Kreis Heidenheim / Mathias Ostertag Vor einem knappen Jahr startete der DRK-Kreisverband die aktivierenden Hausbesuche für Hochbetagte und Kranke. Das Programm wird sehr gut angenommen, es fehlt aber nach wie vor an Übungsleitern - auch für die Seniorengymnastik.

Das Konzept der aktivierenden Hausbesuche des Roten Kreuzes ist relativ simpel. Senioren, insbesondere Hochbetagte, die körperlich noch relativ mobil sind, aber nicht mehr eines der zahlreichen kreisweiten Bewegungsangebote für älteren Menschen nutzen können, werden einmal pro Woche für eine Stunde von einem ehrenamtlichen Übungsleiter aufgesucht, der sich dann intensiv mit dem Senior beschäftigt.

Zunächst wird 30 Minuten lang trainiert: Sturzprophylaxe, Koordination, Kraftübungen und Mobilisierung. Die hochbetagten Menschen sollen sich ihre Alltagsmobilität erhalten und vorhandene Ressourcen gefördert werden. Mit regelmäßigem Training sollen das Gleichgewichtsgefühl, die Koordinations- und die Gehfähigkeit verbessert und die Muskulatur gestärkt werden. Durch Sturzvermeidung kann die Verweildauer in den eigenen vier Wänden so lange wie möglich aufrecht erhalten werden.

Dann folgt Teil zwei der Stunde: 30 Minuten Zeit für Gespräche. Da kann es um Alltagssorgen gehen, aber auch um gesundheitliche Aspekte oder um die gerade erst absolvierten Übungen. „Das ist ganz individuell: Manchmal blättert man mit den Menschen auch einfach durch ein Fotobuch“, sagt Emma Sapper, die für den DRK-Kreisverband die Bewegungsprogramme gemeinsam mit Christine Marianek verantwortet.

In 27 Gruppen haben Senioren im Landkreis Heidenheim außerdem die Gelegenheit, durch klassische Gymnastik, Wassergymnastik und Tanz ihren Körper zu kräftigen. 22 ausgebildete Übungsleiterinnen sind zurzeit in zwölf verschiedenen Kreisgemeinden tätig, im Moment fehlt es aber in Dischingen, Frickingen, Schnaitheim, Großkuchen, Steinheim und Gerstetten an Übungspersonal, um die bestehenden Gruppen aufrecht erhalten zu können. Deshalb wirbt das DRK um Ehrenamtliche, die sich vorstellen können, eine dieser Gruppen langfristig zu übernehmen. „Ich kann ja nicht eine Übungsleiterin aus Königsbronn nach Herbrechtingen schicken, das macht aus Zeitgründen und wegen der Fahrtkosten keinen Sinn“, sagt Emma Sapper.

Die Voraussetzungen an die künftigen Übungsleiter sind gering. „Man sollte nur Spaß an Bewegung und gerne Kontakt zu älteren Menschen haben“, sagt Sapper. Weiter sollte ein Erste-Hilfe-Kurs absolviert werden, an mindestens fünf Stunden DRK-Gymnastik teilgenommen und an ein „Grundlehrgang Bewegung“ belegt werden. Der Zeitaufwand für die Gruppenleitung liegt pro Woche bei vier bis fünf Stunden. Bestenfalls werden die Senioren-Gymnastikgruppen im 14-tägigen Wechsel mit anderen Übungsleitern geleitet. Dafür gibt es eine Aufwandsentschädigung und obendrein wird die Ausbildung vom DRK finanziert. „Wer regelmäßig Gymnastik macht, fühlt sich deutlich fitter und ist beweglicher“, sagt Emma Sapper.

Die aktivierenden Hausbesuche können zum Beispiel dann ins Spiel kommen, wenn die Teilnehmer aus den Sportgruppen ausscheiden, weil die körperliche Mobilität nachlässt. Vor einem Jahr wurde ein erster Lehrgang gestartet, im Dezember 2013 schon die ersten Kunden betreut. „Das Angebot wird sehr gut angenommen, viele Kunden sehnen den Terminen schon richtiggehend entgegen“, so Sapper. Die Rückmeldung an die ehrenamtlichen Übungsleiter sei sehr positiv, mehrmals schon sei diesen berichtet worden, dass sich die hochbetagten Senioren nach der Einheit deutlich fitter gefühlt hätten. Sapper: „Bei einer Seniorin hat das bewirkt, dass sie bis zuletzt zu Hause bleiben und dort auch sterben konnte.“

Für den aktivierenden Hausbesuch gibt es zurzeit 18 ausgebildete Übungsleiter. Es ist aber absehbar, dass in nächster Zeit einige aufhören werden. Deshalb will das DRK einen weiteren Lehrgang starten, um zusätzliche Kräfte zu mobilisieren. Denn die Zahl der Menschen, die nicht mehr außer Haus kann, aber dennoch so lange wie möglich daheim bleiben will, bleibt hoch. „Die aktivierenden Hausbesuche bewahren die Menschen darum vor Einsamkeit und Isolation“, so Sapper.

Info Am kommenden Dienstag, 2. Dezember, findet in der Kreisgeschäftsstelle des DRK (Schlosshaustraße 98) ab 16 Uhr eine Infoveranstaltung statt. Fragen beantworten auch Christine Marianek und Emma Sapper unter Tel. 07321.3583-53.