Bei einer Online-Podiumsdiskussion des Heidenheimer Ortsverbands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) diskutierten 53 Teilnehmer mit fünf Landtags-wahlkandidaten der größeren Parteien für den Landkreis Heidenheim über den Stellenwert und die Zukunft der Bildung im Land Baden-Württemberg. Es nahmen Martin Grath (Die Grünen), Christian Morgenstern (FDP), Andreas Stoch (SPD), Florian Vollert (Die Linke), Markus Welsch (CDU) und die Moderatorin Inge Görlich (Leiterin des Vorstandsbereich Tarif-, Beamten- und Sozialpolitik der GEW) teil.

Grundschule: Viele unbesetzte Stellen

In Bezug auf den Grundschulbereich wies Görlich auf die hohen Lern-Niveaudifferenzen innerhalb der Lerngruppen sowie auf unbesetzte Stellen, bzw. Personalmangelhin. Vor allem auch im Landkreis Heidenheim könne nicht mehr an allen Schulen der „Regelstundenbereich“ vollumfänglich unterrichtet werden. Eine Ursache für den Personalmangel an Grundschulen liege darin begründet, dass das Lehramt für Grundschulen bei den Studienanfänger im Vergleich zu anderen Lehramts-Studiengängen unattraktiv (geworden) ist. „Das Lehramt an Grundschulen hat eine geringere Regelstudienzahl, die daraufhin in eine schlechtere Besoldung und in ein Deputat mit der höchsten Unterrichtsverpflichtung mündet“, so Görlich.

Forderung nach A13 für Grundschullehrer

Florian Vollert betonte die Wichtigkeit der Anerkennung des Grundschullehramts, was sich auch in der Besoldungsangleichung zu Sekundar-Lehrämtern zeigen muss. Martin Grath stimmte mit seiner Schilderung am Beispiel Skandinavien, dass dort die Grundschullehrkräfte die am besten ausgebildeten und bezahlten Lehrkräfte sind, zu. Dass A13 für Grundschullehrkräfte – eine langjährige Forderung der GEW – eine Option sei, die diskutiert werden müsse, war auch die Meinung von Magnus Welsch.

Andreas Stoch gab an, dass die Möglichkeit für einen horizontalen Laufbahnwechsel an Sekundarschulen und die Einführung des Lehramts „Sekundarlehrer“ in seiner Zeit als Kultusminister in die höhere Besoldung münden konnte. Allerdings sei nach seiner Zeit das Primarlehramt auf eine kürzere Regelstudienzeit festgelegt worden und somit auch die geringere Besoldung begründet.

Gestiegene Anforderungen für Grundschullehrer

Die Grundschule sei die heterogenste aller Schularten, weshalb vielfältigste pädagogische Kenntnisse besonders wichtig seien, so Stoch. Die gestiegenen Anforderungen an die Grundschullehrerinnen, viele Fächer unterrichten zu müssen und auch im Rahmen der Inklusion im Umgang mit Schülern mit besonderen sonderpädagogischen Bildungsbedarf versiert zu sein, mache eine Anpassung der Regelstudiendauer „absolut erforderlich“.

Digitalpakt: Kaum Geld abgerufen

Auch das Thema „Digitalisierung“ wurde diskutiert. Inge Görlich stellte dar, dass von den 650 Millionen Euro aus dem Digitalpakt am 15. Januar 2021 laut Kultusministerium erst 12,5 Millionen Euro abgerufen worden sind. Sie nannte Bremen und Hamburg, wo bereits jetzt jedes Kind über ein Endgerät verfüge. Christian Morgenstern forderte standardisierte Systeme für die Schulen, ggf. auch kommerzielle Anbieter, da die vom Kultusministerium seit vielen Jahren versprochene digitale Bildungsplattform einfach nicht „in die Gänge“ komme. Er betonte die Forderung nach stärkerer Autarkie der Schulen, auch größere Finanzmittel autonom verwalten zu können.

Zu schwache Netzwerke

Der Vorschlag von Morgenstern, alle Klassenzimmer mit einer Kamera auszustatten und die Lehrkräfte frontal von ihren Klassenzimmern aus zu den Rechnern ihrer Schüler im „homeschooling“ unterrichten zu lassen, würde derzeit schon an den zu schwachen Netzwerken an den Schulen scheitern, sagte eine Teilnehmerin. Stattdessen seien die meisten Lehrer gezwungen, mit privat finanzierten Endgeräten über ihr privates Netzwerk zu unterrichten, in der Hoffnung, dass die Netzwerke in den Schülerhaushalten stabil genug sind.

Die Frage einer Teilnehmerin, wie gerade in „Notstandsgebieten“ wie Heidenheim die Unterrichtsversorgung verbessert werden könne, blieb leider unbeantwortet. Andreas Stoch brachte hierbei ein Kernproblem zur Sprache: „Zwergschulen“ und „Kleinstschulen“ auf den Dörfern werde zu emotional diskutiert. „Es muss eine klare Mindestgrenze an Schülern festgelegt sein und im Zuge von Schulentwicklung auch die Wirtschaftlichkeit und pädagogische Qualität in den Blick genommen werden“, sagte Stoch.

Heidenheims Schulen öffnen teils wieder Rückkehr in Stufen und mit Problemen

Heidenheim

Stadt Heidenheim bestellt Corona-Schnelltests Erzieher und Grundschullehrer werden getestet

Heidenheim