Fünf Fachkräfte sucht das Katholische Verwaltungszentrum Heidenheim derzeit für Kindertagesstätten. Darunter sind auch zwei Stellen in Bolheim ausgeschrieben. War das Gewinnen von Erzieherinnen und Erziehern auch bislang „generell“ keine leichte Aufgabe, so tun sich Arbeitgeber seit ein, zwei Jahren besonders schwer. Das ist jedenfalls die Erfahrung von Gabriele Blomeier, der Kindergartenbeauftragten des Katholischen Verwaltungszentrums. Ganz eng werde es bei bei der Suche nach Fachkräften für zeitlich befristete Stellen und Teilzeitstellen.

An der Ausbildung von Fachkräften kann es nicht liegen. Denn die Bewerberlage, so die Auskunft der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Herbrechtingen sei „erfreulicherweise“ sehr gut und dies schon seit Jahren.

65 neue Schüler am Start

Zum Schulstart im September sind dort 65 neue Schüler am Start. 29 Schülerinnen und Schüler haben sich für die klassische Ausbildung über vier Jahre entschieden und sich für das Berufskolleg angemeldet. 28 haben die Pia-Ausbildung gewählt, die seit 2013 an der Fachschule möglich ist. Bei dieser praxisorientierten Ausbildung schließen die angehenden Erziehungsfachkräfte mit einer Kindertageseinrichtung einen Ausbildungsvertrag. In dieser lernen und arbeiten sie. Die Fachschule in Herbrechtingen vermittelt den Pia-Schülern dabei das nötige theoretische Grundgerüst. Im Gegensatz zur klassischen Ausbildung erhalten die Pia-Schüler eine Ausbildungsvergütung.

Pia soll Quereinsteiger bringen

Mit der Pia-Ausbildung wollte und will man im besonderen Quereinsteiger ansprechen. Und so bringen diese zumeist älteren Pia-Schüler ganz unterschiedliche Erfahrungen aus Berufsausbildungen, Studiengängen oder auch Familienzeiten in die Ausbildung ein. Acht solcher Quereinsteiger beginnen im September auch im Unterkurs der klassischen Ausbildung.

Vergleich unter den Standorten

Die Evangelische Fachschule hat mit Herbrechtingen, Reutlingen, Schwäbisch Hall und Stuttgart vier Standorte in Württemberg. Entsprechend kann Christine Haag-Merz, die dort für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, gut vergleichen. Bei der Bewerberlage seien keine Unterschiede zwischen städtischem und ländlichem Raum zu erkennen. Pia stoße überall auf große Nachfrage, für die klassische Ausbildung ließen an den anderen Standorten die Bewerberzahlen etwas nach. Dies führe aber nur zu weniger Auswahl für die Auswahlgremien.

Im ländlichen Raum, so der Eindruck von Haag-Merz, scheine für die Pia-Ausbildung die Koordination von Praxisstelle und Schulplatz besser zu funktionieren.

Viele Altersgruppen unter den Schülern

An der Herbrechtinger Fachschule gibt es Studierende in fast allen Altersgruppen. Die beiden jüngsten Schülerinnen im Pia-Kurs sind 17 und 18 Jahre alt, die ältesten 39, 43 und 51 Jahre.

Der Einstieg in die klassische Ausbildung erfolgt nach dem Realschulabschluss. Die Schüler sind also in der Regel jünger und in diesem Jahrgang zwischen 16 und 23 Jahre alt.

Seit Herbst 2019 gibt es auch an der Maria-von-Linden-Schule eine Fachschule für Sozialpädagogik. Diese bildet über drei Jahre nach dem Pia-Modell aus. Mit neun Schülern ist die Schule gestartet, zehn sind nun für den zweiten Jahrgang angemeldet.

Zuerst Bedenken wegen einer Konkurrenz

Vor Jahren hatte man noch seitens der Fachschule in Herbrechtingen Bedenken wegen einer möglichen Konkurrenz angemeldet. Die damalige Schulleiterin Beate Sorg-Pleitner befürchtete, dass die anfangs spärlich gemeldeten Ausbildungsstellen in den Kitas für zwei Schulen nicht ausreichen würden. 2013 hatte der Kreistag aus Rücksichtnahme auf die Herbrechtinger Einrichtung den Beschluss zum eigenen Einstieg in die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern nochmals ruhen lassen.

Heute haben sich diese Sorgen zerstreut. Zuletzt hatte Sorg-Pleitner die zweite Ausbildungsstätte im Landkreis begrüßt.

Boom nach Lohnerhöhung

2019 war die Herbrechtinger Schule sogar mit 95 neuen Schülern gestartet. Diesen Boom, eine Verdopplung der Schülerzahl im Vergleich zu 2014 führte Sorg-Pleitner auf die deutlich verbesserte Bezahlung der staatlich anerkannten Erzieherinnen und Erzieher zurück.

Mehr Männer


Der Anteil der Männer, die im Erzieherberuf arbeiten wollen, ist über alle Standorte der Evangelischen Fachschule seit Jahren steigend. 2008 lag er bei acht Prozent, 2020 bei 15 Prozent. Mit nur zwei Männern sind die neuen Kurse in Herbrechtingen eher untypisch. Generell ist der Männeranteil in den Pia-Kursen eher höher.