Der Kultur-, Sozial- und Sportausschuss des Gemeinderats und die Stadtverwaltung sind sich einig, auf Lüftungsanlagen in Betreuungseinrichtungen und Schulen in Trägerschaft der Stadt zu verzichten. Das hat eine Diskussion in der Ausschusssitzung am Dienstag ergeben. Eine Studie der Uni Stuttgart weise nach, dass Lüftungsanlagen oder Luftfilter nicht effektiver sind als das Stoßlüften.

470 Klassenzimmer und Gruppenräume

Die Stadtverwaltung hat die Thematik Luftaustausch für die 400 Klassenzimmer an Schulen und die 70 Gruppenräume in Betreuungseinrichtungen vor der Sitzung aufgearbeitet und von verschiedenen Seiten beleuchtet. „Alle unsere Räume sind gut zu lüften“, sagte Oberbürgermeister Bernhard Ilg.

Informationen des Umweltbundesamts zufolge gewährleistet aktuell das Stoßlüften einen wirksamen Luftaustausch in Räumen. Matthias Heisler, Leiter des Fachbereichs Familie, Bildung und Sport, ergänzte: „Wir als Träger erfüllen derzeit sämtliche aktuell geltenden technischen Anforderungen an die Räume.“ Die Stadt habe in den vergangenen 20 Jahren die Betreuungseinrichtungen und Schulen kontinuierlich renoviert, saniert, erweitert und ausgebaut.

Aufwände viel zu hoch

Ein oder mehrere Luftfilter im Raum als mobiles Gerät können das Stoßlüften nicht ersetzen, heißt es von Seiten der Stadt. Die Kosten für mobile Geräte belaufen sich auf geschätzte 5000 Euro pro Raum, die Kosten für dezentrale Anlagen auf geschätzte 30 000 Euro pro Raum, wobei in beiden Fällen jeder Raum bautechnisch untersucht und der Einsatz von Lüftungsanlagen geplant werden müsse.

Für zentrale Lösungen, die in Bestandsgebäuden nahezu nicht umzusetzen seien, ließen sich die Kosten erst nach einer ausführlichen Planung beziffern. Gegen einen Einbau von Lüftungsanlagen bis zum Beginn des neuen Schuljahrs spreche zudem das geltende Vergaberecht – außerdem müsse der Gemeinderat zunächst beschließen, Mittel dafür bereitzustellen und die Verwaltung damit beauftragen, die Geräte oder die Planung für die dezentrale Geräte auszuschreiben. Falls Lüftungsanlagen in allen Räumen eingebaut werden, zöge das Investitionskosten von mehreren Millionen Euro nach sich – Energie und Wartungskosten noch nicht mitgerechnet.

OB Ilg ruft Bürgerinnen und Bürger zum Impfen auf

Das Land Baden-Württemberg hat zwar Anfang dieser Woche angekündigt, den Kommunen 60 Millionen Euro bereitzustellen, um Luftfilteranlagen in Betreuungs- und Klassenräumen einzubauen. Allerdings fördert das Land den Einbau von Luftfilteranlagen nur dort, wo das Lüften der Räume nicht möglich ist sowie für die Schulklassen 1 bis 6. „Wir bekommen also Stand jetzt vom Land keine müde Mark“, sagte Oberbürgermeister Ilg. Er appellierte an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen, um eine Herdenimmunität zu erreichen.