Heidenheim / Andreas Uitz In zwei Bauabschnitten sind im Neubaugebiet zwischen Brenzpark und Schnaitheim 57 Bauplätze entstanden. Nach mehr als 15 Jahren wurden jetzt die beiden letzten Grundstücke verkauft.

Weit reicht die Geschichte des Neubaugebiets Fürsamen zurück, und damit ist die jüngere Geschichte gemeint. So weit, dass schon beinahe nicht mehr von einem Neubaugebiet gesprochen werden kann. Mit dem Verkauf der letzten beiden verfügbaren Bauplätze, den der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag beschließen soll, wird dieses Kapitel dann geschlossen – bis auf Weiteres. Im Laufe der Jahre sind Fürsamen 57 Bauplätze entstanden.

„Eine Wiese wird zum Baugebiet“ betitelte die HZ im Juli 2002 einen Artikel über die beginnenden Erschließungsarbeiten in diesem Bereich. Die Pläne, südlich von Schnaitheim ein Baugebiet auszuweisen, reichen jedoch noch bis in die Ära von OB Martin Hornung zurück. Der erste Bebauungsplan datiert aus dem Jahr 1996, doch 2000 wurde er verändert, um ihn an die Landesgartenschau anzupassen, die 2006 in Heidenheim stattfinden sollte.

Ökologische Modellsiedlung

2001 hatte der Gemeinderat beschlossen, dass auf dem ursprünglich mit rund 13,5 Hektar vorgesehenen Areal eine Wohnsiedlung mit Modellcharakter entstehen soll, die in erster Linie in Sachen ökologisches Bauen Vorbildfunktion hat. Um diese Planung umzusetzen, wurde ein europaweiter Investorenwettbewerb ausgeschrieben. Die bis zu vier Gewinner des Planungswettbewerbs sollten das Areal auch gleich bebauen. Im Mai 2002 wurde dann nur ein Gewinner gekürt: ein Konstanzer Architekturbüro, das im Fürsamen eine Holzbau-Siedlung mit 50 Häusern vorgeschlagen hatte. Schon im Frühjahr 2003 sollte mit dem Bau begonnen werden.

Doch daraus wurde zunächst nichts. Denn das Interesse an den Gebäuden, die hier zwingend vorgeschrieben waren, hielt sich in Grenzen. Potenzielle Bauherren, so schien es, wollten wohl eher selbst entscheiden, wie ihr Haus aussehen soll und nicht Wohnraum von der Stange kaufen. Und so kam es, wie es kommen musste: Im Januar 2004 kippte der Gemeinderat das Konzept mitsamt seinen strengen Vorgaben und stimmte dem freien Verkauf der Bauplätze zu.

Plötzlich großes Interesse

Und siehe da: Plötzlich herrschte ein großes Interesse an den Bauplätzen, im Bebauungsplan waren sowohl Einzel- als auch Doppel- und Reihenhäuser, aber auch Mehrfamilienhäuser vorgesehen. Die Grundstücke jedenfalls gingen weg wie warme Semmeln, die Bautätigkeit setzte recht schnell ein. So beschloss der Gemeinderat schon 2006, dass der zweite Abschnitt des Neubaugebiets erschlossen werden soll. Zu dieser Zeit hatte der Gewinner des Wettbewerbs noch immer die Option, im ersten Abschnitt fünf Häuser bauen zu dürfen – aus Lehm und Holz. Doch das finanzielle Risiko, Abnehmer dafür zu finden war wohl doch zu groß – und so verfiel dieses Recht.

Obwohl der Mangel an Bauplätzen schon damals, vor zwölf Jahren, in der Stadt groß war, zog sich der Beginn der Erschließung für „Fürsamen II“ hin. Einerseits lag das an den notwendigen archäologischen Untersuchungen des geschichtsträchtigen Bodens. Dem Beschluss des Gemeinderats, das Areal zu erschließen, folgte zunächst jahrelanger Stillstand. Ein Stillstand, den damals niemand so richtig erklären konnte, denn die Archäologen waren im Bereich der Erschließungsstraßen schon 2009 mit der Untersuchung fertig.

Archäologen gruben Jahre

2013 war dann die erste Straße im zweiten Bauabschnitt fertiggestellt, neben den Straßenbauern waren aber auch noch die Archäologen vor Ort – um ein künftiges Baugrundstück nach dem anderen zu untersuchen. Kaum waren sie mit einem Areal fertig, ging es auch schon in die Vermarktung und wurde verkauft. Während also an einer Stelle noch mit Schäufelchen und Pinsel nach den Spuren der Heidenheimer Siedlungsgeschichte, nach Lehmgruben und Pfostenhäusern, gegraben wurde, entstanden wenige Meter weiter die Bauwerke der Moderne. Im vergangenen Jahr waren dann die Untersuchungen fürs gesamte Neubaugebiet abgeschlossen, die Archäologen zogen ab und die Bauarbeiter nach.

Stimmt der Gemeinderat in seiner morgigen Sitzung dem Verkauf zweier Grundstücke zu, sind alle Bauplätze verkauft – ein letzter ist reserviert. Verkauft wurden die Grundstücke zu Quadratmeterpreisen zwischen 135 und 200 Euro.

Fünf Hektar Ackerfläche

Doch was ist mit dem Gelände, das nördlich, in Richtung Schnaitheim, ans Wohngebiet anschließt? Das befindet sich nach Auskunft des städtischen Pressesprechers Wolfgang Heinecker in Privateigentum. Ganz zu Beginn der Fürsamen-Planung waren drei Bauabschnitte vorgesehen gewesen – doch aus dem dritten wird deshalb wohl vorerst nichts werden.

Der Bebauungsplan reicht bis ans südliche Ortsende Schnaitheims, das sogenannte Gebiet Baindt. Insgesamt umfasst er 13,5 Hektar inklusive der Grünflächen, Straßen und der Brenz. Von dieser Fläche sind bisher 8,5 Hektar verbraucht werden. Ob auch die restlichen fünf Hektar Bauland werden oder weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden, ist offen.

7000 Jahre Siedlungsgeschichte

Im heutigen Fürsamen zwischen Brenzpark und Schnaitheim fanden jahrelange großflächige archäologische Untersuchungen statt. Es handelte sich um die größte frühalamannische Siedlungsgrabung in ganz Deutschland.

Schon weit vor der alamannischen Zeit war der Fürsamen als Wohngebiet beliebt. Die frühesten Siedlungsspuren stammen aus der Zeit der Bandkeramik (etwa 5000 v. Chr.) und sind damit jungsteinzeitlich. Darüber hinaus wurden auch Scherben und Siedlungsstrukturen der Urnenfelderkultur (1000 bis 800 v.Chr.), der Hallstattzeit (750 bis 600 v. Chr.) und der späten La-Tène-Zeit (120 bis 50 v. Chr.) nachgewiesen. Die erstmals 2016 entdeckten bronzezeitlichen Funde (1000 v. Chr.) schließen eine weitere Lücke.

Außerdem haben die archäologischen Grabungen der vergangenen Jahre ergeben, dass auch die Römer Mitte des 2. bis Mitte des 3. Jahrhunderts im Fürsamen siedelten und hier zumindest einen Gutshof für das nahe Reiterkastell unterhalten haben.

Nach den Römern (Ende des 3. bis Ende des 4. Jahrhunderts) kamen die Alamannen in den Fürsamen, der, so die Erkenntnisse, auch nach deren Abzug bis ins frühe Mittelalter besiedelt blieb.