Eine unmissverständliche Antwort kommt von der Gagfah Group selbst, die auf Anfrage unserer Zeitung klar und deutlich Entwarnung gibt. Dass die von Kritikern oft als Heuschrecke bezeichnete Investmentgruppe abgezogen ist, hat nach Angaben der in Mülheim an der Ruhr beheimateten Unternehmenskommunikation keine negativen Auswirkungen auf die Mieter. Die Gagfah sei jetzt im Besitz zahlreicher langfristiger Investoren und werde ihre wohnungswirtschaftliche nachhaltige Strategie fortsetzen.

Dazu gehört ein Investitionsprogramm, das derzeit für den gesamten Gagfah-Bestand erarbeitet wird, der sich in ganz Deutschland auf rund 145 000 Wohnungen beläuft. „Heidenheim wird dabei berücksichtigt,“ heißt es in der Konzernzentrale, wo man derzeit noch keine Details über den Umfang und die künftigen Schauplätze anstehender Modernisierungen zu sagen weiß. Orientiert man sich an gewohnten Größenordnungen, darf Heidenheim mit durchaus größeren Summen rechnen, denn 2013 steckte die Gagfah immerhin sieben Million Euro in die Instandhaltung, Sanierung und Umstrukturierung ihrer Wohnungen: Aktuell sind's rund 4000 an der Zahl, seit die Gagfah Ende 2012 auf dem Zanger Berg mit 576 Einheiten einen Großteil ihres dortigen Wohnungsbestandes an die Immobilien-Handelsgesellschaft Immovation AG verkauft hat.

Nicht alle der bei der Gagfah verbliebenen Wohnungen sind auch vermietet. Derzeit sind etwa 7,2 Prozent aller in Heidenheim von dem Konzern bewirtschafteten Wohnungen ungenutzt. Diese Leerstandsquote war in der Vergangenheit schon deutlich höher: 2009 bei 12,4 Prozent und 2011 bei 13,4 Prozent. Selbst die Gemeinnützige Baugesellschaft Heidenheim (GBH), deren Wohnungen 2006 von der Gagfah übernommen worden waren, hatte im letzten Jahr ihres Bestehens einen bei 7,1 Prozent angesiedelten Leerstand ausgewiesen. Zum Vergleich: Die als reichweitenstark geltende Immobilien-Plattform Immonet geht – Stand 2014 – davon aus, dass der Mietwohnungs-Leerstand im gesamten Kreis Heidenheim bei 5,2 Prozent und damit etwas über dem Landesdurchschnitt liegt.

Zur generell langfristig angelegten Bestandhaltungs- und Vermietungsstrategie der Gagfah gehört es weiterhin, Wohnungen – „wenn wir es also ökonomisch sinnvoll erachten“ – an Kapitalanleger und Investoren zu verkaufen. Mit diesem auch für Heidenheim geltenden Grundatz verfolgt die Gagfah das Ziel, ihr Portfolio und ihre Kapitalstruktur zu optimieren. In welchem Ausmaß vor Ort mit solchen Verkäufen zu rechnen ist, wird nicht genannt.

Bei Mieterhöhungen orientiert sich die Gagfah nach eigenen Angaben an den gesetzlichen Bestimmungen. Insofern ist bei der künftigen Mietpreisentwicklung kein Zusammenhang mit dem Fortress-Ausstieg zu sehen.

Für einen Langzeitvergleich hat der Konzern eine Bestandsliste aus dem Jahre 2007 als Ausgangspunkt genommen: Damals hatte man in Heidenheim über 4200 Wohnungen mit einer gewichteten Durchschnittsmiete von 5,10 Euro pro Quadratmeter. Aktuell werden in Heidenheim von der Gagfah 4000 Wohneinheiten mit einer Durschnittsmiete von 5,63 Euro bewirtschaftet. „Demnach hat sich die Miete in siebeneinhalb Jahren um gerade mal 10,4 Prozent erhöht,“ stellt die Gagfah fest.

Horst Mack zum Abschied von Fortress: Nach den Heuschrecken die Aasgeier?

„Gagfah steht jetzt auf eigenen Beinen, mit einer klaren Strategie,“ kommentiert ein Gagfah-Sprecher den Ausstieg des US-Investors Fortress, der sich ansehnliche Dividenden genehmigt und damit Kritiker gegen sich aufgebracht hatte.

Dazu zählt in Heidenheim auch der Linken-Stadtrat Horst Mack. „Fortress hat seinen goldenen Schnitt mit den ehemals öffentlichen Wohnungsbeständen gemacht,“ kommentiert er jetzt in einer Pressemitteilung: „Nachdem diese Kuh kräftig gemolken wurde, steigt der Finanzinvestor nun aus.“

Mit diesem Schritt wird nach Einschätzung Macks ein riesiges Aktienpaket zum Spielball an der Börse. Die daraus resultierenden Folgen für die Gagfah-Wohnungsbestände seien überhaupt noch nicht absehbar. Das Fazit Horst Macks, der auch als Anwalt für den Mieterverein tätig ist: „Die Heuschrecken ziehen ab, sie überlassen das Gelände den Aasgeiern.“