Um die 300 Menschen demonstrierten am Samstagnachmittag vor dem Heidenheimer Rathaus gegen Schutzbestimmungen, die von Bund und Ländern wegen Covid-19 erlassen worden waren und noch gültig sind. Bestritten wird deren Verhältnismäßigkeit, beklagt werden Eingriffe in die garantierten Grundrechte.

Gesicht zeigen: Maskenpflicht bestand im Freien nicht

Vom Kleinkind im Tragetuch bis zum gereiften Erwachsenen reichte die Altersspanne derer, die fast alle ohne Maske bei der Kundgebung „Gesicht zeigten.“ Eine Maskenpflicht hatte nach Angaben der Organisatoren nach Absprache mit der Stadtverwaltung nicht bestanden. Politik sollte bei den Ansprachen zwischen 14.30 und 17 Uhr nach Willen der Veranstalter, die hinter der Plattform Grundrechte Heidenheim stehen, außen vor bleiben.

Bunter Haufen von Interessengruppen

Impfgegner, Strahlenskeptiker, Interessierte an Naturheilweisen, Anthroposophen und solche, die Bill Gates als Drahtzieher einer großen Verschwörung ausgemacht haben, machten teils mit Plakaten und Schildern auf ihre Ansichten aufmerksam. Dankbar waren die Organisatoren der Stadtverwaltung, dass auf eine Markierung des Mindestabstand auf dem Rathausplatz verzichtet werden durfte. Angesichts der Menge der Menschen wären diese auch kaum mehr zu sehen gewesen. Die Veranstalter hatten im Gegenzug ein eigenes Ordnerteam am Platz.

Organisatoren sehen den Widerstand wachsen

Wiederholt wurde von Rednerinnen und Rednern dazu aufgerufen, die angeordneten Einschränkungen kritisch zu hinterfragen, den eigenen Kopf einzuschalten. Den Medien wurde unterstellt, die Wirklichkeit zu verfälschen und über Veranstaltungen dieser Art nicht zu berichten. „Der Widerstand wächst“ war sich eine Sprecherin sicher. Sie verwies dabei darauf, dass vergangenen Woche erst 200 Demonstranten gekommen seien.

Angst als Triebkraft

Dieser Widerstand gegen die Einschränkungen ist aber nicht nur intellektuell motiviert im Sinne einer rationalen Kritik am Handeln von Bund und Ländern. Er wird mehr noch von Emotionen getragen, der „Angst vor einer neuen Normalität mit Masken und Abstandsregeln“, der Sorge, dass die Beschränkungen ihrerseits Leid bewirken, dem Widerwillen, Kinder nicht mehr Kinder sein lassen zu dürfen, dem Nachlassen der Nerven „nach acht Wochen Angstbeschuss.“ Der Anteil der Frauen bei der Demonstration war sehr hoch.

Kundgebung in Giengen fand fast keine Resonanz

„Ist der Corona-Virus so gefährlich, wie uns das von der Bundesregierung suggeriert wird?“ - dies und mehr war auf einer Einladung zu einer Demonstration zu lesen. Die fand am Samstagvormittag beim Memminger Torplatz auch statt. Mit zwei Polizeibeamten und Ordnern sowie einer Bühne, aber fast ohne Zuhörer.

Der Sprecher, Markus Thumm, ließ sich von der geringen Resonanz aber nicht entmutigen und hob in seiner Rede darauf ab, dass es sich seiner Meinung nach nur um einen „sogenannten Corona-Virus“ handle. Vielmehr sprach er von der „Corona-Lüge“ und davon, dass das Robert-Koch-Institut sowie die Charité von der Bill-Gates-Stiftung finanziert würden. Sein Tipp an die Zuhörer: „Glauben Sie nicht alles, was die Mainstream-Medien berichten.“

Demo gegen Corona-Beschränkungen auf dem Heidenheimer Rathausplatz

Bildergalerie Demo gegen Corona-Beschränkungen auf dem Heidenheimer Rathausplatz