Heidenheim / Lena Rehm Helga Herrmann hatte vor über 30 Jahren die ersten Symptome. 14 Jahre später dann die Diagnose MS. Wie sie sich selbst aus dieser Situation geholfen hat:

Die Heidenheimerin Helga Herrmann hat im Oktober ihr Buch „Plötzlich schwankte der Boden“ veröffentlicht. Genau so hat alles begonnen. Ein Titel, der an die ersten Symptome vor mehr als 30 Jahren erinnert. Es dauerte weitere 14 Jahre, bis die Ärzte Herrmann die Diagnose Multiple Sklerose stellten.

In ihrem Buch beschreibt sie ihren Weg, mit dieser Krankheit fertig zu werden. Für sie war klar, ein Leben im Rollstuhl sitzend zu verbringen und täglich Medikamente einzunehmen, käme für sie nicht infrage. Sie suchte einen alternativen Weg. Gefunden hat sie diesen unter anderem im Erdheilfasten, durch Ernährungsumstellung und regelmäßigen Sport.

Möglichst viele erreichen

Für sie spielt auch die „Selbstheilung“ eine große Rolle – wohl wissend, dass die Krankheit unheilbar ist. „Ich freue mich einfach riesig, dass ich wieder so fit bin.“ Mit ihrem Buch möchte sie möglichst viele Menschen erreichen, damit diese sich mit dem darin beschriebenen Wissen selbst helfen können. „Man kann niemanden heilen. Man kann sich nur selbst heilen“, sagt sie.

Für Herrmann ist Wissen Macht. Das Wissen, das sie sich selbst in den vergangenen 30 Jahren im Zuge ihrer Krankheit angeeignet hat, will sie mit diesem Buch weitergeben. „Dieses Wissen ist viel zu wertvoll, um nicht weitergegeben zu werden.“ Die Leser sollen sich das herausnehmen, was für sie hilfreich ist, sagt Herrmann. „Sie können selbst entscheiden, diesen Weg zu gehen.“ Ansprechen möchte sie mit dem Buch jedoch nicht nur MS-Patienten, sondern jeden. Alles in allem hat es drei Jahre gedauert, bis das Buch erschienen ist. Davon schrieb sie ein Jahr, überarbeitete es ein weiteres Jahr und war dann ein Jahr auf der Suche nach einem Verlag, der es veröffentlicht.

Die Krankengeschichte der heute 63-Jährigen wird im Buch umrahmt von kleinen Geschichten aus ihrem Leben, die nichts mit der Krankheit an sich zu tun haben. „Die Menschen möchten unterhalten werden“, sagt Herrmann. Sie erzählt sehr lebensnah und möchte damit den Lesern etwas von sich preisgeben. Sie möchte zeigen, dass sie ein ganz normaler Mensch ist. Gerade bereitet sie sich auf Lesungen vor, die sie im kommenden Jahr halten möchte. Erschienen ist ihr Buch beim Roh-Ark-Verlag.

Über die Krankheit

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die das Gehirn und Rückenmark betrifft und meist im Erwachsenenalter beginnt.

Die Ursachen sind trotz intensiver Forschung noch nicht genau bekannt. Bei MS entstehen in der weißen Substanz von Gehirn und Rückenmark verstreut viele, also multiple, entzündliche Entmarkungsherde. Diese Entmarkungsherde können im gesamten ZNS auftreten und dadurch fast jedes neurologische Symptom hervorrufen.

Der Verlauf von MS ist von Patient zu Patient verschieden. Daher wird sie auch „die Krankheit mit den vielen Gesichtern“ genannt. Sie tritt in sogenannten Schüben auf, das heißt es entwickeln sich episodische Krankheitssymptome, die sich nach einem gewissen Zeitraum wieder ganz oder teilweise zurückbilden.

Die Symptome können beispielsweise Muskelschwäche oder Lähmungen, eine Minderung der Sehschärfe, krampfhafte Erhöhung der Muskelspannung sowie Gefühlsstörungen oder Missempfindungen sein. lr