Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger In der Pauluskirche wurden Werke russischer Komponisten gespielt.

Gut 250 Besucher kamen in die Pauluskirche zu einem weiteren Benefizkonzert für die Vesperkirche. „Die Orgel erzählt – Werke russischer Komponisten“ lautete das Motto, und Dörte Maria Packeiser eröffnete das Konzert mit einer aparten Orgelbearbeitung von Modest Mussorgskijs „Bilder einer Ausstellung“.

Dabei nutze sie gekonnt die Registrierungsmöglichkeiten der Rieger-Orgel. Das pentatonische Hauptmotiv der „Promenaden“ klang auf der Orgel mitreißend. Der „Gnomus“ stolperte mit schweren Schritten daher, und der ostinate Bass bei „Das alte Schloss“ wirkte fast bedrückend. Eine glänzende Idee war es, Bilder, in Pastelltönen gehalten, per Beamer auf der Leinwand hinter dem Altar zu präsentieren.

Der „Bydlo“, ein polnischer Ochsenkarren, versprühte eine verhaltene Tristesse. Der leichtfüßige Tanz der „noch nicht ausgeschlüpften Küchlein“ hatte mit leichten Staccati und Vorschlägen einen pittoresken Charme.

Dörte Maria Packeiser verstand es, die Tonsymbolik bei Mussorgskij dezent wie kraftvoll darzustellen, so etwa bei dem aufgeregten Disput zwischen einem reichen und einem armen polnischen Juden. Der protzige Bass des reichen Samuel Goldenberg kontrastierte dabei zu der elegisch wirkenden Klage des armen Schmuyle. Feierlich und hymnisch erklang „Das große Tor von Kiew“ mit kühnen Harmonien.

Sergej Prokofjews musikalisches Märchen „Peter und der Wolf“ ist immer noch ein „Hit“ , der auch in der Pauluskirche Begeisterung hervorrief. Die Registriermöglichkeiten der Orgel ließ eine gelungene Einsetzung unterschiedlicher Instrumente wie etwa die Querflöte für den Vogel, die Oboe für die Ente und die Klarinette für die Katze zu.

Die lebendige Präsentation instrumentaler Klangfarben wurde durch die dramaturgisch stimmige Erzählung verstärkt. Die einfühlsame Erzählstimme Gertrud Schädlers eignete sich trefflich für die Geschichte. Auch hier ergänzten filigran wirkende Bilder das erzählte Geschehen.

Es gelang Getrud Schädler, in feiner Abstimmung mit den musikalischen Einzelmomenten Spannung aufzubauen und der Erzählung Charme und Farbe zu verleihen. Bemerkenswert war wie immer der Schluss. Der Wolf wird nicht erschossen, sondern in einer Art Triumphzug zum Zoo geleitet. Fast tröstlich, wenn man die „Wolfsdebatten“ unserer Tage verfolgt. Prokofjews Märchen, in düsterer Zeit unter Stalin entstanden, könnte da Denkanstöße liefern.

Den begeisterten Besuchern machte es vor allem Vergnügen und jede Menge Spaß, was ja auch in einer Kirche durchaus legitim ist.