Heidenheim / Marita Kasischke Dass Herzen noch jetzt in der Hammerschmiede zu Königsbronn liegen – es kann nicht ausgeschlossen werden, denn es flogen den dortigen Akteuren am Dienstagabend die Herzen nur so zu.

Dass Herzen noch jetzt in der Hammerschmiede zu Königsbronn liegen – es kann nicht ausgeschlossen werden, denn es flogen den dortigen Akteuren am Dienstagabend die Herzen nur so zu.

Zum „Blauen Abend“ hatten die Opernfestspiele Heidenheim in das historische Gebäude zu Königsbronn geladen, und das heißt ja zunächst, dass die Einladung ins Blaue erfolgt, denn was dort zu erwarten sein würde, das sollte ja wie immer ein Überraschungspaket aus kulinarischen und musikalischen Leckerbissen sein.

Diese Mischung zog an: Rasch gefüllt hatten sich die Tischreihen in der fein dekorierten Hammerschmiede; und gespannt erwarteten die Zuschauer ihr Menü. Und das wurde frisch und vor Ort zubereitet, was sich bei den kulinarischen Köstlichkeiten von selbst versteht, bei den musikalischen Appetithappen jedoch zudem den besonderen Reiz des frisch Improvisierten entwickelte.

Und das war beileibe nicht der einzige Reiz, den dieser „Blaue Abend“ bereit hielt. Die Farbe Blau changierte vom herrlichsten Himmelblau bis zum zartschmelzenden Rosarot gar, so sehr verzauberte das diesjährige Ensemble der Opernfestspiele.

Geradezu reizende Erscheinungen bildeten die Damen Melba Ramos (Lady Macbeth), Isabel Blechschmidt (ihre Dame) und Eva Maria Summerer (Zofe der „Prinzessin Anna“) – und nicht minder die Herren Antonio Young (Macbeth), Demos Flemotomos (Macduff), Felix Rathgeber (Arzt, Mörder, Diener und Herold) und das lateinamerikanische Feuerwerk Leon de la Guardia (Malcolm). Sie zauberten ein opulentes Mahl, das mit den Zutaten Augenweide, komödiantisches Talent, Spielfreude, vor allem aber atemberaubenden Gesang gar nicht satt genug machen konnte.

Und dabei war das Buffet reichlich bestückt und sehr vielseitig: Delikatessen aus „My fair Lady“, „Carmen“, „Die ungarische Hochzeit“, dazu verführerische Schmankerl wie die „Barcarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“, aber auch leichte Genüsse wie ein chilenisches Volkslied und ein Canzone ergaben Feinkost für alle Sinne, die gar nicht glauben ließ, dass die „Sänger zu diesen Auftritten angeschubst werden mussten“, wie Festspieldirektor Marcus Bosch die Zuhörer wissen ließ.

Boschs locker-leichte Conference passte zur Gesamtspeisenfolge wie das sprichwörtliche Sahnehäubchen und gab darüber einen interessanten und informativen Einblick hinter die Kulissen der Opernfestspiele. Und auch Bosch blieb nicht verborgen, dass sich ein durchaus sinnliches Wohlgefallen im Publikum einstellte: „Ich hab schon gesehen, wie wachsam Männer ihre Frauen ansehen – und umgekehrt“, schmunzelte er.

Zum Augen- und Ohrenschmaus, perfekt begleitet am Klavier von Karina Sabac und Bosch selbst, gesellten sich die Leibspeisen, die Frank Widmann mit seiner Crew nahezu unbemerkt aus dem Topf auf Teller und Tisch zauberte, dazu das idyllische Ambiente in und um Hammerschmiede.

So erlebte das Publikum eine stilvolle Schleckerei über rund drei Stunden bis hin zum Trinklied aus „La Traviata“, die über die eine oder andere Unstrukturiertheit locker hinwegsehen ließ, war dies doch gewissermaßen ein Abend unter Freunden.

Denn das Ensemble versprühte neben Sangeskraft und Stimmenstärke so viel Harmonie und Sympathie, dass der Appetit auf „Macbeth“ und „Prinzessin Anna“ und die Opernfestspiele überhaupt mächtig angeheizt wurde.

Nicht zuletzt deshalb, als es dort ein Wiedersehen mit dem „chilenischen Villazon“ (Bosch über Leon de la Guardia) gibt, der an diesem Abend für das Herzenfliegen in der Hammerschmiede wohl die Hauptverantwortung übernehmen muss.