Heidenheim / Sandra Gallbronner Gute Prävention und naturelle Voraussetzungen schonen die Bäume im Kreis Heidenheim. Dennoch hat auch hier der Hitzesommer des vergangenen Jahres seine Spuren hinterlassen.

Dahanna riecht´s nach Käfer“, sagt Christof Bosch, Revierleiter im Wental, beim Streifzug durch den Wald bei Steinheim. Der Duft habe eine süßlich Note, beschreibt er. Riechen könnten ihn aber nur wenige Menschen, lange auch nicht alle, die beinahe täglich im Wald arbeiten. Währenddessen blickt Dr. Hans Untheim, Leiter des Fachbereichs Wald und Naturschutz im Heidenheimer Landratsamt, kritisch nach oben: „Es schaut nicht gut aus. Viele Kronen sind licht.“ Die Rede ist vom Borkenkäfer, dessen Spuren Bosch und Untheim bei einem Kontrollgang in einem Waldstück im Wental suchen.

Niederschlag hält Käfer fern

Nass und verhältnismäßig kalt war der Mai in diesem Jahr, Regen begleitet bislang auch den Juni. Was vielen gerade jetzt in den Pfingstferien ungelegen kommt, zaubert Untheim ein Lächeln ins Gesicht. Schließlich hatte die Natur im Vorjahr schon genug unter der lang anhaltenden Trockenheit zu leiden. Die höhere Niederschlagsmenge hat einen weiteren entscheidenden Vorteil: Sie hält den Borkenkäfer, der eine zu feuchte Umgebung nicht mag, von den Bäumen ab.

2018 hingegen konnte sich der Käfer gut entwickeln. Zu gut. So konnten sich sogar drei Generationen der Insekten in den Wäldern verbreiten. Zudem konnte der Käfer dort, wo er nicht rechtzeitig entdeckt worden war, im Boden und unter der Rinde überwintern. Die Folge: „Wir haben dieses Jahr eine hohe Ausgangspopulation“, sagt Untheim.

Und wie sieht die Prognose für die nächste Zeit aus? Dafür wirft der Fachbereichsleiter einen Blick auf die Statistik und vergleicht: 2003 war der Sommer ebenso wie 2018 heiß und trocken. In den drei Folgejahren 2004 bis 2006 stiegen die Schäden durch den Borkenkäfer nochmals an. „Deshalb rechnen wir auch in den nächsten Jahren mit großen Schäden“, so Untheim. Denn die Fichten, die der Borkenkäfer befällt, seien aus dem Vorjahr geschwächt.

Zu viel Holz auf dem Markt

Große Schäden an den Bäumen bedeuten allerdings mehr Einschlag. Dementsprechend muss mehr Holz verkauft werden. Dass ist derzeit aber schwer. Der Markt wird mit Holz aus der zufälligen Nutzung, sei es wegen Stürmen, Dürre oder eben des Käfers, überschwemmt. Die Abnahme stagniert, die Preise haben stark nachgelassen. Folglich wird auch im Staatswald im Kreis Heidenheim derzeit kein Frischholz eingeschlagen. „Wir müssen im Nachgang fällen oder das Holz liegen lassen“, sagt Bosch.

Dennoch: Im Landkreis Heidenheim habe man den Borkenkäfer noch gut im Griff, so Untheim. Bislang könne befallenes Holz zeitnah aus dem Wald abtransportiert werden, bevor die Insekten ausschwärmen konnten. Tote Bäume, die nicht mehr befallen sind, könnten stehen gelassen werden, sagt Untheim: „Sie stellen keine Gefahr mehr da. Entscheidend sind die Bäume, die frisch befallen sind.“ „Das Waldbild wird sich massiv ändern“, ergänzt Bosch und bezieht sich dabei auf abgestorbene Bäume in zunehmenden Mengen sowie Löcher in den Wäldern, nämlich dort, wo frisch befallene Bäume gefällt werden müssen.

Doch allein auf die Probleme des Waldes können sich die Mitarbeiter des Fachbereichs Wald und Naturschutz derzeit nicht konzentrieren. Hinzu kommt die Organisation der neuen Forstverwaltung. Dabei wird der Staatswald, für den bisher das Landratsamt zuständig war, zum 1. Januar 2020 in eine Landesanstalt des öffentlichen Rechts überführt. „Das kostet Zeit, die uns für den Borkenkäfer fehlt“, so Untheim.

Im Vergleich: Ostalb nicht stark betroffen

Der Borkenkäfer stellt nicht das einzige Problem in den Wäldern Baden-Württembergs dar. Hinzu kommen klimabedingte Waldschäden, die sich immer mehr häufen. So gibt es vermehrt Stürme und Trockenperioden.

Das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz hat deshalb einen Taskforce eingerichtet. Zudem sollen die Landkreise bei Bedarf runde Tische organisieren, die sich des Waldschutzes annehmen.

Auf der Ostalb sei eine solche Arbeitsgruppe nicht notwendig, so Dr. Hans Untheim. Hier gebe es keine immensen Probleme wie etwa im Kreis Ravensburg, wo große Mengen Insekten- und Sturmholz angefallen sind. sga