Es ist dieser Traum, es sind diese Bilder im Kopf, die Marlene Schmid von klein auf fesseln: Irgendwann einfach den Mut zu haben, die Sachen zu packen und auszuwandern. An einem Strand leben und ihr eigenes Ding machen. Nach ihren Vorstellungen – und nicht so, wie es die Gesellschaft und vielleicht auch die Familie von ihr erwartet. Alles stehen und liegen lassen – und irgendwo neu beginnen.

Zunächst bleibt es aber beim Traum. Schmid, die in Heidenheim geboren und aufgewachsen ist, macht eben doch das, was sie eigentlich niemals wollte. Nach dem Abitur am Hellenstein-Gymnasium, studiert sie erstmal Gesundheitsökonomie in Ludwigshafen – es ist zumindest ihr erster „Abnabelungsversuch“ von der Heimat. Es folgt eine Anstellung im Gesundheitsmanagement – auch jetzt hat sie wieder das Gefühl, nicht das Richtige zu machen. Aus gesellschaftlichen Zwängen. „Für mich spielten Karriere und Geld noch nie eine große Rolle“, sagt sie. Doch in Deutschland würde einem der Weg dorthin quasi vorgegeben. Dann mache man eben doch das, was auch alle anderen machten. „Karriere, Familie, Haus. Doch das war und ist nicht mein Ding“, sagt sie. „Und es fühlte sich für mich auch nie so an, als würde es mir Erfüllung bringen.“

Die eine Chance nutzen

Auch mal innezuhalten, die Gedanken und Gefühle zu sortieren und herauszufinden, wer man wirklich ist, statt immer nur von Termin zu Termin zu hetzen und ständig im Stress zu sein: Das seien die Dinge, die ihr wichtig seien. „Wir haben nur diese einzige Chance auf diesem wundervollen Planeten. Warum verschwenden wir diese also mit Dingen, die wir nicht wirklich lieben?“, fragte sie sich. Und packte daraufhin ihre Sachen, weil sie sich mit 29 Jahren endlich bereit dazu fühlte, nach Australien auszuwandern. Sie buchte kurzentschlossen ihr „One-Way-Ticket“, informierte Familie und Freunde über ihre Pläne und saß nur vier Monate später im Flugzeug nach „.Down Under“.

Dass sie es ernst meinte, dürfte auch dem Letzten klar geworden sein, als sie bis auf ihr Gepäck alles, was sie jemals besessen hatte, verkaufte und sogar die Beziehung mit ihrem damaligen Verlobten auflöste. „Die Entscheidung, nach Australien auszuwandern, soll eine langfristige sein“, sagt sie.

Yoga ist mehr als nur Stretching

Die Visionen aus ihrer Jugend wurden in diesem Moment Wirklichkeit. Sie habe deshalb Yogalehrerin werden wollen, um den Menschen nahezubringen, dass Yoga mehr sei als nur Stretching. „Ich nenne es ‚Mindset Work‘, die Macht, Gedanken kontrollieren zu können.“ Zu lernen, wer man wirklich sei, wie man sich selbst finde und den tieferen Sinn des Lebens erkenne. „Einfach, den eigenen Weg zu gehen und nicht jenen, den die Gesellschaft einem vorschreibt.

An diesen Punkt zu kommen, war für Marlene Schmid ein harter, steiniger Weg. Die Auswanderung sei alles andere als einfach gewesen, jedoch sei sie immer bereit dafür gewesen, für ihren Traum zu kämpfen und das eigentliche Ziel nie aus den Augen zu verlieren.

Heute kann sie ganz offen sagen, dass sie jenes Ziel erreicht habe, wovon sie schon als junge Frau geträumt habe. „Ich lebe die Bilder, die ich immer im Kopf hatte.“ Niedergelassen hat sie sich als Yogalehrerin am Meer, genauer gesagt bei Brisbane an der sogenannten „Gold Coast“ Australiens. Marlene Schmid ist angekommen, sie lebt ihr Yoga und hilft Menschen, ihre Lebensaufgabe zu finden. So wie sie sich selbst erst finden musste.

Mehr Infos gibt es auf dem Instagram-Kanal @YogawithMarlene und seit Neuestem auf ihrer Homepage yogawithmarlene.com.au

Brücken in alle Welt: Teilnehmer gesucht

Marlene Schmid hat sich ihren Kindheitstraum verwirklicht und ist nach Australien ausgewandert. Auch viele andere Menschen aus dem Kreis Heidenheim sind aus familiären oder beruflichen Gründen - oder sogar komplett aus freien Stücken in praktisch alle Teile der Welt ausgewandert, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Viele von ihnen werden in der Weihnachtsausgabe der Heidenheimer Zeitung von ihrem Leben fernab der Heimat berichten. Die Zeitung baut damit auch in diesem Jahr wieder Brücken in alle Welt – und wer heuer mit einem eigenen Beitrag aus der Ferne dabei sein möchte, kann sich zeitnah beim Sonderthemen-Redakteur Mathias Ostertag melden. Die Kontaktdaten: Tel.07321.347-176 oder E-Mail mathias.ostertag@hz.de