Heidenheim / Michael Brendel Physiotherapiepraxen dürfen ihre Dienste trotz des Kontaktverbots auch weiterhin anbieten.

Für Verunsicherung sorgte Anfang der Woche eine Auflistung der Beschränkungen, die mit dem von Bund und Ländern verabschiedeten Kontaktverbot einher gehen. Betroffen sind davon unter anderem Massagepraxen. Also auch Physiotherapiepraxen, in denen ebenfalls oft Massagen angeboten werden? Nein. Das belegt ein Blick in den amtlichen Maßnahmenkatalog.

Demzufolge wurde unter anderem verfügt, dass Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege wie Friseure, Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoo-Studios geschlossen werden müssen. Begründung ist, dass „man in diesem Bereich eine körperliche Nähe hat, die ja unabdingbar für die Berufsausübung ist“, und die nicht den formulierten Leitlinien entspricht, die einen Mindestabstand von eineinhalb Metern und die Verringerung der Kontakte zu Personen außerhalb des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Maß vorsehen.

Ärztlich verordnet

„Medizinisch notwendige Behandlungen“, so heißt es weiter, „bleiben weiterhin möglich.“ Aus dieser Formulierung lässt sich ableiten, weshalb Physio-, Ergo- und Logotherapeuten zu den systemrelevanten und damit in mancher Hinsicht privilegierten Berufsgruppen gezählt werden: Zum einen erfolgen die Behandlungen nicht ins Blaue hinein, sondern beruhen prinzipiell auf ärztlichen Verordnungen medizinisch erforderlicher Maßnahmen. Zum anderen sind viele Patienten dringend auf die Anwendungen angewiesen.

Findet auch René Lieberwirth, Geschäftsführer der Physiotherapiepraxis Iatros in Heidenheim: „Wenn beispielsweise nach Operationen oder einem Schlaganfall nicht sachgerecht und fortlaufend behandelt wird“, so der 36-Jährige, „bedeutet das für den Betroffenen möglicherweise ein Defizit, mit dem er anschließend sein Leben lang zu kämpfen hat.“

Schwierige Situation

Keine einfache Situation, mit der sich die Beschäftigten der Branche konfrontiert sehen, bringt die Tätigkeit doch zwangsläufig ein großes Maß an körperlicher Nähe mit sich. Die entscheidende Rolle spielt deshalb die Garantie, die unabdingbaren Hygienemaßnahmen einhalten zu können. „Wäre das nicht mehr möglich“, sagt Lieberwirth, „müsste ich zumachen, obwohl ich uns generell in der Verpflichtung sehe, unseren Auftrag im Gesundheitssystem zu erfüllen.“

Bis auf Weiteres läuft der Betrieb daher weiter – immer unter der Prämisse, dass mit Blick auf das Wohlergehen der Patienten und der Therapeuten gleichermaßen Schutzausrüstung in ausreichendem Maß zur Verfügung steht (was Lieberwirth zufolge freilich zunehmend schwer fällt).

Der konkrete Ablauf folgt klar geregelten Vorgaben: Ein Schild an der Eingangstür weist darauf hin, dass der Zutritt bei Symptomen, die auf eine Corona-Erkrankung hindeuten könnten, nicht gestattet ist. Parallel dazu wird bei Therapeuten, die beispielsweise einen leichten Schnupfen haben, regelmäßig die Temperatur gemessen.

Strenge Hygieneregeln

Nach dem Eintreten sind die Hände ausgiebig mit Seife zu waschen. Die Sitzplätze im Wartebereich wurden reduziert, Zeitschriften weggeräumt. Eine Plexiglasscheibe trennt Patienten und Rezeptionskräfte, Schilder mahnen, einen ausreichend großen Abstand einzuhalten.

Der Behandlungsbereich selber ist ein stets aufs Neue desinfiziertes Umfeld, in dem die aktuellen Standards einzuhalten sind. Das gilt für die Hände ebenso wie für Einrichtungsgegenstände und Materialien. Die Therapeuten tragen einen Mundschutz.

Weiterhin Hausbesuche

So lange als möglich will Lieberwirth auch daran festhalten, Patienten, die nicht mobil sind, zu Hause zu behandeln. Auch hier gilt: Schutzausrüstung ist Pflicht.

Gleichwohl läuft der Betrieb nicht wie gewohnt. Viele Personen verzichten derzeit von sich aus auf Anwendungen, weil sie jegliches Infektionsrisiko ausschließen wollen. Zudem werden manche Hochrisikopatienten derzeit nicht behandelt.

Geöffnet bleiben können derweil auch Podologie-Praxen.

Dr. Jörg Sandfort ist Hausarzt und Vorsitzender der Kreisärzteschaft. Im Interview spricht er über den neuen Alltag in Arztpraxen, fehlende Schutzausrüstung und darüber, wie der Austausch unter den Ärzten funktioniert.

Besonders Ärzte, Pflegekräfte, pharmazeutisch-technische Assistenten oder medizinisch-technische Assistenten werden gebeten, sich zu melden.