Heidenheim / ChristIna Baumgartner Ob beim Skifahren, Mountainbiken oder Klettern - wer im Kreis Heidenheim in unwegsamem Gelände verunglückt, ist nicht selten auf die Bergwacht angewiesen. Deren Helfer trainieren regelmäßig, und nach der jüngsten Übung am Hochberg darf auch die Skisaison starten.

Der Mann hat einen passenden Namen: Stefan Österreicher ist technischer Leiter bei der Heidenheimer Bergwacht und damit einer der ranghohen Bergretter vor Ort. Und Bergretter braucht man auch auf der Ostalb: Beispielsweise, wenn Mountainbiker in schwer zugänglichem Gelände verunfallen, Kletterer aus den Felsen im Eselsburger Tal gerettet werden müssen oder Ski- und Snowboardfahrer auf der Piste verunglücken.

Letztgenannte Fälle hat es in der vergangenen Saison nicht gegeben. Kein Wunder, denn im Winter 2013/14 gab es keinen Skibetrieb in der Gegend. Für die Bergwacht Zeit für eine Verschnaufpause. Laufen die Lifte, steigt die Zahl der Einsätze deutlich. Viermal mussten die Retter aber dennoch ausrücken im fast abgelaufenen Jahr. Auch Mountainbiker, Kletterer oder gar Wanderer stürzen an Stellen, die kein Krankenwagen erreicht. Und auch die Suche nach vermissten Personen in unwegsamem Gelände ist Aufgabe der Bergwacht.

Mindestens einmal im Monat geht es für die Aktiven der Bergwacht darum ins Gelände. Dann werden Notfälle geprobt, um im Ernstfall schnell und richtig reagieren zu können. Und schließlich muss auch die Ausrüstung erprobt werden – Ausrüstung, wie sie kein anderer Rettungsdienst in der Gegend sein eigen nennt.

Hochberg, vor wenigen Tagen, abends um 19 Uhr: Eine kleine Gruppe Bergwachtler hat sich am Skihang eingefunden. Für die Presse hat man das Flutlicht eingeschaltet, doch der Abend wird davon nicht wärmer und der Hang nicht weniger steil. Eine Liege wie aus dem Notarztwagen hätte hier keinen Nutzen.

Dann doch lieber die mit einem Rad ausgestattete Gebirgstrage. Sie ist im Sommer das Rettungsgerät der Wahl, da sie in unwegsamem Gelände flexibel eingesetzt werden kann und einen schonenden Abtransport verletzter Personen ermöglicht.

Wie man sie einsetzt, demonstrieren die Bergwacht-Mitglieder dann auch gleich bei der nachgestellten Rettung eines verunfallten Mountainbikers mit Verletzungen an der Wirbelsäule.

Eine erste Untersuchung auf die möglichen Verletzungen und ihre Schwere, dann kommt zunächst eine Schaufeltrage zum Einsatz. Die ist in der Mitte teilbar und kann somit ohne schmerzhaftes Umlagern des Patienten unter den Körper geschoben werden. Dann geht es für den Verletzten in eine Vakuummatratze. Die ist mit Styroporkugeln gefüllt und presst sich an den Körper, wenn sie luftleer gepumpt wird. So liegt der Verletzte stabil und kann auch durch unwegsames Gelände transportiert werden, ohne das Erschütterungen Schlimmes anrichten.

Dann kommt die Gebirgstrage zum Einsatz: Nach dem Umlagern endet der Einsatz für die Bergwacht nach dem Abtransport des Verunfallten mit der Übergabe an den Rettungsdienst, der die weitere Versorgung des Patienten übernimmt, sobald der an einer Stelle ist, die in normaler Krankenwagen erreichen kann. Rund fünf bis zehn Minuten dauere es im Durchschnitt, bis der Verletzte abtransportiert werden kann, sagt Österreicher.

Am Hochberg liegt (noch) kein Schnee, doch nicht nur weil sich das ändern kann steht ein Sprung durch die Jahreszeiten an: Nun übt die Gruppe eine Winterrettung: Ein Verletzter mit gebrochenem Unterschenkel ist es diesmal, der Darsteller liegt bereits im Hang und wartet auf die Helfer.

Im Schnee werden Verletzte mit dem „Akia“, einem Rettungsschlitten mit Kufen abtransportiert. Der „Akia“ kann an ein geländegängiges Fahrzeug angehängt werden. Die Bergwacht hat ein Quad mit Allradantrieb, das hat ordentlich Power und ist in unwegsamem Gelände ein zuverlässiger Begleiter. Und wenn dann wirklich Schnee liegt, kann es sogar mit Raupenketten ausgestattet werden.

Auch den verunglückten Skifahrer bringt die Bergwacht sicher an die Talstation.

Drei Rettungen simuliert die Gruppe an diesem Abend, rund eineinhalb Stunden wird am Hochberg der Einsatz geprobt. Das Team funktioniert, die Ausrüstung auch. Flutlicht aus, Ende der Übung. Der Winter kann kommen, wenn es nach der Bergwacht geht.