Heidenheim / Michael Brendel Ein Kommentar von Michael Brendel zur Eröffnung des ersten Hospizes in Heidenheim.

Saubere Straßen, moderne Schulen, gepflegte Sportanlagen - Kommunen schmücken sich mit allerlei plakativen Standortfaktoren, wenn es darum geht, Einwohner zu gewinnen oder Unternehmen anzulocken. Museen, Cafés und Bibliotheken machen sich ja auch unbestritten gut in einer jeden Imagebroschüre.

Ein Hinweis fehlt aber in den allermeisten Fällen, wenn die Werbetrommel in eigener Sache gerührt werden soll: der auf ein Hospiz. Es ist ein Spiegel unseres ureigenen Verhaltens. Niemand reißt sich nun einmal darum, andere Menschen ihre Lebenskraft verlieren zu sehen.

Abschiednehmen tut weh. Mehr noch, wenn es gar mit dem Tod verbunden ist, also endgültig und unumkehrbar. Diese Haltung ist nachvollziehbar und Beleg dafür, dass es sich nach wie vor um ein Tabuthema handelt. Sie verkennt, aber dass wir in einer alternden Gesellschaft leben, in der die Kehrseiten des lange von Jugendlichkeit und Unbeschwertheit geprägten Alltags mehr und mehr zur Normalität werden.

Wohin also mit den Todkranken? Mit Menschen, denen die Energie ausgeht. Denen nur noch wenige Tage bleiben. Man kann sie natürlich weitgehend unsichtbar machen. In einem Krankenhaus- oder Pflegebett. Oder in einem wunderbar im Grünen gelegenen Heim. Fernab der Stadt und damit den Augen der Öffentlichkeit entzogen. Aber wird das ihren Bedürfnissen und ihrer bis zum letzten Atemzug geltenden Würde gerecht?

In vielen Fällen ist das zweifellos nicht der Fall. Denn auch wer weiß, dass er in Kürze gehen muss, kann doch ganz bewusst den Wunsch haben, die ihm noch verbleibende Zeit möglichst nah am pulsierenden Leben zu verbringen. An den Orten, die sein Zuhause und seine Heimat waren. Nicht abgeschoben, sondern mittendrin. Vielleicht sogar mit einem Blick aufs Heidenheimer Schloss, wie ihn das Hospiz an der Bergstraße aus allen Krankenzimmern heraus bietet.

Die gestrige Einweihung des Hauses Barbara hat gezeigt, dass auch ein Tag, der sich ganz elementar mit dem Tod befasst, einer der Freude sein kann. Weil deutlich wurde, wie die haupt- und ehrenamtlichen Sterbebegleiter den künftigen Bewohnern auf Zeit Ängste nehmen und den Abschied erleichtern können. Und weil das neue Angebot bestimmt auch manchem zu der Erkenntnis verhilft, dass das Leben untrennbar mit seinem Ende verbunden, sowie ein unverkrampfterer Umgang mit dem Thema möglich ist. Keine Frage: Eine Einrichtung wie das Hospiz gehört in den Hochglanzprospekt einer jeden Kommune.