Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger Marita Kasischke und Eric Mayr servierten Gegenwartsliteratur mit musikalischer Kommentierung.

HEtwa sechzig Besucher konnten am Freitagabend im heimeligen Café des Naturtheaters eine musikalische Lesung der besonderen Art erleben. Marita Kasischke bot eine Auswahl von Gegenwartsliteratur mit einem amüsanten Ausflug zu Wilhelm Busch. Eric Mayr hatte dazu dezente, stimmige Improvisationen auf dem Piano parat.

Es ging weitgehend um die Befindlichkeiten gegenwärtigen Alltagslebens mit hintersinnigen Botschaften, etwa dass es die „kleinen Lügen“ sind, die Beziehungen retten können. Marita Kasischke gelang es, die Hintersinnigkeit der Texte augenzwinkernd als Ersatz für ein Psychologie- oder Soziologiestudium zu präsentieren. Walgesänge anhören war eine der „sieben goldenen Regeln“ in der Therapie, aber man fand nur die Neujahrsrede des Bundespräsidenten. Die eher verträumten Piano- Figuren klangen dabei noch schöner als die Walgesänge.

Wilhelm Buschs „Jägerlatein“ nahm dramatische Züge an. Auf der Flucht vor dem Bären schnappte sich dieser die Hose des Waidmannes und dazu noch zwei Flaschen Portwein, die das betrunkene Untier ihm auf die Hühneraugen krachen ließ.

Dazu passte Reinhard Meys „Diplomatenjagd“ vorzüglich. „Anmache“-Erlebnisse von Jürgen von der Lippe hatten erst Erfolg, als sich die Dame als „Maria, ich bin Jungfrau“ vorstellte und er erleichtert bekannte, er sei „Josef, der Schreiner“. Na dann: „300 pro Stunde, interessiert?“ Dietmar Wischmeyers „Das bin nicht ich“ leuchtete die Seelentiefen gekonnt aus, und die Gepäckprobleme beim Familienurlaub im Käfer oder im Aufsteiger-Passat, wo zur Satellitenschüssel noch ein „Magermodel-Sarg“ auf das Dach musste, kamen einfach umwerfend.

Ein pointenreicher, auf intelligente Weise unterhaltender Abend ging mit einer amüsanten Zugabe zu Ende. Züricher Geschnetzeltes wollte „Er“ doch lieber aus Kalbfleisch und nicht aus Tofu, den er im Supermarkt per Handy grün färben wollte, um per Foto der Liebsten zu Hause die Ungenießbarkeit des Bohnenquarks zu demonstrieren. Die „kleine Lügen“ retteten auch hier einmal mehr wieder eine Beziehung. Einfach famos, dieser Abend.