Im August vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die Stadtwerke die einzige Erdgas-Tankstelle im Landkreis schließen werden. Jetzt steht fest: Fahrer von erdgasbetriebenen Fahrzeugen können hier auch weiterhin tanken. Eigentlich hätte die CNG-Tankstelle zum Jahresende geschlossen werden sollen. Doch nach Auskunft der Stadtwerke konnte mit dem internationalen Tankstellenbetreiber OG Clean Fuels eine Lösung für den Weiterbetrieb gefunden werden – und dazu noch eine sehr umweltfreundliche.

Zu 100 Prozent regenerativ

Denn seit dem 1. Juli gibt es am Standort in der Kanalstraße zwar kein Erdgas mehr, sondern 100 Prozent regeneratives Bio-CNG. Und genau damit können auch Erdgas-Fahrzeuge betrieben werden. Wie die Stadtwerke mitteilen, hat das Unternehmen die Tankstelle erworben und will den Betrieb die kommenden zehn Jahre weiterführen. Das Grundstück bleibt im Eigentum der Stadtwerke und wird verpachtet.

Schließung der Heidenheimer Erdgas-Tankstelle war schon geplant

Die Erdgas-Tankstelle der Stadtwerke war im Oktober 2001 in Betrieb genommen worden. Die geplante Schließung nach mehr als 20 Jahren hatten die Stadtwerke im vergangenen Jahr damit begründet, dass der ursprüngliche Hersteller der Anlage, die Firma Linde, sich aus dem Geschäftsfeld zurückgezogen habe und der Betrieb einer einzelnen Tankstelle mangels in Frage kommender Partnerfirmen kaum mehr möglich sei. Das betreffe vor allen Dingen die Bereiche Service und Instandhaltung.

Niedriger CO2-Ausstoß

Das CNG-Gas, das jetzt hier getankt werden kann, wird aus landwirtschaftlichen Reststoffen und Gülle produziert und ist der Pressemitteilung zufolge momentan eine der nachhaltigsten Antriebsvarianten für Kraftfahrzeuge. Gegenüber Benzin- und Dieselmotoren seien die CO2-Emissionen um mindestens 90 Prozent niedriger.

Auch für Lkw geeignet

Die Tankstelle wird vom neuen Betreiber jedoch nicht nur übernommen, sondern soll auch modernisiert werden. Außerdem wird es künftig auch möglich sein, hier Lkw zu betanken. Für die gesamte Wartung ist OG Clean Fuels verantwortlich. Das Unternehmen verfügt bereits über ein großes Tankstellennetz für Biogas in den Niederlanden, Schweden und Deutschland. Allein in Deutschland betreibt OG 120 Stationen, in denen nur 100 Prozent regeneratives Biogas angeboten wird. Bei dem Unternehmen handelt es sich um eine Tochtergesellschaft der 2008 in den Niederlanden gegründeten Orange Gas B.V.

Klimaneutrales Fahren

Durch das Bio-CNG können Fahrzeuge Unternehmensangaben zufolge klimaneutral fahren. Im günstigsten Fall seien sogar negative CO2-Emissionen möglich, da bei der Biogas-Produktion mehr Kohlendioxid-Äquivalent eingespart werde als bei der Verbrennung des Kraftstoffs im Motor entstehe. Ein weiterer Vorteil von Erd- oder Biogas-betriebenen Fahrzeugen liegt im niedrigen Verbrauch und den im Vergleich zu Benzin und Diesel deutlich niedrigeren Kraftstoffpreisen.

Dennoch konnte sich diese Antriebstechnik nie richtig durchsetzen. Die Anzahl der erdgasbetriebenen Fahrzeuge ist sehr gering. Im August 2021 waren im Landkreis Heidenheim 85.390 Fahrzeuge zugelassen, unter ihnen nur 143, die mit Erdgas fahren. Schon 2019 hatte der Volkswagen-Konzern, aus dessen Marken-Imperium die meisten erdgasbetriebenen Fahrzeuge stammen, angekündigt, die Fertigung mangels Nachfrage einzustellen.

Ökologisch wertvoll


Mit dem Thema Biogas beschäftigte sich auch der CDU-Arbeitskreis Energie und Umwelt. Dabei erläuterte Erhard Lehmann die Fakten und Zusammenhänge. Bei den bisher zumeist in der Landwirtschaft angesiedelten Biogasanlagen entstehe bei der Vergärung von Gülle, Stroh, pflanzlichem Material, Ölen, Fetten usw. hauptsächlich Methan, das als Bio-Methan bezeichnet werde, in einer Konzentration von ca. 50 bis 80 Prozent, der Rest ist jeweils CO2. Bio-Methan deshalb, weil das bei seiner Verbrennung entstehende CO2 vorher von den Pflanzen für ihr Wachstum der Luft entnommen wurde, deshalb sei es CO2-neutral.

Dieses Biogas werde häufig, so wie es bei der Vergärung entstanden ist, zum Antrieb eines Verbrennungsmotors verwendet, der einen Generator zur Stromerzeugung antreibt, wodurch wiederum Strom und Wärme entstehen. Der Strom werde ins Stromnetz eingeleitet, die Wärme nicht immer optimal genutzt. Eine Variante sei, das CO2 des Biogases abzutrennen und das verbliebene Bio-Methan ins Erdgasnetz einzuspeisen.