Heidenheim / Andreas Uitz Die Zeiten, in denen Heidenheim in beinahe schwindelerregender Geschwindigkeit an den anderen Städten der Region vorbeigezogen ist, sie sind vorbei. Ein Kommentar zur Situation der Innenstadt.

Ein eher tristes Dasein fristete die Stadt in den 1980er und 90er Jahren. Viele Leerstände, in der Innenstadt, ein unattraktives Erscheinungsbild, kaum nennenswerte größere Geschäfte, für die es sich lohnte, auch von außerhalb nach Heidenheim zu kommen.

Dann kamen die Landesgartenschau und die Schloss-Arkaden, der Umbau der Innenstadt setzte ein, der Eugen-Jaekle-Platz wurde neu gestaltet, der Schlossberg neu bebaut und die Zeichen standen auf Aufbruch. Die unscheinbare, graue Maus Heidenheim erwachte aus ihrem Schlaf und entwickelte sich zu einem strahlenden Anziehungspunkt für die Region. Davon, dass viele Menschen aus Aalen, Schwäbisch Gmünd und anderen Städten nach Heidenheim kamen, profitierte die ganze Stadt: der Handel, die Einwohner, die Gastronomie.

Doch dass der damalige Schwung nicht für immer anhalten würde, müsste klar gewesen sein. Erst verlangsamt sich die Dynamik, dann kehrt langsam Stillstand ein. Eh man sich versieht und sich noch am Zurückliegenden erfreut und ob des Erreichten gegenseitig auf die Schulter klopft, wird man überholt. Von rechts und von links. Was folgt, ist der Zustand des Leugnens, denn die Wahrheit zu erkennen und auszusprechen kann schmerzvoll sein.

Doch genau an diesem Punkt befindet sich Heidenheim gerade: Von Handel und Verwaltung wird nicht mehr verleugnet, dass die Situation in der Innenstadt unbefriedigend ist: Kaum Aufenthaltsqualität, kaum Attraktivität in der Fußgängerzone, Shopping-Touristen sind von der Bildfläche verschwunden. Hinzu kommt noch, dass attraktive Veranstaltungen wie das Wirtefest nicht mehr stattfinden, es um die Vielfalt einer ansprechenden Gastronomie in der Fußgängerzone nicht zum Besten bestellt ist: Optiker-Filialen und Handyläden statt einer interessanten Kneipenszene.

Wenn sich jetzt Politik, Verwaltung und Handel entschlossen haben, zu handeln und zu versuchen, der Agonie ein Ende zu bereiten, könnte das ein Zeichen sein. Ein Zeichen für einen erneuten Aufbruchversuch. Dass Stadt und HDH dabei auch auf externe Hilfe setzen während die SPD Ideen von Bürgern sammeln will, macht deutlich, dass auf breiter Basis ein erkennbarer Wille zur Veränderung da ist – und das muss begrüßt werden. Wenn es gelingt, diesen vielleicht neu aufgekommenen Schwung mitzunehmen und fortzuführen, die Menschen dafür zu begeistern und engagiert zu handeln, ist es nicht zu spät.