Kreis Heidenheim / Arthur Penk Anstieg der Corona-Infektionen um fast 50 Prozent, Stillstand bei Giengens größtem Arbeitgeber, Flucht in Edelmetalle, nachlassende Hamsterkäufe – die Entwicklungen am Mittwoch im Kreis Heidenheim auf einen Blick:

Wer mit dem Coronavirus infiziert ist oder mit Infizierten Kontakt hatte, muss in 14-tägige Quarantäne. Das galt schon bisher, doch neu ist jetzt: Dies gilt automatisch ab Bekanntwerden der Infektion oder des Kontakts ohne extra Anordnung durch die Ortspolizeibehörde. Die Landkreisverwaltung hat am Mittwochabend dazu eine Allgemeinverfügung erlassen, die ab Donnerstag (26. März 2020) in Kraft tritt. Verstöße werden mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet.

Hier die Pressemitteilung des Landratsamtes: Link

Der Landkreis Heidenheim erlässt in Sachen Infektionsschutz eine Verordnung, die ab Donnerstag in Kraft tritt. Die Quarantäne für Infizierte und Kontaktpersonen gilt ab sofort automatisch und damit ohne eine eigene Anordnung durch die Ortspolizeibehörde.

Auch am Mittwoch ist die Zahl der bekannten Corona-Infektionen im Landkreis weiter angestiegen und zwar deutlich stärker als an den vorangegangenen Tagen. Am Dienstagabend hatte das Landratsamt noch 87 bestätigte Infektionen gemeldet, im Laufe des Mittwochs stieg die Zahl um 42 auf inzwischen 129. Aktuell werden neun Corona-Patienten im Heidenheimer Klinikum stationär behandelt. Von der Gesamtzahl der Infizierten sind inzwischen neun wieder genesen:

Am Mittwoch ist die Zahl der betätigten Corona-Infektionen im Landkreis Heidenheim um beinahe 50 Prozent auf 129 gestiegen. Auch stationär werden Patienten behandelt.

Nicht erst seit Corona steuert die Welt auf eine Wirtschaftskrise zu. Das behaupten zumindest Finanzexperten. Sie warnen vor einem großen Crash. Private Kapitalanleger geben in solchen Zeiten nichts auf Bargeld oder Bankguthaben. Sie machen Geld zu Gold, Silber, Platin, Rhodium, Palladium und Kupfer. Das bekommt auch der Heidenheimer Händler Hans-Jochen Grüninger zu spüren: (HZ+)

Der Coronavirus bringt Bewegung in den Gold- und Silber-Markt. Das bekommt auch der Heidenheimer Händler Hans-Jochen Grüninger zu spüren.

Die Kultusministerkonferenz der Länder hat am Mittwoch beschlossen, dass die Abschlussprüfunden in den Bundesländern trotz der Corona-Pandemie stattfinden sollen. In Baden-Württemberg beginnt die Prüfungszeit damit nach aktuellem Stand am 18. Mai. Hier die Auflistung aller Prüfungstermine, nicht nur für das Abitur, sowie die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz im Einzelnen:

Die Kultusministerkonferenz hat am Mittwoch beschlossen, dass die Abiturprüfunden in den Bundesländern trotz der Corona-Pandemie stattfinden sollen. In Baden-Württemberg beginnt die Prüfungszeit am 18. Mai.

Beim größten Giengener Arbeitgeber BSH werden ab Samstag viele Mitarbeiter von der dreiwöchigen Produktionspause betroffen sein. Anders beim Feuerwehrausstatter Ziegler:

Beim größten Giengener Arbeitgeber BSH werden ab Samstag viele Mitarbeiter von der Produktionspause betroffen sein. Diese könnte bis zu drei Wochen andauern.

Während die BSH von einer Betriebsunterbrechung betroffen sein wird, ist eine Stilllegung der Produktion bei der Albert Ziegler GmbH (noch) nicht in Sicht.

Für Verunsicherung sorgte Anfang der Woche eine Auflistung der Beschränkungen, die mit dem von Bund und Ländern verabschiedeten Kontaktverbot einher gehen. Betroffen sind davon unter anderem Massagepraxen. Also auch Physiotherapiepraxen, in denen ebenfalls oft Massagen angeboten werden? Nein. Das belegt ein Blick in den amtlichen Maßnahmenkatalog. „Medizinisch notwendige Behandlungen“, so heißt es weiter, „bleiben weiterhin möglich“:

Physiotherapiepraxen dürfen ihre Dienste trotz des Kontaktverbots auch weiterhin anbieten.

Toilettenpapier und Desinfektionsmittel sind noch immer Mangelware in vielen Supermärkten – doch bei vielen anderen Produkten werden die Lücken in den Regalen kleiner. „Wir stellen fest, dass sich die Regale wieder mehr und mehr füllen“, sagte der Sprecher des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), Christian Böttcher. Große Einzelhandelsketten bestätigten bei einer Umfrage den Trend:

Die Situation in den Lebensmittelläden normalisiert sich. Händler überlegen nun, wie sie ihre Mitarbeiter besser vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen können.

In Hongkong los mit Corona ging’s Ende Januar. „Da haben wir erstmals gehört, dass in China etwas vor sich geht“, erzählt Cathrin Leitenberger. „Zwei Wochen nach den ersten Nachrichten wurden dann bei uns alle Projekte mit China ausgesetzt und wir in der Firma angewiesen, Mundschutz zu verwenden.“ Die 26-Jährige ist vergangene Woche nach sechseinhalb Monaten in Hongkong nach Heidenheim zurückgekehrt und schildert, wie sie dort den Alltag erlebt hat und wie sie ihn nun hier empfindet: (HZ+)

Cathrin Leitenberger ist vergangene Woche nach sechseinhalb Monaten in Hongkong nach Heidenheim zurückgekehrt und schildert, wie sie dort den Alltag in Zeiten von Corona erlebt hat und wie sie ihn nun hier empfindet.

Das sonnige Wetter würde passen, doch die Corona-Pandemie und die notwendig gewordenen staatlichen Verordnungen lassen es nicht zu: Für Samstag, 28. März, war der Saisonstart 2020 im Legoland Deutschland bei Günzburg geplant. Vorerst bleibt der Freizeitpark geschlossen und muss so auch auf die lukrative Öffnungszeit während der Osterferien verzichten. Das ist aber keineswegs die einzige Maßnahme, mit der seitens des Legolands auf die aktuelle Situation reagiert werden muss: (HZ+)

Der für Samstag geplante Saisonstart wird auf nach den Osterferien verschoben. Die über 500 saisonalen Mitarbeiter sind seit 25. März in „Kurzarbeit Null“.

Die einen können sich vor Arbeit nicht retten, den anderen brechen Märkte, Lieferketten und Kunden weg. Hochkonjunktur herrscht beim Arbeitsamt, bei den Banken und der Gewerkschaft, die damit beschäftigt sind, den Betrieben beim Abfedern der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu helfen. „Wir haben es mit massivsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschnitten zu tun“, sagt Ralf Willeck, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Heidenheim. Vereinzelt stellten Betriebe die Produktion ein, in vielen werde Kurzarbeit vorbereitet:

Eine Welle von Kurzarbeit infolge der Corona-Krise rollt durch den Landkreis Heidenheim. Viele Firmen haben runtergefahren, andere haben den Notplan in der Schublade.

Dass im größten Teil der Republik keine Ausgangssperre, sondern ein weiter verschärftes Kontaktverbot verhängt wurde, ist nach Ansicht von Oberbürgermeister Dieter Henle der nach und nach wahrnehmbaren Verbesserung des Verhaltens in der Bevölkerung zu verdanken. Außer auf Vernunft setzt man in Giengen aber auch auf Kontrolle: Die Stadt hat die Besetzung ihres Ordnungsdienstes auf das Vierfache aufgestockt, um Verstöße unmittelbar beenden zu können:

Beim Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus setzt die Stadt Giengen auf Vernunft, verlässt sich aber nicht allein darauf.

Das Coronavirus ist auch für den deutschen Profifußball die wohl größte Herausforderung seiner Geschichte. Zuletzt wurden die Vereine durch enorme Einnahmen aus der Fernsehvermarktung verwöhnt. Längst stellt sich die Frage: Wie geht’s beim FCH in der schwierigen wirtschaftlichen Situation aufgrund der Coronavirus-Pandemie weiter? Vorstandsvorsitzender Holger Sanwald zeigt sich insgesamt optimistisch, auch wenn die Lage angespannt bleibt: (HZ+)

Eine verlängerte spielfreie Zeit ist eine große wirtschaftliche Herausforderung für den Verein. Auslaufende Spielerverträge werden vorerst nicht verlängert.

Sportler in der Corona-Pause (2): Normalerweise kurbelt Johannes Röhrer das Spiel der Bezirksliga-Fußballer des SC Hermaringen an. Doch während der verordneten Coronavirus-Pause weicht er verstärkt auch auf die Yogamatte aus. Und zwar zusammen mit seiner Freundin Louisa. Auch sonst kenne er von Physiotherapeuten ein paar gute Gymnastik- und Kräftigungsübungen für daheim: (HZ+)

Fußballer Johannes Röhrer vom SC Hermaringen trainiert in der Coronavirus-Pause mit seiner Freundin, musste aber seinen 30-er verschieben.